28.03.2012

Kiitos, Tampere: Iron Sky

Nein, Tampere, eine Schönheit bist Du nicht. Du hast liebendswerte Ecken, aber es braucht schon richtig tolles Wetter, das Deine Seen zum Glitzern bringt, damit man von Dir geblendet wird.

Aber ich mag Deine Details. Die unablässig dampfenden Schornsteine, die versteckten Ornamente, und die Menschen, die sich offensichtlich in Dir wohl fühlen. Dafür sage ich: Kiitos!

Ja, wie ihr vielleicht schon erraten habt: Ich war in Tampere, Finnland. Neuerdings CGI-Capital of Europe/the World ist Tampere die Geburtsstadt des Films "Iron Sky", den ich am Montag sehen durfte.

Und ich bin immer noch hin und weg. Ich hab gelacht, mitgefiebert, mir Gedanken gemacht und fühlte mich auf mehr als einer Ebene berührt.

Mannomann ... der Film hatte was. Vielleicht lag es nur daran, dass im Abspann mein Name steht (ja, so was kann die Urteilsfähigkeit beeinflussen), aber ich fand ihn richtig gut - trotz der ein oderen Kleinigkeit, die mich gestört hat.

Daran, dass die Macher von Star Wreck ein optisches Spektakel abliefern würden, daran hatte ich keinen Zweifel, dass sie eine solide Kommödie hinbekommen, war ich mir ziemlich sicher und an die Story hatte ich eigentlich schon gar keine großen Ansprüche.

Gut, die Story ist keine Offenbarung, sie hat aber meine Erwartungen übertroffen. Ein Beispiel eines netten Kniffs, mit dem die innere Wandlung der Hauptdarstellerin auf den Punkt gebracht wurde:

Auf dem Mond erklärt die Nationalsozialistin Renate Richter  ihren Schülern anhand des Kurzfilms "Der große Diktator" von Chaplin, wie sehr der Führer die Welt geliebt hat. Sie kann das tun, weil sie nur den kurzen Ausschnitt kennt, in dem Hynkel mit dem Globus spielt.


Auf der Erde sieht sie zum ersten Mal die vollständige Fassung und erfährt, wofür das Hakenkreuz wirklich alles steht. Und von da an gehört sie zu den Guten, auch wenn sie nach wie vor irgendwie ein Nazi ist.

Das ist verwirrend und ich bin mir sicher, dass man dem Film vorwerfen wird, dass er den Nazionalsozialismus verharmlost. Denn in Iron Sky gibt es nicht nur die bösen Nazis, sondern auch die guten Nazis.

Und auch wenn die Mond-Nazis die USA mit ein paar Meteoriten bombardieren sind es die anderen Staaten, die den Kampf danach mit Atomwaffen zur dritten Weltkrieg ausweiten.

Die Schlussequenz des Films, in der auf der Erde nach und nach die Lichter ausgehen, bleibt mir im Gedächtnis. Wahrscheinlich habe ich sie so oder so ähnlich schon mal in anderen Filmen gesehen, aber das macht sie nicht weniger beeindruckend. Innerhalb von wenigen Minuten wird hier der Bogen geschlagen vom Schicksal zweier Menschen, die in Liebe zueinander gefunden haben über das Schicksal der Welt, das durch Hass zerstört wird bis in die Weiten des Weltraums in die der Mensch durch seine unglaublichen Fähigkeiten vordringen konnte.

Wow ...


Mehr zu Tampere demnächst.

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