28.01.2009

Schriftstellerwerden.de redux

Ist ja schon gut, ich geb's zu: Das hier ist gar kein richtiger Blog.

Das hier ist eine schlecht getarnte stinknormale Webseite. Und ich sag euch auch warum: Seit 2009 hab ich meinen Schreibrythmus von drei Mal in der Woche auf ein Mal in der Woche geändert und es hat nicht viel an den Besucherzahlen geändert. Die meisten kommen nach wie vor, um herauszufinden, was "Neger vor Hütte" bedeutet, welche Schreibwerkzeuge man ausprobieren kann und ob man einen Füller einschreiben muss.

Ja gut, ich hab auch nie behauptet den hippen Live-Style Blog zu haben, der jeden Tag mit Kommentaren nur so zugebomt wird (oder?). Man lässt sich so leicht von inhärenten Mechanismen verleiten und ja, ich schau jeden Tag auf den Besucherzähler, um zu sehen, was sich getan hat.

Warum eigentlich? Ist das nicht vollkommen dämlich? Und ist es nicht noch dämlicher, sich zu freuen, wenn die Zahlen nach oben gehen und sich zu ärgern, wenn sie sinken? Ist ja nich so, dass das die Kurse von meinen Aktien wären...
Deswegen mach' ich das auch nicht mehr. Deswegen ändere ich auch wieder mal meine Gewohnheiten und schau, was es Neues gibt, das sich auszuprobieren lohnt.

Twitter zum Beispiel.
Auch so ein vollkommen dämliches Spielzeug, aber zumindest stilistisch eine Herausforderung. Fasse Dich kurz. Ignoriere Tweets wie "Es hat schon wieder geschneit." oder ähnliches.
Auch das wird mich irgendwann nerven. So wie Lokalisten, Myspace und der ganze andere Summs.

Und ich habe wieder angefangen regelmäßig Notitzbücher zu verwenden. Ich sitze jeden Tag 90 Minuten in der Bahn. Das reicht für ein paar Seiten und während meine Freundin den Tag mit Kochshows und Soaps ausklingen lässt, tippe ich das Geschriebene in meinen Computer. Oder auch nicht.
Ich habe das immer als doppelte Arbeit und damit als Zeitverschwendung angesehen, aber - Hallo? - Schreiben ist an sich schon Zeitverschwendung, da macht es wenig Unterschied, wie man seine Zeit verschwendet.

Wie blöd, blöd, blöd, blöd...

Mal ganz abgesehen davon, dass nichts besser ist, als seine (Schreib)gewohnheiten aufzubrechen und ab und zu wieder so zu tun, als würde man ausschließlich für sich selber schreiben.

Deswegen auch - lieber Leser, so leid mir das jetzt tut - im Moment gehst Du mir am Arsch vorbei.

Nein, Du nicht Susanne, und für den Herrn Reiter hab ich auch was übrig und für die Damen aus Österreich und für Jacky sowieso, aber vom Rest der gesichtslosen amorphen Masse kann ich mir kein Bild machen, warum sollte ich mich also einen Dreck scheren, was sie denken?

Negativ? Nein. Höchstens enttäuschend im ursprünglichen Wortsinn: Ent-täuschend. Lasst euch nicht täuschen und täuscht euch nicht selbst. Es kann nur was FÜR euch sein, wenn es zumindest zum Teil VON euch ist.

Und noch etwas habe ich in diesem jungen Jahr 2009 gelernt.
Literatur kann etwas bewirken.
Ich habe gestern "Der Club der toten Dicher" gelesen und bei all seiner Flachbrüstigkeit gab es doch eine Szene, die mir ans Herz ging: Die Stelle in der der junge Knox unbeirrbar in das Klassenzimmer seiner Angebeteten marschiert, um ihr vor versammelter Klasse das Gedicht vorzulesen, das er für sie geschrieben hat.

Mann! Das ist Courage! Und noch nicht mal gelogen. Es gibt Leute, die machen so was. Ich hab es selbst erlebt.

Ich hab das Buch weggelegt und dafür den Telefonhörer in die Hand genommen, um jemanden anzurufen, bei dem ich mich seit ungefähr acht Jahren nicht getraut habe mich zu melden.

Und es hat so gut getan! Ich bin immer noch im Turbo-Modus und ich glaube das merkt man auch. Die Fahrt im vollgerammelten Pendlerzug heute war schon lange nicht mehr so erholsam...

Ein Fazit?
"Es wird etwas geschehen!", wie Böll so schön geschrieben hat. Ich kann euch eh nichts erzählen, was ich nicht von wo anders geklaut habe und glaubt bloß nicht, dass es bei anderen anders ist.

Aber ich kann ab und zu den Spießer spielen oder den Clown oder das Arschloch oder den Besserwisser oder den Langweiler oder den, der glaubt eine gute Idee zu haben.
Und ich kann mich inspirieren lassen. Von toten Dichtern. Oder von lebenden.

Na, wie wär's?

Was ich so lese