Posts mit dem Label Schreiben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schreiben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

10.01.2009

Mitsubishi Uni Bleistifthalter




From Auf dem Weg zum Schriftsteller

08.12.2008

David Grashoff [Interview]

Sagen euch Ian Livinstone und Steve Jackson was? Der einsame Wolf, klingelt es da? Wenn nicht, dann habt ihr in den 80'ern eindeutig zu viel Zeit damit verbracht hinter das Geheimnis von Clandestino zu kommen.

Als ich über das neueste Projekt von David Grashoff gestolpert bin, musste ich an die gute alte Zeit der Abenteuerspielbücher denken, denn in "Wanted Man" habt ihr die Macht über den Fortlauf der Handlung. (Übrigens hat auch Berd Perplies vor kurzem ein Abenteuerspielbuch gemacht.)

Ich möchte euch deshalb heute einen Schriftsteller vorstellen, der sich bescheiden als "Schreiberling" bezeichnet, einen Ruhrpott-Urban-Fantasy-Road-Movie-Roman in der Mache hat und neben "Wanted Man" seit 2003 auch einiges andere auf die Beine gestellt, was sehenswert ist.

Schaut euch auf seiner Seite um und lasst euch dort nicht von den Zombies beißen!

Aber genug meiner salbungsvollen Worte, lassen wir den Mann selbst zu Wort kommen. Links und Hervorhebungen kommen wieder von mir.


1. Was heißt "Durch die Möglichkeit auf verschiedenen Literaturplattformen im Internet seine Texte präsentieren zu können, wurde aus gelegentlichen Schreibversuchen, ein richtiges Hobby. Inzwischen arbeite ich als freier Autor [...] "? Auf Literaturplattformen veröffentlichen viele, die meisten schaffen es noch nicht mal zum Autor, geschweige denn zum freien Autor. Wie bist Du denn nun Autor geworden?

Neben dem Schreiben und Veröffentlichen von Kurzgeschichten auf spezialisierten Seiten (Leselupe, kurzgeschichten.de ...), habe ich vor einigen Jahren begonnen, Rezensionen für Internetplattformen zu schreiben (X-Zine, Fantasyguide ...). Durch diese Arbeiten haben sich dann erste Artikel in Online-Magazinen und Fanzines ergeben (Sono, Envoyer ...), was letztlich dazu geführt hat, dass André Wiesler, der Chef-Redakteur des Rollenspiels Lodland, mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, etwas für sein Rollenspiel zu schreiben. Mit der Zeit lernte ich dann immer neue Leute in der „Szene“ kennen und damit kamen auch immer mehr Aufträge. Es war ein schleichender Prozess, in dem es mir gelang - durch ordentliches und vor allem zuverlässiges Arbeiten - mir einen Namen im Rollenspielbereich zu machen.


2. Viele unerfahrene Schriftsteller planen gleich den großen Roman. Und planen... und planen... wie kann man sich da mit Kurzgeschichten und Rollenspielpublikationen zufrieden geben? Braucht es den Roman am Ende gar nicht?

Der Roman ist ein Traum von mir. Es ist etwas, dass ich einfach schaffen will, auch um mir selbst ein Stück weit zu beweisen, dass ich es kann. Rollenspielprodukte oder auch Kurzgeschichten zu schreiben macht sehr viel Spaß, aber es ist ein bisschen, wie in der zweiten oder dritten Liga zu spielen. Da ich in der Hinsicht auch recht ehrgeizig bin, will ich natürlich in die Bundesliga. Außerdem bietet ein Roman wirklich die Möglichkeit eine richtige Geschichte zu erzählen, mit einem ausgereiften Plot und Charakteren, die im Laufe der Seiten an Tiefe gewinnen. Das hinzubekommen, ist wie ich finde, eine spannende Herausforderung.


3. Moment mal! Würdest Du Dich überhaupt als Schriftsteller bezeichnen und wenn ja/nein was ist ein Schriftsteller überhaupt?

Ich tue mich recht schwer damit, mich als Schriftsteller zu bezeichnen. Ich bin Autor, oder auch Schreiberling. Der Begriff Schriftsteller passt einfach besser zu Leuten wie Grass oder Patrik Süskind, die mit Ihrer Schreiberei eine besondere Message transportieren. Ich will nur unterhaltsame Geschichten schreiben, nicht mehr, aber auch nicht weniger.


4. Um gut/besser schreiben zu können sollte man...

An sich arbeiten und niemals verzweifeln. Schreiben ist ein Handwerk, bei dem man mit jedem Satz und jeder Seite an Erfahrung gewinnt und besser wird. Ich finde es immer recht wichtig, dass man die Geschichte im Auge behält, die man erzählen will. Denn letztlich sind gerade wir Phantastik-Autoren da, um die Leute für die Zeit des Lesens in einer fremden Welt gut zu unterhalten. Das geht aber nur, wenn eine spannende Geschichte im Mittelpunkt steht.


