10.12.2008

You're a Genius all the time [Jack Kerouac]

Ein paar (versöhnliche) Gedanken zum NaNoWriMo

Ja, ich gebe zu, der NaNoWriMo ging mir gegen den Strich. Ich habe versucht, eine objektive Begründung dafür zu finden, aber wie so oft war das nur die Bemäntelung eines Gefühls. Und Gefühle brauchen keinen Mantel. Gefühle brauchen Flügel. Besser noch: ein Scramjet-Triebwerk.

Ja gut, meinetwegen. Der NaNoWriMo war für die meisten Beteiligten eine positive Erfahrung.

Als eine kleine Wiedergutmachung an alle, denen ich auf die Füße getreten bin (und nächstes Jahr wieder auf die Füße treten werde) ein paar Worte zum Urgroßvater aller NaNoWriMos: Jack Kerouac's "On the road"

Bis zum 28. Januar 2009 stellt das Barber Institute of Fine Arts einen Behemoth von Manuskript aus. 3657,6 cm lang, beschrieben in 20 Tagen, 6500 Wörter pro Tag. Eine Straße von einem Roman. Das Manuskript von "On the road"

(gänsehaut)
...die Schriftrolle.
(/gänsehaut)

Kerouac hat sich für sein Solo auf der Schreibmaschine 365 cm lange Seiten gebastelt und zusammengeklebt, um keine Zeit mit dem Wechseln der Seiten zu verschwenden. Von Absätzen oder sogar Kapitelunterteilungen ließ er sich ebenfalls nicht aufhalten. Seiner Meinung nach hatte er schon genug Zeit mit dem Wechsel der Sprache (französisch auf englisch) verschwendet.

Aber "On the road" entstand nicht aus dem Nichts. Kerouarc war ein permanenter Schreiber, der Notizbücher, Briefpapier und was sich sonst noch so anbot, füllte. "On the road" wurde am Stück geschrieben, aber nicht ohne sorgfältige Planung in Form von Skizzen in seinen Notizbüchern.
Und sein erster Roman "The town and the city" musste um 400 Seiten gekürzt werden, bevor er erscheinen konnte.

"On the road" wurde erst 1957, sechs Jahre nachdem er das Manuskript geschrieben hatte, veröffentlicht. Viking Press verlangte tiefgreifende Veränderungen, die vor allem "anstößige" Szenen betrafen. In der Neuauflage, die 50 Jahre nach dem ersten Erscheinen herausgekommen ist, hat man die Änderungen wieder rückgängig gemacht. Heute verkauft sich Sex in Büchern, selbst wenn es schlecht geschriebener Sex ist.

Neben Kaffee und Mariuana gab es für Kerouac 30 essentielle Dinge:

1. Scribbled secret notebooks, and wild typewritten pages, for your own joy
2. Submissive to everything, open, listening
3. Try never get drunk outside your own house
4. Be in love with your life
5. Something that you feel will find its own form
6. Be crazy dumbsaint of the mind
7. Blow as deep as you want to blow
8. Write what you want bottomless from bottom of the mind
9. The unspeakable visions of the individual
10. No time for poetry but exactly what is
11. Visionary tics shivering in the chest
12. In tranced fixation dreaming upon object before you
13. Remove literary, grammatical and syntactical inhibition
14. Like Proust be an old teahead of time
15. Telling the true story of the world in interior monolog
16. The jewel center of interest is the eye within the eye
17. Write in recollection and amazement for yourself
18. Work from pithy middle eye out, swimming in language sea
19. Accept loss forever
20. Believe in the holy contour of life
21. Struggle to sketch the flow that already exists intact in mind
22. Don't think of words when you stop but to see picture better
23. Keep track of every day the date emblazoned in your morning
24. No fear or shame in the dignity of your experience, language & knowledge
25. Write for the world to read and see your exact pictures of it
26. Bookmovie is the movie in words, the visual American form
27. In praise of Character in the Bleak inhuman Loneliness
28. Composing wild, undisciplined, pure, coming in from under, crazier the better
29. You're a Genius all the time
30. Writer-Director of Earthly movies Sponsored & Angeled in Heaven

Wer mit allen 30 was anfangen kann, soll sich bitte bei mir melden...

Und wer im Haus von Kerouac leben und schreiben möchte, kann sich beim Kerouac Project bewerben.

Alkohol und Drogen müssen allerdings selbst mitgebracht werden.

Ach ja: Um was geht es in "On the road" überhaupt?
Keine Ahnung, ist das wichtig?

Update: Hier gibt es eine literarische Landkarte der Reise von Stefanie Posavec

Was ich so lese