11.01.2008

J. J. Abrams, TED und eine Sache, die ihre einfach nicht falsch machen könnt

Vor einiger Zeit bin ich auf TED gestoßen und seitdem semi-süchtig und mein Gehirn macht dieses wundervolle Geräusch von sich neu verbindenden Neuronen.

Von Rechts wegen müsste ich hier eigentlich das Video von Isabel Allende einstellen, aber J. J. Abrams gefiehl mir besser. Erstens weil er ein wahres Energiebündel ist und zweitens weil er über etwas spricht, was man auch beim Schreiben super anweden kann - und das ohne Angst haben zu müssen etwas falsch zu machen. Beinahe idiotensicher.

Abrams nämlich hat eine "Mystery Box", eine Kiste mit einem Fragezeichen darauf, die für eine Technik steht beim Erzählen Spannung zu erzeugen.

Automatisch fragt man sich: Was ist in der Kiste?

Ein Beispiel, wie es in einem Roman vorkommen könnte:

"Engelbert riss die Tür auf und rannte schreiend in die Dunkelheit, die dahinter lag."

Boahhh! Krasse Sache, woll'n doch mal sehen, was sich daraus machen lässt:

"Aber schon nach wenigen Schritten erwischte ihn der Werwolf."

Aha. Horror also. Hmhmm, Werwolf. Gähn... Bestimmt kommt gleich einer mit Silberkugeln...

Also lassen wir das mal lieber mit dem Werwolf. Aber was dann?

"Aber schon nach wenigen Schritten erwischte ihn eine krallenbewehrte Hand, die aus den Schatten heraus nach ihm griff."

Schon besser. Krallenbewehrte Hand ist immer noch Horror, aber der Leser kann sich jetzt mehr darunter vorstellen als nur einen ollen Werwolf. Klar, es könnte immer noch ein Werwolf sein, aber auch die Großmutter von Engelbrecht. Oder beides.

Soll heißen, dass man dem Leser ruhig ein wenig Eigenverantwortung überlassen darf und sollte. Selbst wenn die Hand am Ende doch dem 08/15 Werwolf gehört: So lange das niemand weiß, so lange wird er weiterlesen, um zu erfahren, was da vor sich geht.

H. P. Lovecraft hat dieses Spiel bis zur Perfektion getrieben (und darüber hinaus). Er konnte seitenlang unbeschreibliche Dinge beschreiben und hat trotzdem noch genügend Freiraum für die Vorstellungskraft der Leser gelassen.

Bei der Methode ist es allerdings schlecht, wenn ihr selbst nicht wisst, was da in der Dunkelheit lauert und warum und der Leser am Ende merkt, dass er betrogen wurde. Schaut euch einen schlechten Krimi an und ihr wisst was ich meine. Dann schreibt lieber:

Aber schon nach wenigen Schritten merkte er, dass eigentlich sein Nachbar an der Reihe war mit Schreiend-aus-der-Tür-rennen und kehrte wieder um.

Was ich so lese