05.01.2009

Druss – die Legende [Review]

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51CKG6HGC5L._SL160_.jpg


von David Gemmell – Deutsch von Irmhild Seeland

Ich habe mich lange um das Buch herumgedrückt, aus Angst enttäuscht zu werden, denn an „Legend“ von Gemmell kommt so leicht nichts ran, noch nicht einmal Gemmell selbst. Außerdem ist der Krieger mit dem Schwert auf dem Cover reichlich deplatziert, aber was will man machen…

Das Buch fängt mit einem „Zur Sache“ an und lässt konsequent alles aus, was langweilig werden könnte.

Rowena, die Frau von Druss, dem Holzfäller wird von Sklavenhändlern geraubt, kaum dass man sie als Leser kennen gelernt hat und Druss schnappt sich die Dämonenaxt seines Großvaters, um sie sich zurückzuholen. Begleitet und angewiesen vom erfahrenen Krieger Shadak, dessen Sohn von den Schurken (ja, es ist eines von den Büchern, in dem es Schurken gibt) umgebracht worden ist. Von ihm lernt er, dass ein Krieger einem Kodex folgen muss, um nicht zu einem Monster zu werden. Und weil Druss weiß, was aus seinem Großvater geworden ist, macht er das auch.

Es dauert Jahre, bis Druss Rowena schließlich findet, aber sie ist nicht mehr die selbe. Um sie vor ihren prophetischen Visionen zu retten wurden ihre Erinnerungen ausgelöscht und sie liebt inzwischen einen anderen Mann. Einen General, gegen den Druss antreten muss.

Der plot an sich ist so lala, je nachdem ob man auf etwas realistischere Fantasy steht, oder ob am Ende gleich immer die Welt gerettet sein muss und die Figuren sind nicht übel – neben Druss und Rowena vor allem noch der Dichter Sieben, der aus Druss erst eine Legende macht. Aber warum man das Buch gelesen haben muss ist einen kleinen Trick zu erleben, mit dem Gemmell aus dem ganzen mehr macht als irgendeine Geschichte mit einem Axtschwinger. Vor allem Sieben, aber auch andere führen uns immer wieder vor Augen, wie die Geschichte von Druss aussehen würde, wenn sie Fiktion wäre und macht sie damit zu mehr als Fiktion. In einer Fiktion auf die Fiktion hinzuweisen ist ein gewagtes Spiel, aber Gemmell hat ein Händchen dafür.

Und aus dem Grund fallen auch kleinere Schwächen nicht ins Gewicht, sondern lassen sich eher zum Charakter des Buches rechnen.

„Legend“ ist zwar noch eine Ecke besser, aber wenn man sich an schlechter Lektüre den Magen verdorben hat, dann kann man bedenkenlos auf David Gemmell als Rachenputzer zurückgreifen. Dem macht es auch nichts aus, mehrere Jahre ungelesen im Regal zu stehen.

Mann, ich kann immer noch nicht so recht glauben, dass „Legend“ sein Erstlingsroman war. Und noch dazu mit einer so herzerweichenden Entstehungsgeschichte: Gemmell hatte Krebs, der als nicht heilbar diagnostiziert wurde. Um auf andere Gedanken zu kommen, schrieb er „The Siege of Dros Delnoch“ in der die Festung für seinen Körper und die Horden der Nadir für die Krankheit standen. Das Ende ließ er offen, je nachdem, wie sich die Krankheit entwickeln würde. Und siehe da: Der Krebs war nicht tödlich und das Buch ein durchschlagender Erfolg.

Also: Stellt euch jetzt mal vor, ihr würden in ein paar Monaten sterben.

Und jetzt fangt an zu schreiben.

Was ich so lese