25.10.2009

So Sorry, Anfassen verboten / erlaubt

"Nicht anfassen!"

Die Aufsicht hat sich ein wenig panisch angehört, als sie das gesagt hat. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie einen Raum hüten musste, in dem sich ein Berg aus ca. 1.000.000 Sonnenblumenkernen aus Keramik, eine Schüssel mit ca. 1.000.000 Süßwasserperlen und ein Kubus aus einer Tonne gepresstem Tee befinden.

Eigentlich kein Wunder aber andererseits auch ziemlich paradox, wenn man sich gleich nebenan ganz ungeniert auf Stühle setzen kann, die 500 Jahre alt sind.



Ai Weiwei 艾未未 von na0905.
von na0905

Keine Ahnung, ob das von Ai Weiwei so geplant war, aber es würde mich nicht wundern wenn es so wäre, denn ein bissi komisch ist dieser chinesische Kauz schon. Er macht das, was die chinesische Regierung auch macht, nur in kleinerem Umfang: Er nimmt was Altes, vielleicht sogar was Ehrwürdiges und Heiliges und macht es kaputt. Oder er klatscht Industriefarbe drauf. Oder er setzt es neu zusammen.

Wenn in China Tempel abgerissen werden, damit eine neue Fabrik oder auch gar nichts auf dem geschaffenen Platz gebaut werden kann, zieht Ai Weiwei los, schnappt sich ein paar Deckenbalken, Türen oder Fenster und setzt sie neu zusammen.

Zumindest stell ich mir das so vor, denn allein aus dem Gang durch die Ausstellung wird das alles nicht so recht klar. Man erfährt lediglich, dass Ai Weiwei für die Arbeiten seine Schreiner und Teppichmacher und was weiß ich noch alles hat.

Nachdenklich soll das machen, aber in der Ausstellung im Haus der Kunst in München sind nicht nur die Installationen und Skulpturen zu sehen, sondern auch einige Fotos aus seiner Zeit in New York und ein paar Filmen, die stundenlang nur den Verkehr auf Pekings Straßen zeigen. Und - berichtigt mich, wenn ihr das besser wisst als ich - das ist einfach nur langweilig. Auch wenn man dabei auf 500 Jahre alten Stühlen sitzen darf.


Man konnte sich im Museumsshop noch nicht mal einen der Sonnenblumenkerne kaufen. Und ich dachte China sei im Kapitalismus angekommen ...

Was ich so lese