26.11.2008

Sachen, die ihr einfach nicht falsch machen könnt 4: Packt noch was drauf



Terry Goodkind will zwar auch nicht auf einen Drachen verzichten, um "Wizards First Rule" ein wenig aufzumotzen, aber was mich an seinen Geschichten viel mehr beeindruckt ist, dass er Handlungselemente, die auch ohne viel Aufwand abgefertigt werden könnten, mit dem gewissen Etwas ausstattet.

Ein Beispiel: Auch bei ihm gibt es gut ausgebildete Mörder, die hinter dem Helden und seiner Freundin her sind. Aber sie sind nicht nur ihrgendwelche fiesen Typen, sie sind ein Typus.
Die Freundin des Helden hat die Fähigkeit sich einen Mann durch eine einfache Berührung völlig gefügig zu machen.
Deshalb braucht man, um sie zu töten ein Quad, eine Einheit aus vier Männern, die darauf vorbereitet worden sind, dass einer von ihnen sich gegen sie wendet und die verbliebenen drei erst mal diesen einen umbringen müssen, um an ihr eigentliches Opfer heranzukommen.

Boa... da entstehen Bilder im Kopf ohne viel beschreiben zu brauchen. Was müssen das für Kerle sein, die wissen, dass sie irgendwann gegeneinander kämpfen werden? Wie werden sie ausgebildet? Wo kommen sie her?

Goodkind lässt seine Leser genüsslich am Haken baumeln und er hat in seinen Büchern eine Menge von diesen Haken.

Er ist zudem so gut, dass er sich nicht selber verzettelt, was gar nicht so leicht ist. Aber ein oder zwei von diesen Einfällen genügen, um mehr aus einer Fantasy-Geschichte zu machen. Nehmt einen Standard, den keiner mehr groß beachtet und macht etwas Besonderes daraus. Am einfachsten indem ihr es verallgemeinert. Der helfende Wanderer, der zufälligerweise einen Heiltrank dabei hat oder den richtigen Weg weist, könnte einem Orden angehören, der herumzieht um den Leuten zu helfen. Das Pferd des Helden könnte mehr sein als nur ein Pferd und die Stadtwache könnte ihr eigenes Geheimnis haben.

Das soll so viel bedeuten wie: Größe zeigt sich nicht unbedingt an einem Plot, der die Welt aus den Angeln hebt. Nur weil es Tolkien im Herrn der Ringe so gemacht hat, heißt das nicht, dass George R. R. Martin mit "Das verschworene Schwert" daneben gehauen hat. Im Gegenteil. Die Geschichte spielt in der absoluten Provinz und die Figuren entbehren jeglichen Glanzes, aber die Magie des Erzählens ist dennoch da, weil die Figuren selbst von den großen Ereignissen erzählen (und natürlich weil Martin beneidenswert gut schreibt).

Seid euch also weder zu schade noch eins draufzusetzen noch die Ansprüche runterzuschrauben.

Was ich so lese