25.05.2014

Das hohe Haus

Ich muss gestehen, ich habe von Roger Willemsen weniger gesehen, gehört und gelesen als nötig wäre. Nötig wofür? Ach, fragt nicht ...
Aber gestern war er im Münchner Literaturhaus, um in einer Szenischen Lesung sein neues Buch "Das Hohe Haus" vorzustellen und ich hatte Gelegenheit ein wenig aufzuholen.
Das hohe Haus? Also ein Turm? Nein, meine lieben, minderbemittelten Freunde, bei Roger Willemsen handelt es sich schließlich um einen Intellektuellen, der Dinge um so treffender bei ihrem Namen nennen kann, wenn er sich nicht beim Namen nennt. Das hohen Haus ist der Deutsche Bundestag.

Ach so, der Bundestag. Das Ding in Berlin mit der Kuppel obendrauf! Nicht ganz. Das Ding mit der Kuppel ist der Reichstag. Das Gremium, das darin tagt ist der Bundestag. Und diese Tagungen kann man auch als gewöhnlicher Besucher besuchen. Roger Willemsen hat es konsequent ein Jahr lang gemacht und es ist kein Wunder, dass er davon leicht traumatisiert wurde. Selbst ich, der ich nur ca. 90 Minuten lang der Zusammenfassung seiner Zusammenfassung gelauscht habe, war am Schluss völlig gerädert.


Kindergarten der Rhetorik-Rambos

Von Politik oder dem Deutschen Staat weiß ich jetzt zwar genauso wenig wie zuvor, aber man konnte den Eindruck gewinnen, dass ich mich damit in bester Gesellschaft befinde. Wenn man im Bundestag vor laufenden Kameras anwesende und abwesende Personen ungestraft beleidigen kann ("Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch" würde heute keinen mehr vom Hocker hauen) und mal eben das Grundgesetz in Frage stellen darf, dann ...
Ja, was dann? Ein Abend voller Blödheiten, Blödeleien, Betroffenheiten mit kurzer Halbwertszeit und bodenloser Bigotterie haben mich ein wenig erheitert und ziemlich ratlos zurückgelassen. Was habe ich da eigentlich gesehen? Einen Kabarett-Abend? Ist die deutsche Politik zu einem Comedy-Programm verkommen? War sie schon jemals etwas anderes? Rächt es sich jetzt, dass die Weimarer Republik in einem Theater residieren musste oder hat sich der letzte Feinstaub vom Reichstagsbrand noch nicht verflüchtigt? Weiß sich selbst ein Roger Willemsen nicht mehr anders zu helfen als diesem Irrsinn aus Phrasen, Lügen und Selbstbeweihräucherungen durch Humor den Schrecken zu nehmen?


Das milieufremde Leben

Es gibt ein paar Lichtblicke und Konturen. Personen, die an ihre Grenzen stoßen, an ihren Werten festhalten, egal was ihre Partei oder das Bundesverfassungsgericht sagt und Ereignisse, die das hohe Haus für wenige Momente zu einem Raum für das machen, was es sein sollte: die Vertretung der Interessen des Deutschen Volkes.

Was ich so lese