01.12.2008

Stephan R. Bellem [Interview]


In den letzten Tagen habe ich versucht herauszubekommen, was dran ist an dem Gerücht, dass bestimmte große Verlage einen Aufnahmestopp für Manuskripte haben. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es bei den Großen so was gibt, wenn ich es nicht von mehreren Quellen, die ich für zuverlässig halte, gehört hätte.

Auf Nachfrage hab ich natürlich bestätigt bekommen, dass es nur ein GERÜCHT ist, aber eine Erklärung, wo es hergekommen ist, habe ich nicht.
Entschuldigt, werte Leser, dieser unwürdige Schreiber hier wird gleich nachher durch Sepuku oder das Verspeisen eines Nutellabrotes seine zerstörte Ehre wieder herstellen...

Bei den kleinen Verlagen gibt es das allerdings sehr wohl, wobei wir beim Thema sind: Dem Otherworld-Verlag bzw. einem seiner Autoren, Stephan R. Bellem. Stephan ist der Verfasser von "Die Chroniken des Paladin", von denen bisher Band 1 und Band 2 erschienen sind.

Leseproben gibt es auf Stephans Seite.

Er war so freundlich sich meinen neugierigen Fragen zu stellen und es lohnt sich seine Antworten zu lesen. Die Links im Text wurden von mir hinzugefügt.




Vom DSA-Spielleiter zum Schriftsteller ist kein großer Schritt. Vom Schriftsteller zum veröffentlichten Schriftsteller hingegen schon. Wann wurde Dir klar, dass Du Dir einen Verlag suchen willst/musst und wie lange hat die Verlagssuche gedauert?

Puh, das weiß ich gar nicht mehr genau. Geschichtlich überliefert ist, dass ich mit ca. 16/17 anfing mir die Welt der Chroniken auszudenken. Nach dem Abitur habe ich dann begonnen zu schreiben. Das kam ganz natürlich. Und auch der Wunsch veröffentlicht zu werden kam recht früh. Mit 13 habe ich bereits einmal begonnen eine Geschichte zu schreiben, aber schnell aufgegeben. Als dann mit 19 klar wurde, dass ich es durchziehe, da wusste ich auch sofort, dass ich nicht bloß für mich schreiben will. Zumindest nicht auf lange Sicht.

Man darf das nicht falsch verstehen. Schriftsteller sind immer ein Stück weit Idealisten, aber ein Buch zu schreiben ist verdammt viel Arbeit. Tharador schrieb ich ja noch ohne Vertrag - und es dauerte zwei Jahre, bis zur Fertigstellung. In dem Tempo würde ich vermutlich hobbymäßig weiterschreiben. Aber ein bis zwei Bücher pro Jahr ist eine ganz andere Hausnummer. Das ist dann einfach kein bloßes Hobby mehr.

Die Verlagssuche erwies sich als zunächst ernüchternd und dann wieder sehr angenehm. Meinen ersten Versuch machte ich im Jahr 2004 und der scheiterte grandios. Zwei Anfragen, zweimal den haargenau selben Formbrief als Absage. Dann machte ich einen unglaublich riesigen Anfängerfehler: Ich brachte mein Buch als Print on Demand heraus. Riesen Fehler. Heute kann ich von Glück reden, dass mir dieser eine Fehler nicht die komplette schrifstellerische Zukunft verbaute. Man kommt da nämlich leicht in eine Schublade, aus der es keinen Ausweg mehr gibt.
Aber egal. Das Buch war auf dem Markt, ich erstmal fröhlich, aber schnell ernüchtert. Und dann begann ich den Roman groß zu überarbeiten, umzuschreiben, neu zu schreiben... 2006 fand ich dann Otherworld und es klappte. Der Rest ist Geschichte.



Was würdest Du bei der Suche nach einem Verlag auf keinen Fall mehr tun? Was würdest Du unerfahrenen Schriftstellern empfehlen?

Da verweise ich wieder auf Frage 1. Und lass es mich ganz deutlich sagen: Wenn man wirklich das Ziel hat ein veröffentlichter Schreiber zu werden UND dafür Geld zu bekommen UND das zu seinem Beruf machen will, dann darf man NUR und ausschließlich auf Verleger bauen, die kein Geld von ihren Autoren wollen. Egal in welcher Form. Und wenn das erste Buch von 30 Verlagen abgelehnt wird, dann wirft man es weg, so weh das tut (ich musste das bisher zum Glück noch nicht erfahren) und schreibt ein neues. Anders geht es nicht.
Macht euch schlau, informiert euch im Netz. Es gibt genug seriöse Plattformen, auf denen angehenden Schriftstellern gerne geholfen wird. Arbeitet hart an eurem Handwerk. Aber lasst euch nicht entmutigen. Es gibt im Beruf des Schriftstellers keinen einfachen Weg zum Erfolg.



Wie kam der Kontakt zum Otherworld-Verlag zu Stande?

Per Email. Ich sah die Verlagsseite. Damals suchte man noch Autoren. ich schrieb Michael Krug an und legte ihm mein Projekt dar. Und dann passte zum Glück alles zusammen.



Was hat sich durch den Verlagsvertrag an Deiner Art zu schreiben geändert?

