01.08.2008

Werbe(r)sprache

Ein kleines Lexikon

Neger vor Hütte oder "Neger vor der Hütte" bedeutet etwas sagen, das man auch zeigt, bzw. anders herum. Es ist damit das genaue Gegenteil von Magrittes Bild von einer Pfeife, unter das er schrieb: „Das ist keine Pfeife“. Hätte er stattdessen darunter geschrieben: „Das IST eine Pfeife.“, dann wär ein CD gekommen und hätte es als Neger vor Hütte und somit als unnötig bezeichnet. Das kommt von der Lehrmeinung, dass man nicht lesen muss, was man schon sehen kann. Kein Wunder dass Magritte so wenig Pfeifen verkauft hat … Wer den Ausdruck erfunden hat, steht hier.



1/1 sprich: Ein Eintel. Gängiges Anzeigenformat. Warum das nicht einfach DIN A4 genannt wird, weiß keiner. Wahrscheinlich, weil dann jeder wissen würde, was gemeint ist. Oder weil man dann nicht so schön alle darauf aufbauenden Größen ableiten könnte, vor allem das allmächtige 18/1, das meistens OOH zu finden ist.

Abbilden Grafiker, lehnt euch zurück, damit habt ihr nichts zu tun. Von 'abbilden' sprechen nämlich meistens Kontakter oder Produktioner, wenn sie versuchen, die tatsächlichen Kosten irgendwie in die veranschlagten Kosten hineinzuquetschen und endlich auch mal kreativ werden dürfen.

Abfrühstücken Wenn man als Werber einem Kunden die Butter vom Brot nimmt, nachdem man für ihm zu kleine Brötchen gebacken hat und man ihn folglich ein wenig durch den Kakao zieht, dann hat man ihn abgefrühstückt. Gleichbedeutend mit "abspeisen" aber viel bildlicher.

Abheben Das macht eine gute Idee. Und wenn sie wirklich abhebt und sogar fliegt darf man vielleicht sogar nach Cannes fliegen - wenn der CD schon genügend Löwen hat und du der oder die hübscheste im Team bist.

Abschießen Etwas, das Kunden mit guten Ideen machen. Nicht, weil sie von Werbung keine Ahnung hätten, sondern weil es einfach Spass macht.

AD Art Director. Jemand der optimalerweise schon so lange dabei ist, dass man ihm immer weniger zumuten kann, dass er stundenlang auf einen Bildschirm starren soll. Statt dessen werden ihm ausgedruckte Layouts vorgelegt, in denen er dann mit einem Stift rumkritzeln darf.

Agentur Eine Agentur ist ein Platz, an dem Agenten beschäftigt sind. Agenten sind Männer und Frauen in geheimer Mission mit coolen Klamotten, heißen Autos und einem aufregendem Leben voller Aufgaben, die die nationale Sicherheit aufrechterhalten. Der erste Mensch, der seine Werbebude „Agentur“ genannt hat, muss entweder sehr schlau oder sehr dumm gewesen sein ...

Am Ende des Tages Für den Werber und vor allem dessen Chef ist es wichtig, was „am Ende des Tages“ von dem übrig bleibt, was er so treibt. Ob der Pitch gewonnen wurde, ob die Einreichung einen Preis abgeräumt hat usw. Dabei ist „am Ende des Tages“ meist ziemlich euphemistisch, denn wenn es wirklich um was geht, enden Werbertage nie. Der Ausdruck ist übrigens eine Lehnübersetzung aus dem Amerikanischen.

Anders Das gefürchtete Totschlagargument. Wenn man nicht weiß, wie etwas eigentlich sein sollte kann man zumindest immer sagen, dass es anders sein sollte. Beliebt bei Kunden, die Luft haben eine Idee abzuschießen.

Apfel Z / Strg Z Die Tastenkombination schlechthin. Jeder Texter oder Grafiker hat zwar so seine Lieblings-Kombo, aber Apfel Z würde in einer Tag-Cloud ungefähr den Platz einnehmen, wie die Sonne in unserem Sonnensystem - zumindest so lange "Apfel hübsch" oder "Apfel anders" noch nicht erfunden wurden.

ATL Above the line. Alles, was es als Standardwerbung in TV, Radio, Print, OOH, online und so weiter gibt. Wo diese Linie genau liegt, weiß keiner so genau.

Auf einem Kunden arbeiten In der Werbung arbeitet man auf Microsoft oder auf SAP (rein hypothetische Beispiele natürlich, die nichts mit mir zu tun haben). In einer anderen Branche arbeitet man bezeichnenderweise meist unter einem Kunden (manchmal aber auch auf ihm) und es gäbe da noch so ein paar Parallelen ...

