24.11.2007

Götter, Gnomen und Giganten

Neue Fantasy-Stories, herausgegeben von Lin Carter

Aus dem Amerikanischen von Lore Strassl


Gut, dieser Sammelband ist nicht „Götter, Gräber und Gelehrte.“, aber man ist ja froh um jede Alliteration, die man kriegen kann.

Wir befinden uns im Jahre 1973 nach Christus und ganz Fantasy ist von Barbaren besetzt. Ganz Fantasy? Nicht ganz, aber man bekommt zumindest manchmal diesen Eindruck, wenn man sich die Pulp-Magazine so ansieht. Prominente Namen sind Robert E. Howard und Michael Moorcock.

In G., G. & G. finden sich folgende drei Geschichten nach einem Vorwort von Hugh Walker:


L. Sprague de Camp

Der fliegende Teppich
(The rug and the bull)

Gezun von Lorsk ist ein Magier, der mit seiner Frau und seinen Kindern durch die Länder von Poseidonis und den Tritonischen Reichen (Karte vorhanden) zieht, um sich sein Geld zusammenzugaunern. Und bei „Magier“ darf man nicht an den üblichen Gandalf-Typen denken, der weise und mächtig ist. Gezun macht sich überall Ärger und ist eigentlich ständig auf der Fluch vor ehemaligen Geschäftspartnern.
In Torrutseisch hat er sich seit Jahren nicht mehr blicken lassen, aber der Meister der Magiergilde dort erinnert sich noch gut an ihn. Trotzdem ist er bereit sich auf einen Deal einzulassen. Gezun hat einen fliegenden Teppich bei sich und das Wissen weitere zu produzieren. Er braucht den Meister der Gilde, um eine Audienz beim König zu bekommen und dick in die Teppichproduktion einzusteigen. Denn fliegende Teppiche sind militärisch eine feine Sache. Und das klappt auch einigermaßen, so dass er mit seiner Familie zum Stiefkampf geht. Plotelement ich hör dir trapsen und tatsächlich wird Gezun später in einen der Kampfstiere verwandelt, weil die Transportgilde gar nicht glücklich über fliegende Teppiche ist, die Träger überflüssig machen würden.
So findet sich Gezun in der Arena wieder, schafft es aber zu entkommen und dabei auch noch dem König seine Krone zu entreißen. Er verwandelt sich schließlich zurück in seine Menschliche Gestalt und macht sich mit seiner Familie und mit Krone aus dem Staub.

Keine großartig aufregende Geschichte, aber auch keine schlechte Geschichte, denn Leute wie Gezun muss es zu hunderten in den unzähligen Fantasy-Welten geben. Man hört nur nie von ihnen.


Lin Carter

Der Halbgott
(The higher heresies of Oolimar)

In Ablamarion gibt es einen Berg namens Telasterion auf dem eines der letzten Artefakte steht, mit denen die alten Götter einst zu den Sterblichen sprachen. Diese Zeiten sind längst vorbei, andere Götter haben die alten ersetzt, was aber nicht bedeutet, dass sie keine Macht mehr hätten. Denn seit tausenden von Jahren ist der Barbar Amalric mit seinem mächtigen Stab aus unzerstörbarem Metall in ihrem Dienst unterwegs um für das Gute zu kämpfen.
Er ist auf den Telasterion geklettert, um sich seine neue Aufgabe abzuholen und ein weiteres Mal verjüngt zu werden. Diesmal soll er nach Yuthontis reisen, um der Herrschaft der Unsterblichen dort ein Ende zu bereiten.
Er macht sich auf den Weg, trifft unterwegs den Echsen-Zauberer Ubonidus von Phence, dem er im Kampf beisteht und beide fliegen sie auf einer riesigen Biene (ein Hlagozyte) bis nach Oolimars, wo sie von fanatischen Priestern gefangen genommen werden. Lange sitzen sie im Kerker, bis Ubonidus seinen Vertrauten beschwört, der ihnen einen Weg zeigt zu entkommen (Einfach dreist das Gegenteil von dem behaupten, was die Priester glauben, z.B. dass die Welt Kugel- und nicht Schlüsselform hat und im aufkommenden Chaos weglaufen).

Ich hätte mir eine bessere Geschichte für die beiden gewünscht, denn Amalric und seine Welt sind interessant und machen Lust auf mehr. Definitiv die stärkste der drei Geschichten.


John Jakes

Der Garten des Zauberers
(GhouG's garden)

Darf ich vorstellen? Brak. Brak ist ein Barbar, wie er im Buche steht: Nackter Oberkörper, Löwenfell um die Hüften und ein Breitschwert aus Bronze an der Seite. Immer auf dem Weg in das goldene Land Khurdisan, das er laut John Jakes am Ende erreicht und nicht erreicht. In dieser Episode trifft er auf eine Schauspielerin, die von einem Zauberer verfolgt wird und einen Mönch, dem man von Anfang an nicht über den Weg traut. Brak befreit ihn aus den Fängen eines Hexenapfel-Baumes, indem er einen Felsbrocken in dessen Schlund wirft.
Die drei stoßen später auf eine Hütte mit einem netten Holzfäller, der sich natürlich als der böse Zauberer herausstellt. Er zieht das Mädchen und den Mönch in einen magischen Teppich, der gleichzeitig Grundriss und Tür zu einem verhexten Garten mit mechanischen Vögeln ist. Brak folgt ihnen und kann das Mädchen schließlich retten. Am ende ziehen sie aber dann doch getrennter Wege.

Ich lese gerade „Die Götzen erwachen“, ein weiteres Abenteuer mit Brak, aber so richtig warm kann ich mit ihm nicht werden. Er ist mir ein wenig zu sehr das Abziehbild von Conan, was John Jakes auch schon öfter vorgeworfen wurde. Gut, ich kann Conan auch nicht so viel abgewinnen, aber im Vergleich zu Amalric ist Brak einfach zu blass. Er hat keine geheimnisvolle Vergangenheit, zumindest nicht, dass ich wüsste und seine Gralssuche nach Khurdisan ist auch ohne Leben. Man erfährt einfach zu wenig über Brak, außer dass er gut kämpfen kann und auch nur ein Mensch ist, wenn es um Frauen geht.

Was ich so lese