21.05.2014

Momo - ein Märchen wird erwachsen

Gefahrenhinweis

Dieser Blogbeitrag soll euch nicht dazu verleiten euer Geld zu verbrennen / in Whisky anzulegen / zu verschenken. Er gibt nur subjektive Eindrücke wieder. Lesen und Handeln wie immer auf eigene Gefahr.


Ich geh Dich suchen

Wer von euch Momo noch nicht gelesen hat, sollte das tun. Und das nicht weil man dabei eine Menge über Geld lernen kann.

Ich habe heute einen Filmabend im Pfarrheim Neustift in Freising besucht, bei dem Oliver Sachs zusammen mit Masayo Oda den Film Momo - ein Märchen wird erwachsen vorgestellt hat.

Ahh ... Michael Ende ... ich fange jetzt mal nicht mit dem Schwärmen an, denn eigentlich war das Thema des Abends nicht der Schriftsteller oder sein Buch, sondern Geld, bzw. unser System damit umzugehen.
Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit der These von Michael Ende konfrontiert, dass der 3. Weltkrieg schon längst begonnen hat - ein Krieg, den wir gegen unsere Kinder und Enkel führen, indem wir ihnen die Ressourcen für eine lebenswerte Zukunft rauben. Und Geld spielt dabei eine wichtige Rolle.
Verschiedene Freunde und Bekannte des Schriftstellers kommen zu Wort und unter anderem auch Heidemarie Schwermer aus München.

Für die einen ist sie eine Schmarozerin und Heuchlerin, für die anderen eine Heldin wie Momo, die ein Gespür dafür hat, wie man zuhört. Warum? Weil sie seit über 10 Jahren ohne Geld lebt. Ob und wie das geht, bzw. ob es sinnvoll ist, müsst ihr selber beurteilen. Man kann sich in unserer Überflussgesellschaft anscheinend ganz gut damit durchschlagen, aber ein Gegenentwurf, der für die Mehrheit funktionieren kann, ist das nicht. Aber so ein Gegenentwurf muss ganz dringend her, damit uns bei der nächsten Finanzblase nicht gleich das ganze System um die Ohren fliegt. Ob das in den nächsten Jahren so kommen wird, wie Oliver Sachs meint, oder irgendwann später ist eigentlich nebensächlich, denn egal wie lang das System noch funktioniert, es kann nicht auf Dauer funktionieren. Warum? Weil es nur sehr wenige Systeme gibt, die immer weiterwachsen können und diese wenigen tun es sehr sehr langsam.


Das böse Geld

Im Grund ist Geld eine super praktische Sache: Damit ein Bauer nicht ständig 1000 Kartoffeln gegen eine neue Schaufel vom Schmid eintauschen muss, gibt er ihm stattdessen einen Schein, auf dem steht: Ich bin 1.000 Kartoffeln wert. Den kann der Schmied dann beim Bäcker gegen Brot oder beim Frisör gegen eine Perücke eintauschen. Oder jemandem leihen, der ihm dann fürs Leihen eine Stunde lang die Schmiede saubermacht. Er nennt das dann Darlehenszins.
Und damit alles mit rechten Dingen vor sich geht, schreibt der Schmied so lange einen Zettel aus, auf dem stehen soll, dass er eine Stunde Arbeit wert ist. Und weil er in einer Stunde eine halbe Schaufel fertig bekommen würde schreibt er eben 1/2 Schaufel drauf.
Und damit fangen die Probleme an. Die halbe Schaufel gibt es nämlich gar nicht und der Zettel wird auch nicht zerrissen, sondern zirkuliert weiter im System. Er kann weiterverliehen werden, andere Leute können auf ihn spekulieren, Optionen abschließen oder sich andere schöne Finanzprodukte dafür ausdenken.
Nennen wir diese ganzen Scheine der Einfachheit halber Geld. Geld hat außerdem die Eigenschaft sich zusammenzuballen. Manchmal bei Institutionen, die wissen, wie sie damit umgehen müssen, meist aber bei irgendwelchen Leuten, die nichts besseres damit anzufangen haben als zu versuchen noch mehr Geld daraus zu machen.
Bis irgendeiner auf die Idee kommt, dass er gerade ein paar Milliarden halbe Schaufeln ganz gut gebrauchen könnte und mit den ganzen Scheinen zum Schmied geht, um sie sich abzuholen. Und wenn der dann sagt, dass es gar nicht so viel Metall gibt um all die Schaufeln herzustellen, fängt die große Panik an.


Nicht ganz so vereinfacht

Wer das ein wenig ausführlicher (und bestimmt auch richtiger) haben möchte, der kann z.B. was von Charles Eisenstein lesen. Nein, meines Wissens ist der nicht mit dem Filmemacher verwandt.
Und wer daran glaubt, was der so schreibt, kann sich schon mal darauf gefasst machen, dass er für sein Geld bald keine halben Schaufeln mehr bekommt.
Und da weder Edelmetalle noch Immobilien eine sichere Anlage sind, sollten wir uns nach einer Alternative umsehen. Zum Beispiel eine Währung, die sich nicht selbst vermehren kann oder zu anderen Problemen führt. Auch in Freising wird demnächst eine Regionalwährung starten, einige Beispiele, wo das schon funktioniert, gibt es schon (Regionalwährung bei Wikipedia). Besonders schön ist natürlich das Wörgler Schwundgeld, das im September 1933 unter Androhung von Armeeeinsatz von der Österreichischen Regierung gestoppt wurde. Das ist doch mal eine Geschichte! Occupy oldschool!


Fazit? 

Schaut euch hier den Film an oder geht zu einer Veranstaltung, auf der er gezeigt wird. Macht euch selber schlau. Und haltet euch an die einfachen Regeln, die noch nie versagt haben: Legt nicht alle Eier in einen Korb, rennt keiner Aktie hinterher und geht im Zweifelsfall lieber lecker essen anstatt euch von eurem Anlageberater ein Geschwür in den Magen reden zu lassen.

Die Dokumentation soll übrigens von ca. 30 Minuten auf Spielfilmlänge ausgeweitet werden. Ich bin gespannt, was daraus wird.


Was ich so lese