Auf Kundenseite wechseln Es ist wie beim Stockholm-Syndrom: Wenn man lange genug mit jemandem zusammenarbeitet, bildet man eine emotionale Bildung aus. Und so kommt es, dass aus Arbeitnehmern einer Argentur Arbeitnehmer eines Kunden dieser Agentur werden.

auf Zuruf Es gibt Agenturen, die sind terminlich strukturiert und man kann sich sicher sein, wenn ein Thermin angesetzt wurde, dann wird der auch eingehalten. Und es gibt andere Agenturen, die sind nicht ganz so strukturiert und wenn man sich trifft, dann auf Zuruf. Das heißt, wenn nicht gerade telefoniert wird. Oder ein anderes Meeting angesetzt ist. Oder gerade Zigarettenpause ist. Oder, oder, oder ...

Benefit Wenn ein Produkt keinen USP hat, dann sollte es wenigstens einen Benefit haben, außer natürlich die Werbung ist so gut, dass die Kunden auch Müll kaufen.O.K., vergesst das mit dem Benefit.

Berater Sind für eine Agentur, was Schlagzeuger für eine Band sind. Ohne sie läuft nichts, aber man weiß manchmal nicht, ob sie auch Musiker sind, oder einfach nur mit den coolen Jungs abhängen und einen Teil der Groupies abbekommen wollen. Auch Kontakter genannt.

Beratungsresistent sind manche Kunden. Dann sind sie selber Schuld. Ich würd meinem Auto-Mechaniker schließlich auch nicht erklären, wie er das Getriebe zu reparieren hat ...

Blindtext Etwas, das so aussieht, wie der spätere Text aussehen soll. Meist das übliche "Lorem ipsum dolor sit amet", was eigentlich sehr sinnvoll ist, schließlich ist es einem Text von Cicero über Schmerzen entlehnt. Das hat aber mit deutscher Sprache nichts zu tun, weswegen sich die Grafiker dann auch wieder wunderbar darüber aufregen können, dass der richtige Text so schlecht ins Layout einfließt ... 

Branchenspezifische Arbeitszeiten Im Unterschied zu anderen Branchen fängt ein Werber üblicherweise zwischen 9:00 Uhr und 10:00 Uhr zu arbeiten an und hört zwischen 7:00 Uhr und 8:00 Uhr auf, es sei denn es ist ein Pitch. Dann zahlt sich die mitgebrachte Zahnbürste aus.

B to C Business to Customer. Wenn die Einen was für die Anderen haben Kauft, Leute, kauft!


BTL Below the line. Nur in Ausnahmefällen schmutzige Werbeheftchen, die unter der Ladentheke gehandelt werden, ansonsten Guerilliaaktionen, Virals und ähnliches. Spaß halt, der leider meist nicht messbar ist.

B to B Business zu Business. Wenn die Einen was für die Anderen haben. D.h. eine Firma versucht ihr Zeug an andere Firmen zu verkaufen. Eine besondere Herausforderung für jeden Werber, der sich dafür nämlich nicht nur in seinen Kunden, sondern auch in dessen Firmenkunden hineinversetzen muss, ohne schizophren zu werden.

Bückware Früher war alles besser, was man sehr schön am Begriff "Bückware" zeigen kann. Früher mal bezeichnete der nämlich Waren, nach denen sich der Verkäufer hinter seinem Ladentisch bücken musste. Entweder weil sie so selten (Kiwis in der DDR) oder weil sie verboten (Harry Popper und die Kammer des Schleckens) waren. Heute muss sich der Kunde erstens selbst bücken und zweitens nach Waren, die er gefälligst nicht kaufen soll, weil sie nicht so viel Gewinn bringen.

CD Creative Director. Einer, der es noch länger in der Branche ausgehalten hat als ein AD. Die andere Bedeutung „Compact Disk“ wurde von iTunes gefressen.

Claim Eine Behauptung, die ein Produkt charakterisiert und fest mit der Marke verbunden ist. So was wie "Der schnellste Texter im ganzen Westen" oder "Ich hab den längsten". Ein Slogan kann auch ein Claim sein, muss es aber nicht.

Copy Längere Folge von Zeichen, die unter der SL steht. Was sie bewirken soll, wissen nur Texter. Meistens stört sie nur die Arter und ist noch nicht mal bunt.

Copytest Mit dem Copytest haben sich die Texter mal eben so nebenbei eine eigene kleine Literaturgattung geschaffen und das Kunststück zu Stande gebracht, gleichzeitig zu testen, was ein Bewerber so drauf hat und allen zu zeigen, für wie cool sich die Texter der Agentur halten. Die Alteingesessenen denken sich total abgefahrene Aufgaben auf und die Neulinge müssen darauf noch abgefahrenere Lösungen finden. Abgefahren!

