23.02.2008

Peter S. Beagle

Scheint so, als hätte ich jahrelang in einem Wald gelebt, der keinen Kontakt zur Außenwelt hatte und in dem es niemals Winter wird. Und dann waren sie plötzlich alle tot, die Einhörner. Scheint so, als hätte ich meine Pflichten als Fan sträflich vernachlässigt... Aber halt! Einhörner, verschwinden manchmal, aber sie sterben nicht.

Und schau mal einer an, Peter S. Beagle, der Autor des letzten Einhorns lebt noch und ist ziemlich produktiv!

2005 hat er "Two hearts" geschrieben, eine kleine Geschichte, die als Fußnote zum letzten Einhorn gedacht ist und damit gleich sowohl einen Hugo als auch einen Nebula Award abgeräumt. Und weil das so gut geklappt hat, arbeitet er an einer Romanversion des Stoffes. Und an einer Menge anderer Sachen, wie sich seiner unoffiziellen Website entnehmen lässt.

Beagle stand einer Fortsetzung seines größten (einzigen?) Erfolges selbst immer skeptisch gegenüber, aber nach fast 40 Jahren (das letzte Einhorn ist 1968 rausgekommen) und so viel positiver Resonanz auf "Two hearts" wäre er blöd, wenn er es nicht noch einmal versuchen würde. In diesem Jahr soll die Romanversion von "Two hearts" erscheinen.

Ach ja: Es scheint kaum jemanden zu geben, der in irgend einer Weise an einer Verfilmung des Herrn der Ringe beteiligt gewesen ist und nicht irgend jemand anderen verklagt hat. Peter S. Beagle gehört auch dazu. Er hat 1978 das Script für die animierte Version von Ralph Bakshi geschrieben und dafür nur 5.000 $ Beratungshonorar bekommen, obwohl ihm der Produzent Saul Zaentz mehr versprochen hat. Der Film hatimmerhin den jungen Peter Jackson dazu gebracht Tolkien zu lesen und schließlich seinen Film zu drehen. Saul Zaentz strich dabei zweihundert Millionen Dollar ein, weil er die Filmrechte besaß und Peter S. Beagle ging leer aus.

Übliche Schlammschlacht & Dementi bitte hier einfügen...

Ähnlich erging es ihm bei der Verfilmung des letzten Einhorns. Auch davon ist er nicht reich geworden und wenn man Beagle vorwirft, dass er viel zu lange viel zu blauäugig war, dann liegt man sicher nicht falsch. Sagt sogar sein Manager. Überhaupt kann man einiges lernen, wenn man sich die Lebensgeschichte von Beagle ansieht.

Er hat mit 19 seinen ersten Roman geschrieben (A fine and private place), der allseits gelobt wurde und Appetit auf mehr machte. Darin lebt ein Mann auf einem Friedhof, spricht mit den Toten und lässt sich von einem Raben mit Essen versorgen.
Nach 5 Jahren kam schließlich das zweite Buch: I See By My Outfit: Cross-Country by Scooter, an Adventure, eine eloquente autobiographische Reisegeschichte. Wieder Lob von den Kritikern, aber auch die ersten erhobenen Augenbrauen. Wo will Beagle hin mit seinem Schreiben? Wie lässt er sich einordnen?

Das nächste Buch das drei Jahre später herauskam brachte keine Antwort. War The Last Unicorn eine Kindergeschichte? Wer sollte angesprochen werden? Die Kritiker hörten auf zu jubeln und sein Verlag Viking schreibt ihn ab.

Bei Ballantines findet er zwar in Jim Beauchamp einen glühenden Verehrer seiner werke, der den Verkauf nochmal kräftig ankurbelt, aber es dauert 18 Jahre, bis sein nächstes Buch erscheint. 18 Jahre!

Und The Folk of the Air ist wieder ganz etwas anderes als das letzte Einhorn. Fantasy: ja, Fantasywelt: nein. Dementsprechend rümpften Fantasy-Kritiker die Nase.

Dann nach weiteren 7 Jahren The Innkeeper's Song. Inzwischen ist er bei Roc, einem kleinen Verleger gelandet und kaum jemand nimmt von dem Buch Notiz.

Dann 1996 das Buch The Unicorn Sonata. Der Verlag Turner Publishing tut sein möglichstes um den Roman zu verkaufen, wird aber selber verkauft und das Buch verschwindet.

Und so geht es von Buch zu Buch weiter. Beagle erlebte immer wieder kleine Renaissancen, aber nie den großen Durchbruch. Das könnte sich bald ändern, oder wenigstens müsste es sich bald ändern...

Wenn ihr wie ich mehr von Beagle lesen und ihn unterstützen wollt, kauft seine Werke über Conlan Press. Er signiert sie auch. Was ihr noch tun könnt erfahrt ihr hier.

Und weil Peter S. Beagle einer von den Großen ist, konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und hab ihm ein paar Fragen gestellt. Die Antworten gibt es demnächst bei mir.

Was ich so lese