Ich schreibe viel mehr und schneller. je mehr ich schreibe, desto schneller werde ich dabei, auch was die Ausarbeitung von Plots und Szenen betrifft. Man findet den eigenen Stil, findet sich schnell in den Geschichten zurecht usw. Heute brauche ich ca. 6 Monate für ein Buch von 400 Seiten. Das ist in Ordnung, aber es geht noch mehr. Es hängt immer von der Zeit ab, die ich habe. Aber mittlerweile schreibe ich wirklich jeden Tag mindestens eine Stunde. Davor liegt dann ca. eine Stunde Planung, die aber auch über die aktuelle Szene hinausgeht.
Aber alles ganz unspektakulär. Jetzt im Winter steht da häufig mal ein warmer oder auch kalter Kakao, im Hintergrund läuft Musik oder auch nicht, je nach Stimmung.



(Wie) vermarktest Du Dich selbst? Oder macht das Dein Verlag für Dich?

Vermarktung ist gerade bei kleinen Verlagen auch immer ein Stück weit in der Verantwortung des Autors. Aber auch Autoren großer Verlage betreiben reges Selfmarketing. Ich bin in Foren aktiv, halte Lesungen und pflege gerne die Kontakte, die ich habe. Man muss auch offen sein. Ich bilde mir ein, dass meine Art mir den ein oder anderen Leser mehr beschert hat, als wenn ich nur heimlich in meinem Kämmerchen vor mich hin tippen würde.



Welche langfristigen Ziele hast Du für Dein Schreiben?

Natürlich meinen Lebensunterhalt komplett davon zu bestreiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und ich möchte immer sagen können, dass mein neustes Buch auch mein bestes ist *g*



Warum schreibst Du?

Es macht mir einfach Spaß. Es fing als Hobby an und wuchs sich zu einer Passion aus. Aber wie bereits gesagt, würde ich nicht veröffentlicht, dann würde ich mir mehr Zeit für andere Dinge nehmen.



Warum schreibst Du ausgerechnet Fantasy? Gibt es da nicht schon viel zu viele Bücher?

Das kommt natürlich darauf an, wie man Fantasy nun definiert. In der Fantasy sind ja mal zunächst alle Gattungen möglich: Krimi, Thriller, Action, Drama usw.
Fantasy ist nur der Überbau. Und der gefällt mir einfach ungemein gut. Zu viele Bücher gibt es entweder niemals oder schon lange. Eigentlich sind alle Ideen schon längst irgendwann mal irgendwie verarbeitet worden, dennoch erscheinen jährlich zig Tausend neue Bücher.
Also, warum hören wir nicht einfach auf und lesen alle immer nur die Klassiker von damals? Weil wir Abwechslung wollen und auch bekommen sollen. Und da kann es niemals zu viele Bücher geben.



Was zeichnet Dein Schreiben aus?

Ich glaube, dass sich meine Bücher lesen, wie ein Actionfilm. ich lege sehr großen Wert auf die Ausgestaltung der handfesteren Szenen und das spricht viele Leute an. Und mich selbst auch, sonst würde ich es nicht (momentan) so machen. Wer zwischen den Zeilen liest, der erkennt auch die leisen Töne meiner Geschichten, muss man aber nicht. Man kann meine Bücher lesen, sich quasi von der Spannung mitreißen lassen oder man geht beim Lesen mehr in die Tiefe. Aber das wäre nur meine Vermutung. Die Frage stellt man besser Kritikern und Lesern.



Wer gute/bessere Bücher schreiben will, sollte...

Nicht aufhören. Weiterschreiben und vor allem viel lesen. Lest viel und Verschiedenes. Wer immer den gleichen Autor liest, der endet irgendwann als Kopist von dessen Stil. Lest unterschiedliche Texte, Genres und ihr werdet ein viel besseres Gespühr für euren eigenen Stil bekommen.



Hast Du eine bestimmte Schreibmethode?

Ich schreibe momentan einfach in Word. Eine große Datei für den Text, eine andere als Personenverzeichnis. Ich teste gerade ein wenig Papyrus Autor, habe aber kaum die Zeit mich da einzuarbeiten. Also vorerst bleibt es bei Word. Die Uhrzeit ist mir dabei egal, ich schreibe, wenn ich Zeit habe. Das ist das einzige Kriterium. Wenn ich weiß, dass ich in 30 Minuten weg muss, dann lohnt sich ein Anfangen nur noch bedingt.



Wer sind Deine Leser?

Einige kenne ich, die Mehrzahl aber nicht. Ich vermute einfach mal, dass es sich dabei um Menschen handelt, die gerne über Heldenmut und Freundschaft lesen, über fiese Fieslinge und handfeste Schlachten.
Die Altersgrenze würde ich bei 14-16 und älter ansetzen. Also in dem Alter begann ich diese Art Literatur zu lesen und es hat mir nicht geschadet, aber für jüngere Menschen sind die Darstellungen dann doch zu detailliert.



Definiertst Du Dich über das Schreiben, oder ist es nur ein Hobby unter vielen?

Ich definiere mich über so unendlich viele Dinge, dass Schreiben - obwohl es mein Beruf ist - nur einen kleinen Teil meiner Gesamtperson ausmacht.



Welche Werke zeitgenössischer Schriftsteller sollte man lesen?

Auf jedenfall alles von Falko Löffler. Netter Kollege und leider schon auf dem Weg zur 40 *g* Lest seine Sachen, solange er noch warm ist. (Alle Mitdreißiger mögen mir diesen Scherz bitte verzeihen.)



Die wichtigsten 3 Bücher, die je geschrieben wurden sind für Dich...

Tharador, Das Amulett und Das Buch Karand. In dieser Reihenfolge ;)



Was sind für Dich absolute Tabus in Fantasy-Romanen?

Alles, was der Gesetzgeber nicht verbietet, kann man auch verarbeiten, finde ich. Ob das jemanden interessiert, ist eine andere Geschichte.

Was ich so lese