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18.06.2009

Tipps für's erste Buch

Mal ehrlich: Ihr wisst doch, wie man ein Buch schreibt. Ihr braucht keine Ratgeberliteratur, keine extra Computerprogramme und keine Diagramme, die euch sagen, wann ihr wie was zu machen habt. Und wie das mit den Verlagen läuft, wisst ihr inzwischen auch.
Und das meine ich noch nicht mal ironisch.
Klar, manches ist durchaus hilfreich, aber ein Bauer, der sich zu lang auf die Aussaht vorbereitet, kommt nie zum Ernten.

Aber es gibt trotzdem ein paar Sachen, die ihr erst wisst, wenn ihr schon ein Buch geschrieben und das auch herausgebracht habt.
Hier meine Liste:

1. Schreibt mindestens ein Kapitel, das ihr auch lesen könnt.
Und ich meine vorlesen, vor einem Publikum. Eines das nichts enthält, was euch peinlich ist, oder woran ihr euch die Zunge verknotet. Ein Kapitel, das neugierig auf das Buch macht und jeden dazu bringt, es kaufen zu wollen.

2. Das gleiche gilt für eine Leseprobe. In der könnt ihr zwar andere Töne anschlagen, aber wenn ihr von vornherein im Hinterkopf behaltet, dass ihr was spannendes, halbwegs abgeschlossenes, das aber nicht zu viel verrät braucht, tut ihr euch später leichter.

3. Das Ende ist wichtig. Behandelt das Ende des Buches so wie den Anfang, denn es gibt immer Leser, die als erstes die letzten Seiten aufschlagen, um herauszufinden, wie die Geschichte ausgeht. Für die einen ist das pure Blasphemie, für die anderen ein zusätzlicher Anreitz, weil sie dann immer darüber nachgrübeln können, wie man von der Stelle im Buch, die sie gerade lesen zu so einem Ende kommt. Schaut euch Fight Club an und ihr wisst, was ich meine.

26.11.2008

Sachen, die ihr einfach nicht falsch machen könnt 4: Packt noch was drauf



Terry Goodkind will zwar auch nicht auf einen Drachen verzichten, um "Wizards First Rule" ein wenig aufzumotzen, aber was mich an seinen Geschichten viel mehr beeindruckt ist, dass er Handlungselemente, die auch ohne viel Aufwand abgefertigt werden könnten, mit dem gewissen Etwas ausstattet.

Ein Beispiel: Auch bei ihm gibt es gut ausgebildete Mörder, die hinter dem Helden und seiner Freundin her sind. Aber sie sind nicht nur ihrgendwelche fiesen Typen, sie sind ein Typus.
Die Freundin des Helden hat die Fähigkeit sich einen Mann durch eine einfache Berührung völlig gefügig zu machen.
Deshalb braucht man, um sie zu töten ein Quad, eine Einheit aus vier Männern, die darauf vorbereitet worden sind, dass einer von ihnen sich gegen sie wendet und die verbliebenen drei erst mal diesen einen umbringen müssen, um an ihr eigentliches Opfer heranzukommen.

Boa... da entstehen Bilder im Kopf ohne viel beschreiben zu brauchen. Was müssen das für Kerle sein, die wissen, dass sie irgendwann gegeneinander kämpfen werden? Wie werden sie ausgebildet? Wo kommen sie her?

Goodkind lässt seine Leser genüsslich am Haken baumeln und er hat in seinen Büchern eine Menge von diesen Haken.

Er ist zudem so gut, dass er sich nicht selber verzettelt, was gar nicht so leicht ist. Aber ein oder zwei von diesen Einfällen genügen, um mehr aus einer Fantasy-Geschichte zu machen. Nehmt einen Standard, den keiner mehr groß beachtet und macht etwas Besonderes daraus. Am einfachsten indem ihr es verallgemeinert. Der helfende Wanderer, der zufälligerweise einen Heiltrank dabei hat oder den richtigen Weg weist, könnte einem Orden angehören, der herumzieht um den Leuten zu helfen. Das Pferd des Helden könnte mehr sein als nur ein Pferd und die Stadtwache könnte ihr eigenes Geheimnis haben.

