25.04.2008

Relative Ruhe

Dass ich gerade mal seltener blogge ist hoffentlich die Ruhe vor dem Sturm. Oder wenigstens die Ruhe vor dem Ablegen. Aber zumindest die Ruhe vor Amerang.

Aber eines nach dem anderen.

Pünktlich vor dem Post-Streik (streikt die Post überhaupt? 'tschuldigung, aber ich hab da echt keinen Unterschied bemerkt...) hab ich das neue Manuskript von Ze do Rock zum Probelesen bekommen. Ein dicker Wälzer im Stil eines Wörterbuchs / einer Essaysammlung, der beneidenswert gelehrt und erfahren geschrieben ist, aber einiges an Kürzung verträgt, um richtig durchschlagend zu werden.

Das Ganze dreht sich offiziell um Raucher und solche die es werden wollen, aber das ist nur eine Entschuldigung dass Ze über seine Lieblingsthemen herzieht: Sprachen, Vorurteile, Bürokratie, Mentalitäten in Allgemeinen und deutsche bzw. brasilianische Mentalitäten im Besonderen.

Das Schöne daran ist, dass Ze do Rock (ja, er heißt wirklich so) auf eine unverwechselbare Art und Weise mit der Sprache spielt, die zeigt, dass er sich in nicht nur einer Sprache wohl fühlt wie ein Fisch im Wasser, sondern in vielen. Schreibt er zum Beispiel über die USA, dann wimmeln seine Sätze nur so vor Anglizismen, englischer Graphematik und Grammatik - und man versteht es trotzdem noch (zumindest meistens). Und als ein Mensch, der beinahe alle Länder dieser Erde bereist hat, kann er natürlich nicht nur über die USA aus dem Nähkästchen plaudern...

Und selbst wenn er über Deutschland schreibt hat er seine eigene Sprache: ultradoitsh, eine vereinfachte und logischer gemachte Variante der Sprache, mit der wir uns seit der Grundschule rumärgern.

So wird das Buch nie langweilig. Es ist manchmal nicht ganz einfach zu lesen, aber gerade das finde ich gut.

Es wird noch eine Weile dauern, bis das Buch erscheinen wird, aber ich halte Euch auf dem Laufenden.

Apropros auf dem Laufenden: Von Norman Spinrads Vampirfilm "VampireJunkies", der seit Anfang dieses Jahres in Berlin gedreht werden sollte, hört und sieht man nichts neues. Wahrscheinlich haben sich einfach zu wenig Sponsoren für das Projekt gefunden...

Punkt 2:
Heute abend werde ich mich auf den Weg nach Amerang machen. Amerang ist eine kleine Stadt JWD (berlinerisch: Janz weit draußen) im Südosten Deutschlands, besitzt ein paar versteckte Schmuckstücke der Architektur und ist regelmäßig Treffpunkt für den großen Lehrgang der Modernen Schwertkunst.

Ich bin vor einiger Zeit auf die Sportart gestoßen, nachdem für mich Schluss war mit Studieren und Hochschulsport-Capoeira und ich mir was neues suchen wollte. Zugegebenermaßen war ich anfangs ein wenig skeptisch. Macht es Sinn mittelalterliche Kampftechniken mit dem 1 1/2-Händer mit asiatischen Elementen zu verbinden?
Ich bin davon ausgegangen, dass es per se besser ist der reinen Lehre zu folgen und das nachzumachen, was in den Fechtbüchern aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit vorgemacht wird, als ost und west, alt und neu zusammenzubringen. Aber das hieße mehrere Jahrhunderte an Erfahrung und Entwicklung zu ignorieren.
In Europa hat der Kampf mit dem "klassischen" Ritterschwert den Platz zu Gunsten von Florett, Degen und Co. frei gemacht und wenn man nicht wieder beim Stand von vor einigen hundert Jahren anfangen will (was aber durchaus ein legitimer Weg ist) bleibt eigentlich nur sich in Asien umzusehen. Oder wie viele Afrikanische Kampfsportarten gibt es? Bestimmt ein paar, aber ich weiß grad keine.
Außerdem versteht sich die Moderne Schwertkunst als Sportart wie andere ganz normale Sportarten auch und einiges was die Kerls früher so getrieben haben, um sich im Schwertkampf zu übern, ging ganz schön auf die Knochen. Aber die waren einem wahrscheinlich egal, wenn man dafür den Kopf auf den Schultern behalten konnte.

Also: Ungesunde Verrenkungen raus und asiatische Elemente rein. Man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran und ich war schon nach zwei oder drei Trainings kein Skeptiker mehr.
Hinzu kommt das relativ geringe Alter der Modernen Schwertkunst. Die Grundlagen wurden gelegt, die Moderne Schwertkunst ist eine vom Staat anerkannte Sportart und mit dem VMSB gibt es zumindest schon in einem Bundesland einen Dachverband, der regelmäßig Veranstaltungen wie Schulungen und Lehrgänge organisiert.
Aber wer was in die Sportart einbringen möchte, wird ermutigt das zu tun. Ich werde am Wochenende zum Beispiel das Aufwärmen mit Capoeira gestalten.
Was Capoeira mit Schwertkunst zu tun hat? Auf den ersten Blick gar nichts, aber wir sind offen für alles.

Wer keine Angst davor hat was altes neues auszuprobieren findet auf der Seite der Modernen Schwertkunst die Termine und Orte von Trainings und Veranstaltungen. Und ich werd nächste Woche wieder soooo einen Muskelkater haben...

So und jetzt zu meinem letzten Punkt für heute: Nach der Buchmesse in Leipzig habe ich Antwort von einem Verlag bekommen, der Interesse an einem von meinen Manuskripten hat. Und da die Mails und die Telefonstimme nett klangen und bisher noch niemand Geld von mir haben wollte, freue ich mich auf das erste Mai-Wochenende und das Gespräch von Auge zu Auge. Oder von Verleger zu hoffentlich-bald-Schriftsteller.

Egal wie's ausgeht, ich halte euch auf dem Laufenden.

Was ich so lese