CP Corporate Publishing. Werbung in Form von Kunden- und Mitarbeitermagazinen. Wenn man sich das als Agentur erst mal eingefangen hat, bringt man es kaum wieder los, denn CP bringt Geld. Und das jeden Monat.

CTA Call to action. Irgendwo muss man den dummen Verbrauchern sagen, was sie machen sollen, nachdem sie von der Werbung überzeugt worden sind. Häufig ein Drive to web, weil das billiger und darüber hinaus messbar ist.

Dachkampagne Die Dachkampagne ist wie ein Eintopf, in dem die einzelnen Trägerkampagnen schwimmen.

Da steckt was drin Eine Drei auf der Notenskala der Werber. Dieser Ausdruck bedeutet, dass die Idee zwar gut ist, aber nicht umgesetzt werden kann, weil sie dem CD nicht zuerst eingefallen ist.

Deklinieren Das musste nicht nur Brian an der Mauer in Jerusalem machen, das müssen auch Werber mit Konzepten können. Notfalls mit Schwert am Sack. Denn erst wenn man ein Konzept in allen Werbeformen umsetzen kann, ist es voll deklinierbar.

Drive to web "Besuchen Sie www.schriftstellersein.de". Und wenn das dann eine Landing Page ist, die man nur über diesen Hinweis finden kann, dann weiß man, ob dieser CTA einem sprichwörtlich ins Netz zu gehen funktioniert hat.

Einfließen lassen Machen Grafiker mit den Texten, die vom Texter geliefert werden. Meist kleckern sie dabei ziemlich rum.

Einflugschneise Man soll die Kunden ja bekanntlich da abholen, wo sie sind. Wenn man sagt, dass eine Idee eine Einflugschneise braucht, will man damit ausdrücken, dass man die Kunden mit einem (Über)flieger abholen will. Sehr löblich ...

Einreichung Was optimalerweise mit einer Gold-Idee gemacht wird.

Elevator-Pitch "Angenehm, Herr Maier. Und was macht ihre Firma genau?"
"Ja, äh, das lässt sich in einer Minute nicht erklähren, aber Sie können ja mal einen Blick auf unsere Internetseite ..."
"Ja, schade. Das ist mein Stockwerk. Auf Wiedersehen!"
Das war gerade ein Elevator-Pitch. Eine der vielen Zufallsbegegnungen, die den Laden am Laufen halten. Und Herr Maier hat es leider versaut, weil er keine coolen Standardfloskeln/Visitenkarten/Flyer/Sonstwas dabei hatte, die erklären, warum sein Unternehmen so interessant ist. Na ja, dann muss er sich halt mit den anderen 500 Berwerbern rumschlagen. Aber das kann er sicher besser ...

Freie Angestellte / Mitarbeiter Mal abgesehen davon, dass sich 'frei' so gar nicht mit dem Konzept der Arbeit vertragen will sind 'Freie' der Segen und Fluch der Werbebranche. Sie sind quasi die Söldner-Spezialeinheiten, die man holt, wenn es eng wird. Entsprechend viel kosten sie dann auch. Ein Texter zum Beispiel mal locker 200 -250 Euro am Tag. Oder auch nicht. Oder auch mehr.

Freigeben Wer jetzt an Urlaub denkt, liegt ganz falsch. Freigegeben wird nur Arbeit und noch mehr Arbeit. Manchmal auch ein KVA. Und zwar vom Kunden. Am besten noch bevor der in den Urlaub fliegt.

Geschmäcklerisch Geschmäcklerisch ist alles, was nicht messbar ist. Es gibt keine Idee, die nicht durch eines von beiden abgeschossen werden kann.

Getextet Eine je nach CD unterschiedliche, nicht näher zu bestimmende magische Eigenschaft macht aus einem Text einen getexteten Text. Ein getexteter Text ist ein Text, der nicht werblich klingt aber trotzdem wirbt wie Sau.

Gelernt Keiner soll behaupten, dass Werber nicht wie Ärzte oder Feuerwehrmänner auch Leben retten oder zumindest die Fackel der Aufklärung unter den Menschen verbreiten. Um darauf hinzuweisen, gibt es den Ausdruck "gelernt", der alles umfasst, wovon man glaubt, dass es die Zielgruppe ohne den segensreichen Einfluss der Werbung gar nicht kennen würde. "Gefrierbrand", zum Beispiel, oder "Fleckenzwerge". Der segensreiche Firnis der Zivilisation eben.

