06.07.2009

Unterschied zwischen Text und Werbetext

Sehr geehrte/r Kundin/Kunde!

Vielleicht kennen Sie dieses ungute Gefühl mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein. Das muss nicht sein. Denn mit einer innovativen Entwicklung aus dem Hause yx möchten wir Ihnen heute die neuen Rightfoot-Schuhe vorstellen, die sich durch klassische Form, exzellent verarbeitete Materialien und höchste Qualität auszeichnen, die selbst höchsten Ansprüchen genügt.
Tauchen Sie ein in die wundervolle Welt der Rightfoot-Schuhe und fragen sie noch heute den Schuhändler ihres Vertrauens danach.

Ihr fragt euch jetzt bestimmt, was das soll. Ich nämlich auch und ich hab mir das schließlich gerade aus den Fingern gesaugt. Warum? Um euch zu zeigen, was ich so mache, um mein Brot zu verdienen. Und um euch zu zeigen, was der Unterschied zwischen einem Text und einem Werbetext ist. Ich bin darin kein Meister, aber ihr versteht schon, was ich meine, da bin ich mir sicher.

Schauen wir uns also obigen Text Satz für Satz an und machen ihn zur Sau. Keine Angst, Ähnlichkeiten mit echten lebenden oder toten Texten sind rein zufällig.


1. Sehr geehrte/r Kundin/Kunde!

Nö. Gut, manchmal lässt es sich nicht vermeiden, aber wenn möglich will man doch gerne persönlich angesprochen werden - oder gar nicht.


2. Vielleicht kennen Sie dieses ungute Gefühl mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein.

Man soll die Leute ja da abholen, wo sie sind und das geht mit solchen Allerweltsaussagen ganz gut, aber das ist noch lange kein Grund, jedes zweite Anschreiben mit "Es wird wieder Sommer!", "Jeder dritte hat Probleme mit dem Winter." oder "Schon die alten Römer hatten den Sommer lieber als den Winter" zu beginnen.
Echt nicht. Außerdem sind so Wischi-waschi-Wörter wie "vielleicht" verboten. Entweder man hat die Eier in der Hose zu behaupten, dass man weiß, was der Kunde will und möchte, oder man lässt es bleiben. Außerdem hat man gar nicht so viel Platz für derlei Füllwörter.


3. Das muss nicht sein.

Natürlich nicht. Bitte mal alle die Hand heben, die sich verarscht vorkommen, wenn sie gefragt werden, ob sie nicht lieber schön, reich und gesund wären als das, was sie jetzt gerade sind. Außerdem: Bis jetzt wurde noch nichts darüber gesagt, was eigentlich verkauft werden soll. Die meisten sind schon ausgestigen. Danke, ihr könnt die Hände jetzt wieder runter nehmen.


4.Denn mit einer innovativen Entwicklung aus dem Hause yx möchten wir Ihnen usw.

"Möchten anbieten"? Ja warum tun sie es dann nicht? "Hause"? Wollte da jemand ein e loswerden? Außerdem hat der Satz mindestens einen logischen Fehler, will es allen recht machen und verfehlt so alle Zielgruppen und ist sowieso viel zu lang. Und mit Superlativen würde ich in der Werbung auch vorsichtig sein, sonst kommt gleich ein Anwalt mit einer Klage daher ...


5. Tauchen Sie ein in die wundervolle Welt der Rightfoot-Schuhe und fragen sie noch heute den Schuhändler ihres Vertrauens danach.

Immerhin. Der Kunde bekommt einen Auftrag. Er hat zwar noch nicht erfahren, warum er nach diesen Schuhen fragen soll und ob er wirklich einen Schuhhändler des Vertrauens hat ist auch fraglich, aber man lernt ja nie aus. Ach und wenn ich noch einmal das mit diesem Eintauchen in die wundervolle Welt des Wasauchimmer lesen muss, dann beantrage ich, dass diese Welt in die Sternkarten aufgenommen wird.

So und damit ich nicht nur rumnöle hier mein Alternativvorschlag:

Hi Hans,

dumm gelaufen das mit der Tauscherei und dem Mühlstein, aber ich hab was für Dich, worauf Du voll abfahren wirst: Rightfoot-Schuhe!
Rightfoot-Schuhe tragen Dich bis zu sieben mal weiter als Siebenmeilenstiefel und außerdem stehn die Frauen drauf.
Bestell Sie Dir gleich bei www.Grimms-Märchenschuhe.de!

P.S.: Rightfoots kosten nur halb so viel wie Cinderellas Glasschuhe.

Gut, das ist genaugenommen gemogelt. Aber wer richtig mogelt, verkauft mehr.

Eure Alternativvorschläge nehme ich gern entgegen.

Was ich so lese