14.11.2006

Inhaltlosigkeiten

Ich habe ein Experiment hinter mir, in dem 9 Protagonisten rumliefen und obwohl ich sie in zwei Gruppen aufgeteilt habe, sich letztendlich gegenseitig die Luft zum Atmen nahmen. Ich hatte die Dragon-Lance-Bücher im Hinterkopf wo die Party, also die Heldengruppe auch funktioniert hat, aber das ist gar nicht so einfach, wie es aussieht. Im Nachhinein hab ich die ganze Sauerei dann damit gerechtfertigt, dass es mir mehr auf die Story ankam, als auf die Charaktäre. Legitim? Ich weiß nicht. Zufrieden bin ich damit nicht. Aber das ist auch widerum kein Kriterium.
Ich habe noch kein Buch geschrieben (von den 8 oder 9 längeren, die inzwischen zusammengekommen sind), das ich nicht mit dem Gefühl "Das wird das Beste, was ich je geschrieben habe" anfing und mit dem Gefühl "Das ist das Schlechteste, was ich je geschrieben habe" aufhörte. Das ging mir bei wirklich jedem Manuskript so, vielleicht abgesehen vom ersten, an dem ich so lange herumgedocktort habe, dass ich mich nicht mehr so genau an Anfang und Ende erinnern kann. Es ist in so viele Versionen verfranst, dass es mir davor graut den Ordner aufzumachen, in dem die ganzen Dateien lagern, die alle eine andere Bezeichnung haben, die mir nichts sagt. Später war ich schlauer und hab den Versionen vor der Fertigstellung wie bei einem Vomputerprogramm Bezeichnungen von 0.1 bis 0.9 gegeben und denen nach der Fertigstellung Bezeichnungen von 1.0 an aufwärts. Allerdings hatte ich danach so viel Übung im richtigen Umgang mit einem Manuskript, dass ich diese Arbeitsweise bisher nicht mehr gebraucht habe. Ich hoffe aber, sie wird nochmal nützlich, wenn ich eines oder mehrere meiner Babys nochmal überarbeiten muss, bzw. darf.
Die Geschichte an der ich momentan schreibe ist die erste, für die ich ein Gerüst habe, das im Stand weit vor dem ist, was ich gerade schreibe, d.h. ich bin mir schon vorher darüber im klaren, wohin die Story gehen wird. Nicht in allen Details, aber zumindest was einen Aspekt der Geschichte betrifft. Das ist ein gewaltiger Fortschritt, denn vorher war es das schönste für mich mit null Ahnung anzufangen zu schreiben und zu sehen, dass mir doch irgendwie was einfällt, das noch dazu ziemlich gut ist.
Also, ziemlich gut in dem Sinn, dass es eine gute Idee ist, aber meistens nicht so gut, wenn man das große Ganze im Blick behält. Viele gute Ideen geben nämlich nicht immer eine gute Verbindung und am Ende hat man dann einen netten Obstsalat mit Essiggurken, Schokosträusseln und ein paar glasierten Zündkerzen (keine Ahung, wie die da rein gekommen sind). Klingt logisch, aber wer darauf steht, dass sich das Gehirn zu kreativen Höchstleistungen aufschwingt, kommt erst nach einigen Fehltritten auf die Idee dem Ganzen einen Rahmen vorzugeben.
Zu viel Rahmen darf aber auch nicht wieder sein, sonst füllt man nur die Lücken zwischen wichtigem Handlungspunkt a und wichtigem Handlungspunkt b und das ganze wird wenig mehr als eine bessere Zusammenfassung.
Ach ja, vielleicht sollte ich noch erwähnen, welche Art von Handlung ich dabei im Hinterkopf habe, wenn ich das schreibe: Momentan fröhne ich immer noch meiner Sucht und Leidenschaft, der Fantasy. Kann sein, dass das nicht die höchste aller Literaturgattungen ist und kann sein was auch immer sein kann, aber Fantasy macht Spass und ich brauche mich nicht zu schäme n, wenn ich sage, dass ich zu mindestens 50 % Fantasy-Literatur geschrieben habe. SciFi mag ich auch ziemlich gern, aber wenn ich die Großen des Faches wie Niven, Heinlein, Herbert, Aasimov, Lem