Gewollt Schlimmer als Richtig. Es ist eine Idee vorhanden, aber kein Kunde wird sich die Mühe machen sie aufzulösen, um den Benefit zu erkennen, weils zu sehr nach Werbung stinkt.

GF / GL Geschäftsführung bzw. Geschäftsleitung. Wenn mir jemand glaubhaft erklären kann, worin genau der Unterschied zwischen beiden besteht, bekommt er ein spontanes Lobgedicht von mir.

Ghostwriter Sagenumwoben, geheimnisumrankt und unerlässlich für jeden Promi, der die Grundschule nur bis zu der Stunde besucht hat, in der der Buchstabe "H" durchgenommen wurde. Aber ansonsten eigentlich jeder, der freiwillig was schreibt, unter dem dann ein anderer Name steht.

Gold-Idee Eine Eins auf der Notenskala. Eine Goldidee ist eine, die in Cannes oder sonst wo die großen Preise abräumt und dem CD einen weiteren dekorativen Briefbeschwerer einbringt.

Grafiker Auch Pixelschubser genannt. Sind meist noch lange nach den Textern da, weil Photoshop weder eine automatische Schöngestaltungsprüfung noch einen Aufübsch-Filter hat.

Hausfrauentest Um herauszubekommen, ob etwas gelernt ist, oder wie es ankommt, macht man einen Hausfrauentest, d.h. man schnappt sich sämtliche Nicht-Kreativen (also Berater + und Empfangskraft) einer Agentur, hält ihnen den in Frage stehenden Entwurf unter die Nase und bittet sie um ihre Meinung. Die Geschäftsführer mancher Firmen schwören auf diese Methode – zur Freude ihrer Ehefrauen und Sekretärinnen, zum Ärger ihrer Agentur.

Heilige Hallen Soll noch einer sagen, dass Werbefritzen keine Ironie kennen. Denn wenn es einen ironischeren Ausdruck für die Agentur gibt als "Heilige Hallen", dann möge man ihn mir bitte sagen.

Hero Das Produkt, das im Mittelpunkt steht. Meist garniert mit Zeug, das auch noch verkauft werden soll, aber nicht ganz so schnell anfängt zu schimmeln.

HL Headline. Um eine passende Headline zu finden, wird meist folgendes Rezept angewendet: Der Texter schreibt mindestens 100 Vorschläge, deren Qualität von Goldidee bis in die Tüte gesprochen reichen, sie werden verworfen, er schreibt 50 neue, der Kunde bekommt die besten drei zum Abschießen, schießt alle ab und das Spiel wiederholt sich mehrere Male, bis der Kunde keine Lust mehr hat und man sich auf etwas richtiges einigt.

Idee Keine Ahnung... was soll das sein? 

Igelchen Oder dachtet ihr, dass diese kleinen Hinweispfeile an einer Produktabbildung keinen Namen haben?

In die Tüte/Tonne gesprochen Werber müssen immer geniale Einfälle haben, an denen sie hart arbeiten, deshalb stellen sie vor jeden spontanen Geistesblitz die Einleitung „Nur mal so in die Tüte gesprochen…“. Ist der Geistesblitz eine Goldidee, dann gut. Wenn nicht, war's am Ende des Tages eh nur in die Tüte gesprochen.

Inhouse Heißt soviel wie: Das macht der Kunde selber. Au weia ...

Junior-Texter/Arter Eine Stufe höher als ein Trainee. Bekommt schon ein vierstelliges Gehalt.

Klickvieh Analog zum Wahlvieh in der Politik, das brav Kreuzchen an den richtigen Stellen macht, braucht Online-Werbung genügend Dumme, die auf Banner und Pop-Ups klicken. Also klickt ihr Narren, klickt! Los! Das war ein CTA!

Knackig Wenn ein Texter von sich behauptet er könne "knackige" Headlines schreiben, dann kann er das vielleicht auch, aber besonders kreativ ist diese Behauptung nicht. "Knackig" und "Headline" gehören zusammen wie Hurvínek und Spejbl.


Konfi Das Herz jeder Agentur. Ein Raum um Kunden zu beeindrucken, kollektiv die Belegschaft zu beschimpfen und zu nächtlicher Stunde Sex zu haben Überstunden zu schieben. Manchmal gibt es zusätzlich einen "War Room" mit den Kampagnen der Konkurrenz. Oft ist das aber nur das Klo.

Kontakter Auch Kundenberater, Kundenbetreuer oder Pappenträger genannt. Optimalerweise halten sie den Kreativen die Kunden vom Hals, nehmen Anrufe entgegen, Schreiben Briefings, stellen KVA's und wissen wann was bei wem sein muss.

