13.12.2013

Schlachtfeld Kino

Das Licht geht an, der Abspann läuft und auf dem Weg nach draußen wünschen einem die adrett gekleideten jungen Menschen noch einen schönen Abend, bevor sie sich mit Müllsack und Staubsauger bewaffnet an die Arbeit machen.


Vielleich gehören Sie ja zu der aussterbenden Spezies von Menschen, die nach dem Film noch sitzen bleiben, die Stimmung auf sich wirken lassen und den Abspann in Dolby-Surround genießen. Dann bekommen Sie möglicherweise den ersten Akt des Dramas mit, das sich tagtäglich in Kinosälen rund um den Globus abspielt: Das Saubermachen.


Es beginnt mit einer Einschätzung der Lage. Schon allein am Müll, der liegen bleibt, kann man erkennen, welcher Film gerade gelaufen ist: Halbvolle 1,5 Liter-Becher und Popcornverwehungen unter allen Sitzen: Kinderfilm. Durchweichte Taschentücher und vergessene Ohrenschützer: Liebesschnulze. Ins Kino geschmuggelte Gummibärchentüten und der Geruch nach ungewaschenen Socken: Actionfilm in der Nachmittagsvorstellung.


Je nach Lage der Dinge geht das erfahrene Kinopersonal mit seiner adaptiven Strategie an die Sache heran, die Grundzüge bleiben aber stets gleich: Zunächst einmal muss das Gröbste raus. Bei knutschenden Pärchen, die offenbar kein Zuhause haben, genügt meist ein böser Blick oder ein dezenter Schubser mit dem Staubsauger. Nerviger ist ein ausgebuchter Saal mit 200 Plätzen, in dem jeder zweite Besucher noch einen Schluck Cola in seinem Becher übrig gelassen hat. Oder noch besser: In dem der letzte Schluck Cola direkt im Sitz versickert ist. Ja, das liebt das Kinopersonal, das könnt ihr mir glauben.


Hat man erst einmal alle Becher, Flaschen, Dosen, Popcorntüten, Taschentücher, Kaugummipapiere, Gummibärchenpackungen, Eiskonfektschachteln, Strohhalme und Eintrittskarten eingesammelt, kommt die zweite Runde, in der man liegengelassene 3D-Brillen und vergessene Kleidungsstücke aufklaubt. Bei dieser Runde findet man mit etwas Glück auch ein wenig „Trinkgeld“, das den Kinobesuchern aus der Tasche gerutscht ist.


Und danach fängt die eigentliche Arbeit an: Das Saugen. Popcorn hat die hinterhältige Eigenschaft sich (vor allem in Verbindung mit einem Softdrink) zu zähen Klumpen zusammenzuballen, die sich mit Vorliebe knapp außerhalb der Reichweite in den Staubsaugerrohren festsetzen. Hört man beim Saugen ein Prasseln, das nach Hagel klingt, weiß man, dass das Popcorn nicht richtig aufgegangen ist und von den Besuchern zurück auf den Boden gespuckt wurde (nein, niemand benutzt dafür die Tüte). Hört man hingegen ein sattes „Klack“ hat man beim Putzen vorher 50 Cent oder einen Euro übersehen. M&M’s hingegen verabschieden sich mit einem melodischen Klicken und Chips knistern vorher noch einmal melodisch.

Nach höchstens 20 Minuten (die nächste Vorstellung fängt schließlich gleich an!) können sich die unbesungenen Helden des Kinos dann noch den Details widmen: Die Abfalleimer auslehren, nachdem sie zuvor die Pfandflaschen rausgeklaubt haben, all die Schals und Mützen in den Container mit Fundsachen werfen und den wieder in einen blitzblanken Saal strömenden Besuchern mit einem Lächeln auf dem Gesicht viel Vergnügen wünschen.

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