09.04.2008

Unterhaltung für den König

Vor Jahren habe ich ein simples Spiel kennen gelernt, das schnell zeigt, ob einer das Zeug dazu hat andere zu unterhalten bzw. für eine Sache zu interessieren oder nicht. Ich weiß nicht, ob es einen offiziellen Namen hat, deshalb nenne ich es "Unterhaltung für den König"

Man braucht einen König, einige Untertanen, die sich ein paar Meter von ihm entfernt aufstellen und das war es auch schon.

Ziel der Untertanen ist es dem König so nah zu kommen, dass sie ihn schließlich berühren können. Aber sie müssen sich jeden Schritt hart erkämpfen, indem sie den König unterhalten. Wie ist egal. Sie können eine Geschichte erzählen, ein Lied singen, herumtanzen oder sich ausziehen. Hauptsache der König hebt nicht die Hand und winkt ab. Denn dann muss der Untertan wieder zurück auf die Startposition.

Ich schätze ich war kein besonders unterhaltsamer Untertan und äh… hab ich „war“ geschrieben? Ehrlich: Ich tu mich verdammt schwer damit den König – also euch, das Publikum - zu unterhalten und weiß es zu schätzen, dass ihr mir treu bleibt ;).
Aber ich habe ein oder zwei Dinge gelernt, die Ihr als angehende Schriftsteller oder Werbemenschen oder überhaupt als Untertanen gebrauchen könnt. Klar, alles olle Kamellen, aber vielleicht doch für einige hilfreich. Und steht nicht schon im Buch Kohelet des Alten Testaments, dass es nichts neues unter der Sonne gibt?

Anyway. Ein paar Methoden ziehen immer, wenn es darum geht den König zu unterhalten:

Überrumpelung: Bei meinem ersten Versuch bin ich einfach schreiend losgelaufen. „Majestät! Die Frösche haben uns den Krieg erklärt!“ Der König hatte gar keine Chance die Hand zu heben. Das war weder schön noch geistreich, aber jeder der schon mal was an der Haustür gekauft hat, um wieder seine Ruhe zu haben weiß, dass es funktioniert.

Sex sells: Klar. Erklärt sich von selber. Eine meiner Mit-Untertaninnen ist mit dieser Methode auch ziemlich weit gekommen. Ein sabbernder König hebt keine Hand. Ist aber auch nicht schön und geistreich.

Humor: Schon schwieriger, aber als ich nach dem ersten Anlauf laut quakend einen Frosch aus der Invasorenarmee gegeben habe, war das für ein paar Lacher gut.

Eine gute Geschichte erzählen: Egal ob in der Werbung oder beim Schreiben: Manchmal schafft man es den Kunden an den Haken zu nehmen und ihn nach mehr betteln zu lassen. Der Kunde ist König, ja, aber wenn man ihn erstmal so weit hat nicht mehr lang… *g* Aber fragt mich jetzt nicht, wie das geht. Sucht euch euren eigenen König und findet es selber heraus.

Persönlich werden: Je mehr ihr über den König wisst, desto besser kommt ihr an seine Aufmerksamkeit. Ob ihm das gefällt ist eine andere Frage, aber hier klappt es.

Hartnäckigkeit: In meinen Runden machte sich irgendwann immer eine gewisse Ermüdung beim König bemerkbar, wenn keine der oben genannten Methoden gezogen hatte. Und irgendwann hat er dann auch immer schon aus purer Langeweile den Untertan zu ihm durchgelassen, der am wenigsten langweilig war.
Unschön, aber wirkt immer. Um das auf das richtige Leben anwenden zu können muss man allerdings die Spielregeln bestimmen können, also versucht es lieber mit was anderem.

Übrigens ist das Spiel nicht vorbei, wenn der König schließlich gestürzt wird. Dann wird schnurstracks die Demokratie eingeführt und der König muss vor den vormaligen Untertanen den Kasper geben. grausam sage ich euch, aber auch so wahr…

Was ich so lese