07.03.2015

Buchpremiere Geht ja doch! von Cordula Nussbaum

Stellt euch die Steelcase Creative Hall im SCE München vor: Ein bisschen Fabrikhalle, ein bisschen Pinwand, ein bisschen Umkleideraum bei einer Modenschau, viel weiße Wände.
Und die Menschen, die dazu passen: Ein bisschen Entrepreneurs, ein bisschen Selbstoptimierer, ein bissen zerstreute Professoren, viel Society.

Und dazwischen ich, der nur wegen der Pizza gekommen ist.
Ja, ich weiß, das ist nicht nett.
Aber lecker.
Vor allem weil die zur Vor-/Nachspeise diese Macarons hatten. Gefüllt mit Bananencreme ...
Hmm ... Bananencreme ...

Entschuldigung. Ich stecke mitten in der Bahá'i-Fastenzeit und bin nicht ganz Herr meiner Begierden. Lasst mich deswegen noch ein wenig weiter von der Pizza schwärmen. Ich bin zwar kein Fan dieser Knuspriger-Boden-Sache, aber der Belag war lecker. Ich steh sowieso auf Pizza Hawaii - warum das zum Abend gepasst hat, verrat' ich gleich - und wenn jemand den Arsch in der Hose hat sich nichts aus der Neapolitaner Tradition zu machen und einfach neben Ananas auch noch Mango und Avocado auf den Teig schmeißt, dann hat er meine volle Sympathie - also zumindest wenn es wie in diesem Fall gut schmeckt.

Zurück zum Thema: Offiziell ging es ja um das Buch "Geht ja doch!" von Cordula Nussbaum. Darin geht es um das Thema, "Wie Sie mit 5 Fragen Ihr Leben verändern".
Aha. Schon wieder?
Ja. Schon wieder.
Und deshalb hatten auch viele gute alte Bekannte, die man seit der Antike aus der populären Selbsthilfe kennt, ihren Auftritt. Der Volkskundler in mir hatte seinen Spaß. Da waren: Die Vereinfachung. Die "Handeln-statt-Grübeln"-Forderung. Die Einteilung des Menschen in überschaubare Typen: der Ordentliche, der Chaot, der Kommunikative, der Planer, ... Beeindruckende, irgendwie mystisch wirkende Diagramme. Und was man sonst noch so aus Ratgeberliteratur kennt.

Nein, ich war keiner von denen, die fleißig mitgeschrieben und das Buch gekauft haben, ich war wirklich nur wegen der Pizza da. Oh, die war lecker, aber ich hatte auch ordentlich Hunger ...

Apropros Pizza: Frau Nussbaum hat irgendwann zusammen mit ihrem Mann beschlossen, dass es mal wieder Zeit wäre, den Alltagstrott zu durchbrechen und für ein paar Monate mit den Kindern wegzufahren. Und zwar nicht nur kurz über die Sommerferien (leicht hysterisches Gelächter aus den Reihen der Jungunternehmer im Publikum). Aber: Kann man doch nicht machen, die Kinder einfach für ein paar Monate aus der Schule nehmen. Oder? Doch, die Schule sagt: Kann man. Also hat man sich im Hause Nussbaum nach einer Schule umgeschaut, die in einer verständlichen Sprache unterrichtet, nicht zu viel Schulgeld verlangt und irgendwo ist, wo man hin möchte.

Lange Rede kurzer Sinn: Es wurden 4 Monate Hawaii daraus. Irgendwie hat mir das obligatorische "Dort habe ich Menschen getroffen, denen es viel schlechter geht und die viel glücklicher sind"-Klischee gefehlt. Oder der Spendenaufruf für die Waikiki Beach Rescue Foundation, die sich um gestrandete Surfer kümmert.

Alles in allem war es eine sehr schöne Predigt und am Ende wurde Pizza gebrochen und Wein unter den Gläubigen ausgeschenkt. Ich fand Frau Nussbaum auch sehr sympathisch und denke, dass sie echt was auf dem Kasten hat.

Aber ich bin ja eh nur wegen der Pizza gekommen. Und die war wirklich lecker.

Was ich so lese