Das soll so viel bedeuten wie: Größe zeigt sich nicht unbedingt an einem Plot, der die Welt aus den Angeln hebt. Nur weil es Tolkien im Herrn der Ringe so gemacht hat, heißt das nicht, dass George R. R. Martin mit "Das verschworene Schwert" daneben gehauen hat. Im Gegenteil. Die Geschichte spielt in der absoluten Provinz und die Figuren entbehren jeglichen Glanzes, aber die Magie des Erzählens ist dennoch da, weil die Figuren selbst von den großen Ereignissen erzählen (und natürlich weil Martin beneidenswert gut schreibt).

Seid euch also weder zu schade noch eins draufzusetzen noch die Ansprüche runterzuschrauben.

27.10.2008

Der Brief

Zu meiner kleinen Einführung in die Schriftstellerei ist mir noch ein Nachgedanke gekommen.

Eine der anspruchsvollsten und gleichzeitig am meisten unterbewerteten Formen des Schreibens ist der Brief bzw. die Email.

Nein, ich fange jetzt nicht von den "Leiden des jungen Werther" an oder all den anderen Briefromanen, die es gibt.

Ich meine den guten alten Brief. Briefe beinhalten so ziemlich alles, was man auch bei Schreiben von Romanen berücksichtigen sollte:

1. Sie haben einen Absender. Das bedeutet, der Leser hat eine gewisse Erwartung an den Inhalt. Jeder weiß, was ein Brief vom Finanzamt oder ein Roman von Stephen King enthält.

2. Sie haben eine äußere Form. Großformatige Briefe von Verlagen sagen schon ohne dass man sie geöffnet hat: "Danke, nein."

3. Sie haben eine innere Form. Beim Brief noch stärker durch Konventionen vorgegeben, als woanders. Macht euch diese Konventionen zu nutze, um sie zu durchbrechen, oder mit ihnen zu spielen.

4. Sie haben einen Empfänger. Bei Einem Brief ganz selbstverständlich, bei Romanen und Co. allzu leicht vergessen. Etwas zu schreiben wird leichter, wenn man weiß, für wen man es schreibt.

Also: Setzt euch ruhig mal wieder hin und schreibt einen Brief. Und selbst wenn nicht: Vergesst die große Kunst des Briefeschreibens nicht völlig, sie ist in mehr als einer Beziehung ein fruchtbringendes Handwerk.

02.10.2008

How to write

Wenn ihr schreiben lernen wollt, des Englischen mächtig seid und nichts dagegen habt am Bildschirm zu lesen, dann solltet ihr ein paar Blicke auf die Seite des Guardian über das Schreiben werfen. Von Kinderliteratur über humoristisches Schreiben bis zu der Frage warum man überhaupt schreiben sollte ist für jeden was dabei.

02.06.2008

Ich gehe nach Amerika! [Schamlose Übertreibungen]

Vor einigen Zeit hat John von PoeWar einen Wettbewerb gestartet, weil er in den Urlaub fährt, sein Seelentier trifft, Gedichte schreibt und Karten spielt (und vieles mehr).

Damit in der Zeit sein Blog über professionelles Schreiben nicht verwaist, füllen Gast-Blogger die Lücke und der Text, der die beste Reaktion (viele Klicks, viele Kommentare) bekommt, wird mit 250 $ prämiert.

Und mein Artikel "A newbie's advice" (Rat eines Neulings) ist mit am Start!

Ab 20. Juni könnt ihr ihn auf PoeWar lesen. Und weil ich natürlich scharf auf das Geld bin, werdet ihr hiermit verdonnert euer Englisch aufzufrischen und am 20. (das ist ein Freitag) meinen Artikel zu lesen.

Wer sonst noch mit von der Partie ist seht ihr hier.

Coole Idee, vielleicht mach ich auch mal so was. Nicht unbedingt für 250 $, aber mir fällt schon was ein...

Interesse?

