01.07.2008

Das Königsprojekt [Review]



Ein bayerisch/römisch/schottischer Fantasy-Roman von Carl Amery.

Man nehme: Die Zeitmaschine (MYST - Macchina Ingeniosa Spazio-Temporale) von Leonardo da Vincy, eine Geheimorganisation der Katholischen Kirche, die diesen bedauerlichen Fehler mit Martin Luther abschwächen will und die Erbfolge der schottischen Könige, die über ein paar Umwege (siehe Thronfolge, Legitime) zu Rupprecht, Kronprinz von Bayern führt.
Nun klingt das mit der Zeitmaschine wie eine gute Idee, aber die Sache hat natürlich einen Haken: Man kann nur Dinge ändern, die nicht im Widerspruch zur Quellenlage stehen. D.h., als man versuchte Luther zu ermorden hat sich der katholische Agent wegen eintretendem Paradoxon ("Mein Gott, Marty! Ein Paradoxon!") in Luft aufgelöst und voila! die Teufel-Tintenfass-Episode war geboren.
Also reist der Schweizergardist Füßli durch die Zeiten, um Begebenheiten zu ändern, die zwar ihn keiner Quelle auftauchen (oder nur einige Buchstaben verändern), aber das berühmte Zünglein an der Waage sein könnten. Schließlich (bevor er desertiert) sorgt er dafür, dass eine vereinigte Streitmacht von königstreuen Bayern und Schotten den Stone of Scone in die Finger bekommen und schnurstracks zum wahrlich mytischen Ende des Buches marschieren können.

"Das Königsprojekt" ist ein Buch das Spaß macht. Es ist nicht so verschroben wie "Das Geheimnis der Krypta" und hat die richtige Mischung aus Fakten, Fiktion, Action und tiefgründigen Gedanken. Kann ich guten Gewissens auch Leuten empfehlen, die noch nie von Carl Amery gehört haben.



Thronfolge, Legitime: Man möchte es nicht glauben, aber die legitime Thronfolge der Britischen Inseln verläuft nach einer Lesart (der Jakobitischen Lesart) folgendermaßen:

  • 1701 - 1766 Jakob III (Jakob VIII nach schottischer Zählung). Lebte im französischen Exil. Sein Sohn Charles Edward wollte sein Reich zurückgewinnen, was ihm aber nicht gelang.
  • 1766 - 1788 Karl III., alias "Bonnie Prince Charlie" heiratete eine Gräfin von Stolberg. Die Erbfolge ging über auf seinen Bruder
  • 1788 - 1807 Heinrich IX, der ein Kardinal der Kirche wurde. Per Testament gingen seine Rechte an seinen nächsten gesetzlichen Erben, also Carlo Emmanuele IV. König von Sardinien. Ihm folgte sein Bruder
  • 1819 - 1824 Vittorio Emmanuele I., dann dessen Tochter
  • 1824 - 1840 Maria, die 1812 Franz IV., Herzog von Modena heiratete.
  • 1840 - 1875 Deren Sohn Francesco (Herzog von Modena) heiratete 1842 Adelgunde von Bayern und starb ohne Nachkommen. Das Erbe ging an seine Nichte
  • 1875 - 1919 Maria Theresia, Königin von Bayern und danach an ihren Sohn
  • 1919 - 1955 Rupprecht, Kronprinz von Bayern. Von ihm wiederum an dessen Sohn
  • 1955 - 1996 Albrecht Luitpold, Prinz von Bayern und von dem an
  • 1996 - heute Franz Bonaventura Adalbert Maria Prinz von Bayern.

Franz von Bayern ist für die Jakobiter "Francis II., König von England, Schottland, Irland und Frankreich". Er ist kinderlos, sein Nachfolger wird Max Emmanuel Prinz von Bayern. Der nebenbei gesagt auch noch der Repräsentant von Pharao Ankhenkeres von Ägypten ist. UND natürlich durch das Haus Lusignan der rechtmäßige König von Zypern und Jerusalem.

Ja Himmelherrgottsakramentnoamoi! Des hätt se no ned amoi Ludwig III. - Gott hab ihn selig - dramma lassn!

Das Ganze ist ungefähr so ernst zu nehmen wie die Behauptungen, dass das Deutsche Reich weiter existiert.

Aber ziemlich interessant. Wer mehr über die Jakobiten wissen will, wird hier, hier und hier fündig.

Was ich so lese