19.09.2008

Utopien und Topien

Urville

Seid ihr schon mal in Urville gewesen? Ich wette dagegen, obwohl ihr noch nicht einmal aus eurem Stuhl aufstehen müsstet, um die Stadt zu besuchen.

Urville liegt in Frankreich, hat über 20 Millionen Einwohner aber nur zwei ständige Bewohner: Ihren Schöpfer Gilles Trehin und seine Partnerin Catherine Mouet.

Gilles ist Autist und baut seit Jahren an der Stadt, indem er Pläne von ihr zeichnet und ihre Geschichte beschreibt. Das ist ein wenig so wie bei Tolkien und seinem Mittelerde mit dem Unterschied, dass bei Tolkien nie Autismus diagnostiziert wurde.

Auf http://urvillecity.free.fr/ kann man einen Spaziergang durch die Stadt machen und sich die Sehenswürdigkeiten ansehen.


Arcosanti

Eine andere Stadt, die es einen Schritt weiter geschafft hat, ist Arcosanti. Sie wurde von Paolo Soleri entworfen, der das Konzept der Arcologie entwickelte. Sein Ziel war es, für Lebensraum möglichst wenig Ressourcen zu beanspruchen. Idealerweise wäre eine Stadt so konstruiert, dass sie autark ist und entweder unter der Erde/dem Wasser liegt, auf Stützpfeilern steht, oder sogar im All schwebt.

So weit ist er nur auf dem Papier gekommen, aber an Arcosanti in der Wüste von Arizona wird langsam aber stetig gebaut, um in der Zukunft bis zu 5000 Bewohner versorgen zu können.



Guédelon

Anfangs vom Französischen Staat und der EU gefördert und nun als selbsttragendes Projekt hat sich Michel Guyot, der schon zuvor viele Schlösser und Burgen restauriert hat, das Ziel gesetzt allein Techniken des 13. Jahrhunderts anzuwenden um eine Burg zu errichten.

Knapp 200 km südlich von Paris entsteht nun als gelebte Archäologie eine Wehranlage, die jedes Jahr von ca. 240.000 Neugierigen besucht wird. Die Konturen der Burg sind schon gut zu erkennen, aber es wird noch ein paar Jahre dauern, bis sie endgültig fertiggestellt ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gu%C3%A9delon




Portmeirion

Eine bereits fertige Stadt hingegen ist Portmeirion. Sie hat einen Hafen, eine Plaza, den typischen Flair eines Touristendorfes am Mittelmeer und liegt - in Nordwales.

Um 1925 herum dachte sich Sir Bertram Clough Williams-Ellis, dass man aus dem Mikroklima der Bucht doch was machen könnte und sammelte kurzerhand Material von Abbruchhäusern ein. Er begann ein geschickt durchdachtes Ensemble aus Farben und Formen, Licht und Schatten aufzubauen. Heute ist das Ganze ein Hotel



Atlantropa

Eine ganze Ecke größer hätte es gerne Herman Sörgel gehabt, der ab 1928 "Atlantropa" plante, ein gigantisches Projekt, das die Straße von Gibraltar mit einem Staudamm verschließen und das Mittelmeer in zwei Stufen um 100 bzw. 200 Meter absenken sollte. Sörgels Ziel war es ganz Europa mit Strom zu versorgen und eine durchgehende Zugverbindung von Nordeuropa bis nach Kapstadt zu schaffen.
Mit der Verbreitung waren seine ehrgeizigen Pläne aber dann endgültig vom Tisch.
Das Deutsche Museum beherbergt das Archiv des Atantropa-Instituts.

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