01.02.2008

Alatriste


O.K., ich geb zu ich hab mir den Film wegen Aragorn... äh... Viggo Mortensen gekauft und noch nie zuvor von ihm gehört. Kein Wunder, handet es sich doch um eine spanische Produktion, die das Leben eines spanischen Soldaten des 17. Jahrhunderts erzählt - und das nicht unbedingt auf teufelkommraus massentauglich.

Dem Film wurde vorgeworfen, dass er (bei fast 150 Minuten Länge) inkonsistent ist und die Handlungsstränge der Bücher, die als Vorlage benutzt wurden aneinanderstückelt, ohne dass sie wirklich Sinn ergeben, aber selbst wenn es so ist hat mich das nicht gestört. So hatte ich nämlich das Gefühl ein wirkliches Leben zu sehen, wie es im 17. Jahrhundert gewesen sein könnte.

Und was für ein Scheißleben das war...

Alatriste ist seit seinem 13. Lebensjahr Soldat. Wir lernen ihn in Flandern kennen, dieser kalten, nebelverhangenen Hölle voller Protestanden, denen die katholischen Spanier mit Guerillia-Angriffen zu Leibe rücken. Alatriste und seine Kameraden überfallen ihre Lager und schlagen Nägel in die Zündlöcher der feindlichen Kanonen um sie unbrauchbar zu machen.

Alatriste verliert dabei einen Kameraden, dem er verspricht sich um seinen Sohn zu kümmern. So wird sein Ziehsohn Íñigo de Balboa wie er Soldat.

Zurück in Madrid lernen wir mehr vom Leben Diego Alatristes kennen. Im verdeckten Auftrag von Kirche und König begeht er Meuchelmorde, überfällt Schiffe und kehrt immer wieder an die Kriegsschauplätze in Flandern und Frankreich zurück.

Während seine Geliebte eine berühmte verheiratete Schauspielerin ist, führt das Schicksal Íñigo mit einer Hofdame der Königin zusammen. Beide Beziehungen nehmen kein glückliches Ende. Als der Mann der Schauspielerin stirbt, will Alatriste sie nicht heiraten, weil er es nicht ertragen könnte sie mit den Liebhabern zu teilen, die das Schauspielleben so mit sich bringt und bevor er sich doch dazu durchringen kann ihr einen Antrag zu machen, wird der König ihr Liebhaber. Sie stirbt krank und ruhmlos in einem Syphilis-Hospiz.

Und als Íñigo seiner Hofdame anbietet nach Neapel zu fliehen, um dort ein neues Leben zu beginnen, verweigert sie ihm das, geblendet von der Möglichkeit einen Baron zu heiraten und in der Hierarchie am Hofe aufzusteigen.

Nach und nach sehen wir Alatristes Kameraden sterben - manche im Kampf, manche durch Selbstmord, manche auch von Alaristes Hand und zuletzt stirbt auch Alatriste in einem sinnlosen Kampf auf einem Schlachtfeld in Frankreich. Nur Íñigo bleibt übrig, um die Geschichte von Alatriste und der Flandern-Veteranen niederzuschreiben.

Der Film ist voller Details. Spanische Maler und spanisches Theater. Weltpolitik des 17. Jahrhunderts. Waffentechnik und Taktik.

Und er ist dreckig. Ich weiß nicht ob das 17. Jahrhundert wirklich so war, aber als Laie würde ich sagen es könnte so gewesen sein. Wenn ich an einem rummäkeln würde, dann wären es die Degen-Duelle, aber nur weil ich weiß, dass keiner einen Kniestoß auslassen würde, wenn man im Kampf auf Leben und Tod im Clinch liegt.

Für mich wirft der Film die Frage nach dem Schicksal eines Menschen auf. Kann man sein Schicksal selbst bestimmen? Wie viele Chancen bekommt man, um sein Leben zu verbessern?

Und der Film zeigt noch was: Krieg ist scheiße.


Fantasy Shirts im Elbenwald

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