Küchenzuruf So muss eine Einleitung aussehen, die im Stil eines Küchenzurufs geschrieben wurde: Vollgepackt mit Schlagwörtern, begleitet vom Duft der Pizza, die im Ofen frisch aufbackt und gerade in dem Maße unverständlich oder lückenhaft, dass man dann doch aufsteht, um nicht durch den Raum brüllen zu müssen. Beliebt in Kombination mit einer Headlinemechanik wie "Sie werden nicht glauben, was dieser Werbetexter getan hat, um mehr Klicks zu bekommen!".

Kunden Dazu möchte ich mich nicht äußern. Ich bin zwar Werber, aber ich hab auch meine Grenzen ...

Kündigung Je länger ich in der Werbebranche arbeite, desto überzeugter bin ich, dass es branchenüblich ist, eine Kündigung damit einzuleiten bzw. zu unterstreichen, dass man in eine Schachtel scheißt, die man dann seinem Chef in die Agentur schickt.

KVA Kostenvoranschlag. Ihr kennt das von Handwerkern. Nur dass sich Werber meistens daran halten (müssen).

Landing page Eigentlich jede Internetseite, auf der man landet. Im speziellen aber Seiten, die man nur erreicht, wenn man einen Link kennt, der nur in einer bestimmten Werbeanzeige vorkommt. So weiß der Kunde genau, wie viele Leute auf diese Anzeige angesprungen sind. Auf der Landing page wird dann entweder direkt das Produkt verkauft oder zur eigentlichen Seite des Unternehmens weitergeleitet, manchmal so dass man davon nichts mitbekommt.

Laut Man kann wahrscheinlich nur in der Werbung auf die Idee kommen, dass eine Anzeige "laut" ist. Nein, kein Radio- oder TV-Spot, sondern eine ganz normale Anzeige z.B. in einer Zeitung. Man stelle sich das vor: Man blättert um und wird angebrüllt: "Kauft Pinguine!" oder so was in der Art. Legen wir diesen Begriff also getrost unter Wunschdenken ab.

Lead Meist in der Zusammensetzung: "Wir müssen Leads generieren." Steht in der Regel für Adressen, an die man billig per Gewinnspiel oder verlorener Daten-DVD herankommen will.

Leise Wer mutig ist, macht leise Anzeigen und hofft damit auf intelligentes Leben auf diesem Planeten zu stoßen. Fühlt sich gerade jemand angesprochen?

Lektorat Die Leute, die wirklich wissen, wo man Kommatas setzen muss.

Me too Höflich für: Total unkreatives wendehälsisches schamloses Plagiat. Also etwas, was jeder mal macht, ob bewusst, oder unbewusst. Und warum? Weil's funktioniert.

Mondpreiswerbung "Jetzt für nur 10% des üblichen Preises! (gilt nur heute von 8.00 Uhr bis 8.01 Uhr)" So nennt man ein Lockangebot, das nur sehr kurze Zeit gilt. Inzwischen verboten.

Messbar Messbar ist gut. Messbar ist sogar sehr gut. Messbar steht als zwei Meter große Keule im Schrein jeder Firma gleich neben geschmäcklerisch und die meisten Agenturen haben diese Keule schon mal zu spüren bekommen, wenn ihre Werbung zwar ein Sackplatzer war, aber keiner das beworbene Produkt gekauft hat. "Hare messbar, hare messbar, messbar mesbar, hare hare."

Mit dem Sargdeckel klappern "Kauft einen Sarg, ihr werdet alle sterben!" Besonders bei Versicherungen, Medikamentenherstellern, Altersheimen, Parteien und allen anderen, die sich mit dem Elend der Menschen ihr Geld verdienen, versucht man Tabus tunlichst zu vermeiden und deshalb nicht mit dem Sargdeckel zu klappern.

Neger vor Hütte oder "Neger vor der Hütte" bedeutet etwas sagen das man auch zeigt, bzw. anders herum. Es ist damit das genaue Gegenteil von Magrittes Bild von einer Pfeife unter das er schrieb: „Das ist keine Pfeife“. Hätte er stattdessen darunter geschrieben: „Das IST eine Pfeife.“, dann wär ein CD gekommen und hätte es als Neger vor Hütte und somit als unnötig bezeichnet. Das kommt von der Lehrmeinung, dass man nicht lesen muss, was man schon sehen kann. Kein Wunder dass Magritte so wenig Pfeifen verkauft hat …

Du brauchst übrigens kein schlechtes Gewissen haben, dass Du das nicht gewusst hast, jeden Tag googeln diesen Ausdruck eine ganze Hand voll Neger und landen so vor meiner Hütte.

