12.12.2007

Mutant 59: Der Plastikfresser

Ein Buch von Kit Pedler und Gerry Davis aus dem Jahr 1971.

Der Text ist im gleichen Sammelband wie "Feind aus dem Weltraum", also hatte ich mich auf das Schlimmste gefasst gemacht und es hat tatsächlich eine ganze Weile gedauert, bis ich Gefallen an dem Buch gefunden habe. Allein vom Titel her ist klar, um was es geht: Fleischfressende Killer-Bakterien! Ahh, entschuldigung, da ist ein wenig die Phantasie mit mir durchgegangen; es geht natürlich um plastikfressende Bakterien. Ein Flugzeug stürzt ab, ein Verkehrsüberwachungssystem fällt aus und dann verwandelt sich London plötzlich in einen Mohrenkopf in der Mikrowelle... zumindest so was in der Art. Die plastikfressende Bakterie zersetzt Leitungen, Oberflächen und Füllmaterial und setzt dabei brennbares Gas frei, das sich im Untergrund sammelt und immer wieder mit katastrophalen Ergebnissen explodiert.

Man bekommt also einiges geboten für sein Geld. Londons Underground wird in Schutt und Asche gelegt und die Autoren beweisen dabei, dass sie sich mit den Lokalitäten gut auskennen. Stillgelegte Bahnhöfe, ehemalige Wasserläufe, wie die Fleet, die nun ein Dasein als Kanäle fristen und ein unüberschaubares Netz aus Strecken, die sich in mehreren Ebenen überlagern...

Ich konnte mir das alles sehr gut vorstellen, vor allem weil ich schon ein wenig durch Nei Gaimans "Neverwhere" vorgebildet war, aber bei den Personen bin ich komplett ausgestiegen. Keine Ahnung welcher der Protagonisten wie und wann eingeführt worden ist, oder wie ich sie mir vorzustellen habe, sie sind allesamt ziemlich farblos. Die zerstückelte Erzählweise macht das keinen Deut besser. Vieles kommt zwar zusammen, aber trotzdem verwirrt mich das nur. So taucht ziemlich am Ende eine Räuberbande auf, die die Gunst des evakuierten Londons nutzt um Juwelen zu stehlen und denen einer der Protagonisten - gerade aus der zusammengebrochenen U-Bahn entkommen - geradewegs in die Arme läuft.

Aber es wird besser, wenn sie der Reihe nach wegsterben und am Ende bekommt das Ganze sogar so was wie Tiefe. Aber am meisten Spass machen die Aktion-Szenen. Erst die Kathastrrophe, dann das Sterben eines Flugzeuges, das innerhalb von wenigen Stunden von der Bakterie gefressen wird. Hier wird schön auf der Klaviatur der menschlichen Angst gespielt.

Es gab vor Jahren mal einen TV-Film, der glaube ich "Zucker" hieß. Er beginnt mit einem Mann, der von seiner Ex-Frau (einer Wissenschaftlerin) einen versiegelten Brief bekommt, in dem nur steht: Sie funktionieren!
Er lässt ihn liegen und denkt sich nichts weiter dabei. Als er am nächsten Morgen nochmal nach dem Brief schaut findet er nur noch eine Zuckerschicht vor...

Pedler und Davis schienen ein interessantes Team zu sein. Sie haben sich bei Dreharbeiten für Dr. Who kennengelernt und ein paar Bücher zusammen gemacht. In denen geht es um Autoabgase, die Leute verblöden lassen und ein Kraftwerk, das die Ozonschicht gefärdet.
Science Fiction eben...

Mutant 59 ist aus ihrer Arbeit für eine andere Serie entstanden, die sie entwickelt haben: Doomwatch.

Was ich so lese