und wie sie alle heißen lese, dann weiß ich dass ich dagegen nicht anstinken kann. Wenn ich mir aber die Großen der Fantasy anschaue, dann finde ich immer noch Platz für Verbesserungsvorschläge. Es gibt zwar ein paar Bücher, die ich nicht toppen kann (Legend von Gemmell zum Beispiel), aber an vielen erfolgreichen Werken finde ich was auszusetzen. Klar bringt Moorcock immer noch frischen Wind mit sich und Tolkien hat eine Basis gelegt, um die man nur mit ein paar Verrenkungen herumkommt, aber dazwischen gibt es viel, was zwar großartig geschrieben ist, aber immer noch unter dem zurückbleibt, was möglich wäre.
Vielleicht bin ich auch nur zu beeinflusst vom neusten Band von Dune und mein Maßstab ist gerade ein wenig zu bombastisch angelegt, aber ich finde, da ist noch einiges drin. Und deswegen hacke ich gerne auf den geliebten Klichees der Fantasy herum. Warum muss nur irgend ein Weiser eine Prophezeihung aussprechen, um eine Geschichte in Gang zu bringen, die den jeweiligen Kontinent, der mehr oder weniger Mittelerde gleicht (hauptsache es gibt ein Meer im Westen und ein böses, böses Land im Norden oder Osten) an den Rand der Kathastrophe zu bringen, die nur dadurch abgewendet werden kann, dass ein durch das Schicksal vorherbestimmter Mann vom jeweiligen Bösewicht durch dessen plötzlich auftretende Inkompetenz die Chance erhält zum Helden zu werden. Soweit in aller Kürze und übertriebener Überspitzung. Mir fehlen mehr Geschichten, die nicht dem klassischen Bogen folgen und in denen mal nicht ein uraltes magisches Artefakt gefunden werden muss, das inmitten von einst unvorstellbar prächtigen Bauten liegt, die heute nur noch Ruinen sind. Die ganze Romantik geht mir auf den Keks, auch wenn ich zugeben muss, dass ich selber immer wieder ihr Opfer werde. Scheinbar kann man sich nur schwer davon lösen, aber man kann es ja zumindest mal versuchen.
Im Moment schreibe ich deswegen gerade an einer Geschichte, die grob gesagt den Herrn der Ringe weitererzählt. Halthalt! Nicht weglaufen! Lasst mich erstmal erklären.
Das "Reich des Bösen" fällt in meiner Version, weil es nicht damit gerechnet hat, dass ein paar Luftstreitkräfte der guten Seite bis zu ihrem Machtzentrum vordringen und die Anführer im Handstreich ausschalten können. Frage: Warum ist Frodo nicht auf Gwaihir zum Schicksalsberg geflogen? Kann mir keiner erzählen, dass die großen Adler allezusammen es nicht mit den Reittieren der Ringgeister hätten aufnehmen können, wenn sie gewollt hätten. Wie auch immer..
Was passiert wenn die Bösen in alle Winde zerstreut sind, aber immer noch existieren? Wie pendelt sich ein Land wieder ein, das durch einen Krieg bis kurz vor den Untergang getrieben wurde? Tolkien hat ja gesagt, dass sein Buch nichts mit dem ersten oder zweiten Weltkrieg zu tun hat, und ich will auch nicht dagegen argumentieren, aber meines hat definitiv damit zu tun. Jeder der schon mal einen Krieg gesehen, gehört oder sonstwie wahrgenommen hat wird einfach davon beeinflusst und lässt das in das was er schreibt einfließen ob er will oder nicht. Hier in Deutschland besonders, wenn man an die nachfolgenden Entnazifizierungsbemühungen und Emigrationen nach Südamerika usw. denkt.
Das ist natürlich nur ein kleiner Teil dessen, was ich in das Buch einfließen lassen will und ich weiß jetzt schon, dass am Ende wieder etwas rauskommen wird, von dem ich danken werde: "Das ist das Schlechteste, was ich jemals geschrieben habe."
Aber was solls, im nächsten Buch kann ich ja wieder versuchen es besser zu machen.

Was ich so lese