OOH Out of home. Werbung draußen. Klassischerweise ein Kerl, der in einem dämlichen Kostüm herumläuft und schreit „Kauft Pinguine!“ Und die Leute sagen dann "Ooh!" und greifen begeistert zu. Oder so ähnlich.

Optisch Beliebter Ausdruck bei Grafik-CDs, wenn sie finden, dass das eigentlich schon freigegebene Logo noch unbedingt einen halben Millimeter weiter nach links muss. Beste Abhilfe dafür ist es das Layout einfach nach einiger Zeit noch mal unverändert zur Prüfung vorzulegen.

Pampern Wenn man jemanden abgefrühstückt hat muss man ihn danach natürlich pampern, damit er einen wieder lieb hat und dergestalt in Watte verpackt rundum zufrieden ist. Müssen auf Stufe eins die Kontakter erledigen, wenn es hart auf hart kommt der Chef.

Penetrieren Es ist wie eine Szene aus dem Rotlichtbezirk: Der Werber versucht für sein Geld so viel Penetration wie möglich herauszuholen und je länger diese Penetration dauert, desto mehr Spaß hat er an der Sache. In der Realität versucht man die Kunden mit Slogans und Werbebotschaften zu penetrieren, bis die die Aussage gelernt haben.

Phrasenschwein Was würden all die dämlichen Werbersprüche wie "Ich bin da ganz bei Dir." oder "Das sehe ich darin nicht." nutzen, wenn es kein Phrasenschwein geben würde? Es steht meist im Konfi und wird für jeden abgenudelten Spruch mit 100 € gefüttert. Ha! Von wegen, schön wär's! Für die schlappen 50 Cent bis 1 Euro, die so üblich sind, kann jeder eine dicke Lippe riskieren.

Pitch Ein Kreativwettbewerb, den ein Unternehmen ausschreibt, um eine (neue) Agentur oder auch nur eine Menge Anregungen für lau zu bekommen. Löst bei Agenturen meist die extremsten Auswüchse von branchenspezifischen Arbeitszeiten aus. Beim Golf ist ein Pitch übrigens ein Annäherungsschlag aus 20 - 100 Meter Entfernung. Dabei kommt es häufiger zu Dellen im Rasen, weshalb Golfer auch unbedingt Pitchgabeln brauchen. Warum haben Werber so was nicht?

POS Point of sale. Da wo’s verkauft wird und sich der Käufer gefälligst einfinden soll! Mit Geld! Viel Geld!

PPR Pre Production Meeting. Warum "Vorbesprechung" sagen, wenn es auch einen englischen Ausdruck dafür gibt, den man wunderbar kryptisch abkürzen kann?


Praktikant Man erkennt sie am fehlenden Zynismus.

Proaktiv Nicht so gut wie „anteproaktiv“, was aber wahrscheinlich nur daran liegt, dass es „anteproaktiv“ (noch) nicht gibt. Jede Agentur wär gern proaktiv, d.h. würde sich gerne einen Kunden angeln, bevor der auch nur dran denken kann einen Pitch auszuschreiben.

Produktioner Ein Produktioner ist ein Kontakter mit Ahnung von der Produktion von Werbemitteln. Weil er weiß, was so ein Flyer/Banner/Scheiß kosten darf, kommen im Zweifelsfall erstmal alle zu ihm.

Reinzeichner Eine Subspezies des Grafikers, die sich unter anderem darum kümmert, dass Grafiken druckfertig gemacht werden indem sie damit Dinge anstellen, die nur andere Reinzeichner wirklich zu würdigen wissen.

Reklame Gute alte Reklame macht heute kaum noch jemand. Wahrscheinlich weil es vom französischen Ausdruck für ausrufen und anpreisen kommt. Und mit so was will man sich lieber nicht die Finger schmutzig machen.

Richtig Eine Zwei auf der Notenskala. Richtig ist etwas, das dem Kunden gefallen wird, und worauf sich alle in der Agentur einigen können, womit aber keiner so richtig glücklich ist, weil’s im Grunde richtig langweilt.

Sackplatzer siehe Goldidee. Nur männlicher.

Schere im Kopf "Geht nicht" gibt es überall. "Geht nicht" ist ansteckend. Erst hat es der Kunde, dann der Kundenberater, dann der CD und wenn es irgendwann bei dir angekommen ist, dann wird es Zeit für einen Urlaub.

