25.09.2008

Amazon

Wahrscheinlich denkt Ihr jetzt, ich will euch Bücher verkaufen, oder noch schlimmer was von diesem Online-Store erzählen, bei dem ich immer einkaufe.

Ich erinnere mich da noch an meinen Deutschlehrer, Herrn A., der immer von Amazon schwärmte und was soll ich sagen? Er hatte recht.

1994 gegründet ist Amazon heute viel mehr als eine internetbuchhandlung. Manche finden das toll, andere finden das nicht ganz so toll und ich finde es vor allem spannend.


Die Buchhandlung

Klar, Amazon verkauft Bücher, das weiß jeder. Amazon verkauft sogar eine ganze Menge Bücher und deswegen dreht Amazon so kräftig an der Rabattschraube wie es geht. Der Diogenes Verlag hatte deswegen 2004 Zoff mit Amazon, weil man nicht mehr hinnehmen wollte, dass Bücher zum halben Ladenpreis an Amazon gehen.
Und in Punkto Arbeitsbedingungen und -lohn hört man auch nicht nur Gutes.


Die Buchhandlung mit Zusatzangeboten

Aber Amazon verkauft mehr als nur Bücher, DVDs oder Elektronik. Mit A9 mischt man bei den Suchmaschinen mit, mit Alexa im weiten Feld der Web-Informationen und mit dem Kindle vertreibt Amazon einen e-book-reader, von dem manche sagen, er würde für ebooks bald das sein, was der iPod für mp3s ist. Kann sein, aber an die Coolness des iPod kommt der Kindle bisher noch nicht ran, da finde ich den Sony reader noch eine Ecke designiger.
Designiger? Gott ich hör mich schon an wie ein Werbetexter... *g*
Aber die wirklich interessanten Dinge passieren unter der Oberfläche. Amazons DVD-Verleih hat nicht so gut funktioniert, aber schon seit 2002 bietet Amazon die Web services an. Da gibt es Infrastruktur (Speicherplatz und Rechenleistung), Zahlungsabwicklung, natürlich die Dienste von Alexa und was ich besonders spannend finde: den mechanischen Türken.


Der mechanische Türke

1769 konstruierte der österreichisch-ungarische Hofbeamte und Mechaniker Wolfgang von Kempelen einen Schachroboter in Form eines Türken an einer Kiste. Der "mechanische Türke" erregte jahrzehntelang in ganz Europa Aufsehen, bis herauskam, dass er nur mit einem Menschen funktionierte, der sich im Inneren der Apparatur versteckte.

Und Amazon hat auch so einen Türken. Nehmen wir mal an ihr habt in der Seemannskiste eures Urgroßonkels eine Ausgabe des Necronomicons entdeckt, könnt aber dummerweise kein Arabisch, dann könnt ihr den Übersetzungsjob dem Türken überlassen. Scannt das Buch ein, teilt die Seiten in überschaubare Blöcke auf, legt fest, wie viel ihr pro Block zahlen wollt und bis wann ihr die Übersetzung braucht und dann kann es fast schon losgehen. Ein paar Details noch und schon können sich überall auf der Welt Leute mit zu viel Zeit daran machen die Aufgabe für euch zu lösen. Das klappt prima für Übersetzungen, Transkriptionen von Tonaufnahmen und alles andere, was sich über das Netz outsourcen lässt. Ich werde demnächst mal ein wenig damit herumspielen und euch von meinen Erfahrungen berichten.


Und in Zukunft?

Wie Google entwickelt sich Amazon von einer Internetseite mit einem klar umgrenzten Ziel zu einer Plattform weiter, die nicht nur die Bedürfnisse der Kunden im Netz, sondern auch im wirklichen Leben zu befriedigen versucht.
Bedürfnisse, die es vorher wahrscheinlich gar nicht gab, aber das ist ja nebensächlich. Seit Ende 2007 haben Kunden in den USA die Möglichkeit über "Subscribe & Save" Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter im Abonnement zu bestellen und dabei bis zu 15% zu sparen. Das heißt: Nie wieder Toilettenpapier oder Backpulver nachkaufen, sie werden mit diesem Dienst automatisch geliefert. In Deutschland bietet das zum Beispiel auch HSE24 mit dem "Treue-Abo" an.
Das Affiliate-Programm von Amazon, das einem erlaubt Geld zu verdienen indem man von der eigenen Seite auf die Produkte auf Amazon verlinkt habe ich auch mal getestet, hat aber nicht viel gebracht. Man muss da schon eine MENGE Traffic haben, damit sich das lohnt. Aber wenn man ein Coverbild von einem Buch das man besprechen will braucht ist es allemal in Ordnung.
Außerdem hat Amazon Amapedia im Programm, eine Plattform auf der man nicht nur wie schon bekannt Bücher, sondern alles bewerten kann, was man bei Amazon bekommt, von der Windel bis zur Kaffeemaschine.

Was ich so lese