08.12.2008

David Grashoff [Interview]

Sagen euch Ian Livinstone und Steve Jackson was? Der einsame Wolf, klingelt es da? Wenn nicht, dann habt ihr in den 80'ern eindeutig zu viel Zeit damit verbracht hinter das Geheimnis von Clandestino zu kommen.

Als ich über das neueste Projekt von David Grashoff gestolpert bin, musste ich an die gute alte Zeit der Abenteuerspielbücher denken, denn in "Wanted Man" habt ihr die Macht über den Fortlauf der Handlung. (Übrigens hat auch Berd Perplies vor kurzem ein Abenteuerspielbuch gemacht.)

Ich möchte euch deshalb heute einen Schriftsteller vorstellen, der sich bescheiden als "Schreiberling" bezeichnet, einen Ruhrpott-Urban-Fantasy-Road-Movie-Roman in der Mache hat und neben "Wanted Man" seit 2003 auch einiges andere auf die Beine gestellt, was sehenswert ist.

Schaut euch auf seiner Seite um und lasst euch dort nicht von den Zombies beißen!

Aber genug meiner salbungsvollen Worte, lassen wir den Mann selbst zu Wort kommen. Links und Hervorhebungen kommen wieder von mir.


1. Was heißt "Durch die Möglichkeit auf verschiedenen Literaturplattformen im Internet seine Texte präsentieren zu können, wurde aus gelegentlichen Schreibversuchen, ein richtiges Hobby. Inzwischen arbeite ich als freier Autor [...] "? Auf Literaturplattformen veröffentlichen viele, die meisten schaffen es noch nicht mal zum Autor, geschweige denn zum freien Autor. Wie bist Du denn nun Autor geworden?

Neben dem Schreiben und Veröffentlichen von Kurzgeschichten auf spezialisierten Seiten (Leselupe, kurzgeschichten.de ...), habe ich vor einigen Jahren begonnen, Rezensionen für Internetplattformen zu schreiben (X-Zine, Fantasyguide ...). Durch diese Arbeiten haben sich dann erste Artikel in Online-Magazinen und Fanzines ergeben (Sono, Envoyer ...), was letztlich dazu geführt hat, dass André Wiesler, der Chef-Redakteur des Rollenspiels Lodland, mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, etwas für sein Rollenspiel zu schreiben. Mit der Zeit lernte ich dann immer neue Leute in der „Szene“ kennen und damit kamen auch immer mehr Aufträge. Es war ein schleichender Prozess, in dem es mir gelang - durch ordentliches und vor allem zuverlässiges Arbeiten - mir einen Namen im Rollenspielbereich zu machen.


2. Viele unerfahrene Schriftsteller planen gleich den großen Roman. Und planen... und planen... wie kann man sich da mit Kurzgeschichten und Rollenspielpublikationen zufrieden geben? Braucht es den Roman am Ende gar nicht?

Der Roman ist ein Traum von mir. Es ist etwas, dass ich einfach schaffen will, auch um mir selbst ein Stück weit zu beweisen, dass ich es kann. Rollenspielprodukte oder auch Kurzgeschichten zu schreiben macht sehr viel Spaß, aber es ist ein bisschen, wie in der zweiten oder dritten Liga zu spielen. Da ich in der Hinsicht auch recht ehrgeizig bin, will ich natürlich in die Bundesliga. Außerdem bietet ein Roman wirklich die Möglichkeit eine richtige Geschichte zu erzählen, mit einem ausgereiften Plot und Charakteren, die im Laufe der Seiten an Tiefe gewinnen. Das hinzubekommen, ist wie ich finde, eine spannende Herausforderung.


3. Moment mal! Würdest Du Dich überhaupt als Schriftsteller bezeichnen und wenn ja/nein was ist ein Schriftsteller überhaupt?

Ich tue mich recht schwer damit, mich als Schriftsteller zu bezeichnen. Ich bin Autor, oder auch Schreiberling. Der Begriff Schriftsteller passt einfach besser zu Leuten wie Grass oder Patrik Süskind, die mit Ihrer Schreiberei eine besondere Message transportieren. Ich will nur unterhaltsame Geschichten schreiben, nicht mehr, aber auch nicht weniger.


4. Um gut/besser schreiben zu können sollte man...

An sich arbeiten und niemals verzweifeln. Schreiben ist ein Handwerk, bei dem man mit jedem Satz und jeder Seite an Erfahrung gewinnt und besser wird. Ich finde es immer recht wichtig, dass man die Geschichte im Auge behält, die man erzählen will. Denn letztlich sind gerade wir Phantastik-Autoren da, um die Leute für die Zeit des Lesens in einer fremden Welt gut zu unterhalten. Das geht aber nur, wenn eine spannende Geschichte im Mittelpunkt steht.


5. Was sind Deine schriftstellerischen Ziele?

Ich habe mir angewohnt, immer einen Schritt nach dem anderen zu machen. Das bedeutet, dass mein nächstes Ziel das Schreiben eines Exposés und Leseprobe ist. Natürlich träume ich davon irgendwann von der Schreiberei leben zu können. Mir ist aber bewusst, dass die Chancen nicht allzu gut stehen. Dafür braucht man neben Talent einfach auch viel Glück und noch mehr Geduld.


6. Was haben Deine Texte, was andere nicht haben?

Es ist immer schwierig sich und seine Werke selber zu bewerten. Diese Frage können meine Leser besser beantworten.


7. Ist Schreiben nicht Zeitverschwendung und nur was für Leute, die mit dem wirklichen Leben nicht klarkommen?

Ich kenne inzwischen einige Autoren und bei den meisten habe ich nicht das Gefühl, dass sie mit der wirklichen Welt nicht klar kämen. (Lacht)

Klar, es gibt auch viele Menschen, die schreiben, um etwas zu bewältigen oder sich etwas von der Seele zu schreiben. Das ist ja auch eine ansprechende Art mit seinen Problemen umzugehen. Wenn man dann irgendwann lernt zu schreiben, um Geschichten zu erzählen und Leute zu unterhalten, hat man die nächsten „Stufe“ des Schreibens erreicht.

8. Hast Du eine besondere Art zu schreiben?

Da ich tagsüber einen regulären Brotjob habe, schreibe ich erst ab 20:00 Uhr Abends. Ich versuche dann mit Musik die Stimmung der Szene zu unterstützen und schreibe wild drauf los. Ich habe zwar eine grobe Richtung im Kopf, wie sich eine Szene entwickelt, die Details entstehen aber dann während des Schreibprozesses.


9. Was sind Bücher zeitgenössischer Schriftsteller, die man gelesen haben muss?

Chuck Palahniuk, T.C. Boyle, Neil Gaiman, John Irving und natürlich Stephen King.


10. Deine Top 3 der wichtigsten Bücher, die jemals geschrieben wurden?

Ich kann nicht sagen, ob diese Bücher wichtig sind, aber es sind Bücher, die mich auf jeden Fall stark geprägt haben:
Fight Club von Chuck Palahniuk.
American Gods von Neil Gaiman.
Es von Stephen King.



David wird vertreten durch die Agentur Schmidt & Abrahams.

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