Schi-Schi Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet Schi-Schi so viel wie "Mit allem Pipapo" oder "mit Extra-Sahne und Kirsche oben drauf". Bei den Werbern hingegen ist der Ausdruck einen Schritt weiter und abgeleitet von Wischi-Waschi. Wenn einer zu dir sagt dein Text/Layout ist schi-schi, dann hilft es meistens Adjektive zu streichen oder die Farben zu dämpfen.

Schnellschuss Werber stehen auf Quickies. Schnellschüsse sind eilige Aufträge ohne Briefing, ohne Bedenkzeit und oft auch ohne Sinn. Warum Werber darauf stehen, ist einfach zu erklären: Erstens kann man später immer sagen, dass mit einem ordentlichen Timing alles viel besser geworden wäre, und zweitens lässt sich mit einem Schnellschuss wunderbar das Rennen nach möglichst vielen Überstunden starten ...

SEO Search Engine Optimization. Eine Website darauf trimmen, dass sie bei Google ganz weit oben steht. Eine Wissenschaft für sich, denn Google verrät nicht so genau, wie der Suchalgorithmus aussieht und was wie bewertet wird. Eine Faustregel ist allerdings deine Seite ordentlich mit relevanten Begriffen zu pfeffern.

SMO Social Media Optimitzation. Wie SEO nur für Soziale Netzwerke und mit anderen Regeln.

Sportlich ist meist das Timing. Da heißt es nochmal durchstarten, wenn die Sonne untergegangen und es somit kühler ist.

Schrubben Sieht scheiße aus, macht keinen Spaß, aber der Kunde will es so und zahlt. Also schrubbt man das Ding halt schnell runter und fragt sich dabei, ob die Putzfrau gerade auch so viel Spaß hat.

Schulterblick Ich möchte mal wissen, wer sich das ausgedacht hat. Ein "Schulterblick" ist ein kleines Treffen zwischendurch, um zu sehen, wie weit man mit einem Projekt ist und ob man in die richtige Richtung arbeitet. Mit Autofahren hat das nichts zu tun, aber wer will, kann danach trotzdem zum Überholen ansetzen.

Schweinebauch Wenn man etwas bewirbt, indem man den Kunden mit dem niedrigen Preis, Rabatten oder sonstigen Zahlen zuballert (am besten grellbunt und blinkend), dann nennt man das Schweinebauch-Werbung. Das ist weder kreativ, noch schön, aber man wird davon zuverlässig satt. Macht man allerdings zu viel davon, muss man kotzen ...

Senior-Texter/Arter Eine Stufe über einem Junior. Manchmal so was wie ein AD, aber man weiß es nicht so genau.

Skyscraper Ein Banner, in dem sich Werbeideen im extremen Hochformat tummeln können. Meist nur online zu finden.

SL Subline. Steht unter der HL und wird damit schon nicht mehr gelesen.

Slogan Wenn die Schotten den Engländern eins auf die Mütze geben wollten (und dann meist selber eins draufgekriegt haben), dann haben sie zuerst einen sluagh-ghairm gemacht, einen Heer-Sammelruf. Und weil Krieg so eine tolle Sache ist, hat die Werbebranche neben dem war room auch den Begriff Slogan übernommen. Er soll eine einprägsame Aussage transportieren. So was wie: "Schnell. Schnellerer. Am schnellerersten."

Snowclone "X ist das neue Y", "Die Mutter aller X", "Wer X liebt muss Y mögen." usw. usf. etc. pp. Ein Snowclone ist eine feste, altbekannte Struktur, die nur noch mit dem Inhalt der Stunde gefüllt werden muss. Mehr dazu auf Wikipedia. Ceterum censeo X esse delendam ...

Stehsatz Meist ein Wunschtraum für alle die mit CP zu tun haben. Stehsatz sind Texte, die man schon mal auf Halde geschrieben hat und nur noch einfügen muss, um das aktuelle Heft voll zu bekommen.

Tabu Nur ein paar Beispiele: Mit dem Sargdeckel klappern, Sprüche fragwürdiger Organisationen verwenden ("Arbeit macht frei","Jedem das Seine"), auf (den falschen) Randgruppen herumreiten. Aber manchmal merkt's keiner wie bei dem Spruch "Die Polizei - Dein Freund und Helfer", der kommt nämlich auch aus einer fragwürdigen Zeit.

Texter Menschen die, wissen wo, man Kommata, korrekt setzt und die einem, erklären können was der Unterschied, zwischen Komparativ, und Komparatistik ist. Und auch dauernd damit nerven. Natürlicher Feind des Lektors.

Texterkrankheit Wahrscheinlich ist das nicht repräsentativ, aber ich kenne kaum einen Texter, der mit seiner Stimme nicht schnarrt, quetscht, rasselt oder sonstwie über ein Reibeisen rutscht. Schreiben können sie, keine Frage, aber beim Sprechen hab ich da manchmal meine Zweifel ...