13.05.2008

Zum Parnassus!

Jacky von schriftsteller-werden hat einen kleinen Wettbewerb gestartet. Alles was man tun muss ist mit mehr als 500 Worten das beste Buch über das Schreiben vorzustellen. Da konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten ziemlich hart an einer Themaverfehlung vorbeizuschrammen und meinen Senf dazuzugeben:

Nicht weit entfernt von meinem Schreibtisch hängt in der Pinakothek der Moderne eine der drei Fassungen von Carl Spitzwegs „Der arme Poet“. Das Bild zeigt einen griesgrämig dreinblickenden Dichter in seiner ärmlichen winterlichen Dachstube, über ihm ein Regenschirm, der auch schon mal bessere Tage gesehen hat. Im Ofen liegen die verkohlten Reste eines Manuskripts, davor zwei weitere Stapel mit gesammelten Werken, die nur als Befeuerungsmaterial taugen.

Jeder kennt dieses Bild, angehende Schriftsteller kennen es besonders gut und fühlen sich davon vielleicht auch auf einer tieferen Ebene angesprochen und verstanden:

Was ist die grausame Welt doch hart und kalt zu einem empfindsamen Herz, das nichts anderes will als dem Ruf der Musen hinauf zum Parnass zu folgen (und dabei reich und berühmt zu werden)! Das hat auch Spitzweg zu spüren bekommen, dem sein „armer Poet“ von der Kritik so niedergemacht worden ist, dass er von da an nichts mehr mit seinem Namen, sondern nur noch mit Monogramm unterschrieben hat. Heute ist es angeblich eines der beliebtesten Bilder der Deutschen.

Aber Spitzweg wäre nicht Spitzweg, wenn er einfach nur ein nettes Genrebild gemalt hätte. Gut, einen Da-Vinci-Code könnte man wahrscheinlich nicht darüber schreiben, aber es hatte schon seinen Grund, warum keiner das Bild mochte: Es machte sich mit einigen versteckten Hinweisen über das ordentliche Schreiberhandwerk und damit über die Kunst an sich lustig! Skandal!

An der Wand über dem Bett ist das Versmaß des Hexameters angezeichnet und vor der Matratze liegen einige dicke Wälzer, bei denen es sich wahrscheinlich um Literatur über das richtige Dichten handelt. Der Titel „Gradus ad Parnassum“ deutet das zumindest an. Der Parnass galt als Sitz der Musen und lateinische oder gar griechische Verse galten als Gipfel der Kunst. Und auf dem Gipfel ist der arme Poet tatsächlich angekommen. In einer Dachkammer über dem Rest der Welt, ganz vertieft in seine Gedanken – und das Ungeziefer, das er gerade mit seiner rechten Hand gefangen hat.

Ich halte nicht viel von Büchern, die mich zum Parnass führen wollen, genauso wie ich nicht viel von Kritikern halte, die mir sagen wollen, welcher der vielen Gipfel der echte Parnass ist. Ich halte viel von Kritikern, die in vielen Bergen den Parnass sehen können und wissen von welchen aus man den schönsten Blick auf kleinere Gipfel hat.

Gegen Schreibratgeber ist grundsätzlich nichts einzuwenden – ein wenig Handwerkszeug kann man immer brauchen – aber das Handwerkszeug zu vermitteln verträgt sich meist nicht so gut damit die Sehnsucht nach dem Wort zu wecken, frei nach dem Spruch dass wenn man mit jemandem ein Boot bauen will nicht viel erzählen soll von Rumpf, Leinen und Segeln, sondern es besser ist in ihm die Sehnsucht nach dem Meer zu wecken.

Und das hat bei mir bisher noch kein Schreibratgeber geschafft. Aber ein Leseratgeber. Noch dazu einer für Comics.

Comics richtig lesen von Scott McCloud war eine Offenbarung für mich. Es hat mir nicht nur gezeigt, wo Comics hergekommen sind, wie sie funktionieren und wo sie vielleicht hingehen, das Buch hat mir en passant auch noch einen Einblick in die Möglichkeiten des Erzählens gegeben. Und mir gezeigt dass die Möglichkeiten des Erzählens zu einem großen Teil davon bestimmt werden, was wir für valide Techniken halten und was nicht.