Ticken Es gibt 2 Dinge, die Ticken: Zeitbomben und Kunden. Und wenn man nicht versteht, wie sie ticken, gehen die einen hoch, während die anderen die besten Konzepte abschießen.

Touchpoint Wird auch Point of Contact (POC) genannt und ist noch so eine Verniedlichung, die sich Marketingleute ausgedacht haben. Ein Touchpoint ist der theoretische Punkt, an dem ein potentieller Kunde mit einem Produkt oder einer Marke in Berührung kommt. In Wirklichkeit ist das schon lange kein Punkt mehr sondern eine Fläche, wenn nicht sogar ein dreidimensionaler Raum. Willkommen im Brandspace, Flagship Store und im 360°-Marketing.

Trägerkampagne Sieht der Dachkampagne, zu der sie gehört, irgendwie ähnlich, ist aber auf die entsprechende Zielgruppe angepasst. Beispiel: Wenn die Dachkampagne Sex heißt, dann sind Sadomaso, Blümchensex und Masturbation Trägerkampagnen.

Trafficker Früher mal: Das Fräulein vom Amt, die Vorzimmerdame oder die Empfangssekretärin. Heute klingt das nicht nur wichtiger, sondern kann auch einiges bewirken, vor allem wenn ansonsten Kreativen ans Telefon gehen würden, die bei Kundenanrufen nur ein "Issnichdavilleichtspäter-tschau." rausbringen.

Trainee Eine Stufe höher als Praktikant. Mit bis zu 50% mehr Zynismus.

USP Unique selling point. Oder so ähnlich. Was kann das Produkt, was kein anderes kann? Z.B. von Null auf 100 in 3 Sekunden. Dass das Ding allein 5 Liter zum Anlassen braucht und von Zwangsarbeitern gebaut wurde, muss man ja nicht in die Anzeige schreiben.

Vita Scheiße, ich bin genau so viel wert wie ein Editorial! Denn - wer hätte das gedacht - auch alles was in Magazinen, Newslettern und Co. wiederkehrt, hat eine Vita. Logos natürlich auch. Deprimierenderweise eine bessere Vita als ich.

War room Tritt ein, Neophyt in die heiligen Hallen, weihrauchdurchweht und von den gewöhnlichen Massen nur in scheuem Gemurmel umflüstert und labe dich an den Wundern des war rooms. Wenn eine Agentur so richtig auf dicke Hose machen will, dann hat sie einen Raum, in dem man ein Auge auf eigene Kampagnen und auf die der Konkurrenz werfen kann und den nur Eingeweihte betreten dürfen.

Waschzettel Wenn man einer Redaktion die Drecksarbeit abnehmen/überlassen will, dann schreibt man einfach den fertig ausformulierten Artikel / die wichtigsten Infos zum Produkt zusammen und nennt das Ganze dann Waschzettel. Was draus wird, entscheidet dann die Redaktion.

Werbung Als erstes hat man vermutlich um Frauen geworben, was ich völlig in Ordnung finde, dann um Soldaten, was ich nicht in Ordnung finde und schließlich hat man den Spieß umgedreht und angefangen für alles Mögliche zu werben. Dabei wär es eigentlich so einfach: Letztendlich wirbt man in der Regel um Geld. Ach ja: Zwischendurch hat man mal versucht Reklame zu machen, aber das hat sich inzwischen auch wieder gegeben.

Werblich Eine Werbung ist dann werblich, wenn sie wirbt, aber der CD das Gefühl hat, dass sogar der Kunde das mitbekommt. In der Werbung sind werbliche Werbungen wenn möglich zu vermeiden.

Zu Tisch Ich dachte es heißt "Nein, Frau Wurmdobler, wir können den Entwurf gerade nicht ändern, der Grafiker ist gerade beim Essen.", aber anscheinend ist der richtige Ausdruck dafür in der Werbebranche "zu Tisch sein". Wahrscheinlich um zu verschleiern, dass die Zeit wieder mal gerade so für einen Döner reicht, keinesfalls für so was Ausgefallenes wofür man Besteck braucht.

Zwingend So sollen Werbetexte sein. Gemeint ist damit nicht nur, dass sie den Endverbraucher zum Kauf zwingen sollen ("Kauf, Du Sau!"), sondern auch eine logische Stringenz vorgaukeln, wo gar keine da ist (So ziemlich alle Argumente, die von angeblichen Zustand X auf nötige Maßname Y schließen.)

Was ich so lese