Chinesische Mönche schauten sich ihre Kung-Fu-Techniken von Tieren ab, es spricht also nichts dagegen Dir Deine Schreibe von Comics, Kochbüchern oder meinetwegen auch von Schachspielern abzuschauen, wenn Du das gut findest.

Aber man sollte vorsichtig bei der Auswahl seiner Lehrer sein, egal ob lebendig, oder in Buchform und möglichst viel selbst ausprobieren, um zu sehen was funktioniert und was nicht. Das fängt bei diesem Text hier an. Erst wenn Du Deinen eigenen Artikel über Schreibratgeber geschrieben hast, wirst Du wirklich mehr darüber wissen.

17.10.2007

Alan Dean Foster

Und wenn wir schon bei Alan Dean Foster sind: Ich hab den Mann gefragt, ob er mir (und euch) einen Tipp für's Schreiben geben kann. Hier seine Antwort:

Read as much as you can of whatever genre you wish to write in, be it fiction or non-fiction. Nothing is worse than spending a year on a novel only to find out that the same central idea appeared in a story by, say, Ralph Milne Farley in Weird Tales in 1937. Learn proper manuscript format (it's easy). Always back-up everything, every day, to at least two different sources, and keep one in a separate location from your study/office/kitchen table. Write what you enjoy writing...which means what you enjoy reading.
And...good luck.
Alan F


Uh... da spricht jemand aus Erfahrung. Alan Dean Foster hat ungefähr 1000 Bücher geschrieben, unter anderem war er der Ghost-writer für das erste Star-Wars-Buch, hat an den Drehbüchern der Alien-Filme gearbeitet und ist sowohl auf dem Gebiet SciFi als auch Fantasy bewandert. Außerdem hat er eine nett anzusehende Internetseite mit vielen schönen Bildern von überall auf der Welt.

Also: Viel lesen, viel schreiben und die Sicherungskopien nicht vergessen!

30.07.2007

Schreibregel

George Orwell (Animal Farm, 1984, zahlreiche Essays) hat in seinem Essay "Politics and the English Language" ein paar Hinweise zum Schreiben eines Textes aufgeschrieben:

(i) Never use a metaphor, simile, or other figure of speech which you are used to seeing in print.

1. Benutze nie eine Metapher, einen Vergleich oder eine Redewendung, die Du gewohnt bist in den Medien zu sehen.


(ii) Never us a long word where a short one will do.

2. Benutze nie ein langes Wort, wenn es ein kurzes auch tut.


(iii) If it is possible to cut a word out, always cut it out.

3. Wenn es möglich ist ein Wort zu streichen, streiche es.


(iv) Never use the passive where you can use the active.

4. Benutz nie Passiv, wenn Aktiv auch geht.


(v) Never use a foreign phrase, a scientific word, or a jargon word if you can think of an everyday English equivalent.

5. Benutz nie ein Fremdwort, einen Spezialausdruck oder Jargon, wenn es auch ein einfaches Wort dafür gibt.


(vi) Break any of these rules sooner than say anything outright barbarous.

6. Bevor du dich verbiegen musst, brich die oben genannten Regeln.

Kein Kommentar notwendig, aber um euch diese Lektion zu versüßen eine kleine Anekdote, von einem Freund von mir, (seines Zeichens Germanist) der auf einer Tagung war, auf der unter anderem über mittelhochdeutsche Texte und Computer diskutiert wurde. Ein anwesender IT-Spezialist meinte nach der Diskussion, dass Germanisten sich den Kopf nicht über Computerprobleme zerbrechen sollten, schließlich hätten sie von dem System keine Ahnung, weil sie es nicht studiert haben. Die Antwort darauf war: Dann dürften IT-Spezialisten auch nicht mehr sprechen, schließlich hätten sie das System Sprache nicht studiert.
Touche!

Was ich so lese