5. Was sind Deine schriftstellerischen Ziele?

Ich habe mir angewohnt, immer einen Schritt nach dem anderen zu machen. Das bedeutet, dass mein nächstes Ziel das Schreiben eines Exposés und Leseprobe ist. Natürlich träume ich davon irgendwann von der Schreiberei leben zu können. Mir ist aber bewusst, dass die Chancen nicht allzu gut stehen. Dafür braucht man neben Talent einfach auch viel Glück und noch mehr Geduld.


6. Was haben Deine Texte, was andere nicht haben?

Es ist immer schwierig sich und seine Werke selber zu bewerten. Diese Frage können meine Leser besser beantworten.


7. Ist Schreiben nicht Zeitverschwendung und nur was für Leute, die mit dem wirklichen Leben nicht klarkommen?

Ich kenne inzwischen einige Autoren und bei den meisten habe ich nicht das Gefühl, dass sie mit der wirklichen Welt nicht klar kämen. (Lacht)

Klar, es gibt auch viele Menschen, die schreiben, um etwas zu bewältigen oder sich etwas von der Seele zu schreiben. Das ist ja auch eine ansprechende Art mit seinen Problemen umzugehen. Wenn man dann irgendwann lernt zu schreiben, um Geschichten zu erzählen und Leute zu unterhalten, hat man die nächsten „Stufe“ des Schreibens erreicht.

8. Hast Du eine besondere Art zu schreiben?

Da ich tagsüber einen regulären Brotjob habe, schreibe ich erst ab 20:00 Uhr Abends. Ich versuche dann mit Musik die Stimmung der Szene zu unterstützen und schreibe wild drauf los. Ich habe zwar eine grobe Richtung im Kopf, wie sich eine Szene entwickelt, die Details entstehen aber dann während des Schreibprozesses.


9. Was sind Bücher zeitgenössischer Schriftsteller, die man gelesen haben muss?

Chuck Palahniuk, T.C. Boyle, Neil Gaiman, John Irving und natürlich Stephen King.


10. Deine Top 3 der wichtigsten Bücher, die jemals geschrieben wurden?

Ich kann nicht sagen, ob diese Bücher wichtig sind, aber es sind Bücher, die mich auf jeden Fall stark geprägt haben:
Fight Club von Chuck Palahniuk.
American Gods von Neil Gaiman.
Es von Stephen King.



David wird vertreten durch die Agentur Schmidt & Abrahams.

26.11.2008

Sachen, die ihr einfach nicht falsch machen könnt 4: Packt noch was drauf



Terry Goodkind will zwar auch nicht auf einen Drachen verzichten, um "Wizards First Rule" ein wenig aufzumotzen, aber was mich an seinen Geschichten viel mehr beeindruckt ist, dass er Handlungselemente, die auch ohne viel Aufwand abgefertigt werden könnten, mit dem gewissen Etwas ausstattet.

Ein Beispiel: Auch bei ihm gibt es gut ausgebildete Mörder, die hinter dem Helden und seiner Freundin her sind. Aber sie sind nicht nur ihrgendwelche fiesen Typen, sie sind ein Typus.
Die Freundin des Helden hat die Fähigkeit sich einen Mann durch eine einfache Berührung völlig gefügig zu machen.
Deshalb braucht man, um sie zu töten ein Quad, eine Einheit aus vier Männern, die darauf vorbereitet worden sind, dass einer von ihnen sich gegen sie wendet und die verbliebenen drei erst mal diesen einen umbringen müssen, um an ihr eigentliches Opfer heranzukommen.

Boa... da entstehen Bilder im Kopf ohne viel beschreiben zu brauchen. Was müssen das für Kerle sein, die wissen, dass sie irgendwann gegeneinander kämpfen werden? Wie werden sie ausgebildet? Wo kommen sie her?

Goodkind lässt seine Leser genüsslich am Haken baumeln und er hat in seinen Büchern eine Menge von diesen Haken.

Er ist zudem so gut, dass er sich nicht selber verzettelt, was gar nicht so leicht ist. Aber ein oder zwei von diesen Einfällen genügen, um mehr aus einer Fantasy-Geschichte zu machen. Nehmt einen Standard, den keiner mehr groß beachtet und macht etwas Besonderes daraus. Am einfachsten indem ihr es verallgemeinert. Der helfende Wanderer, der zufälligerweise einen Heiltrank dabei hat oder den richtigen Weg weist, könnte einem Orden angehören, der herumzieht um den Leuten zu helfen. Das Pferd des Helden könnte mehr sein als nur ein Pferd und die Stadtwache könnte ihr eigenes Geheimnis haben.

Das soll so viel bedeuten wie: Größe zeigt sich nicht unbedingt an einem Plot, der die Welt aus den Angeln hebt. Nur weil es Tolkien im Herrn der Ringe so gemacht hat, heißt das nicht, dass George R. R. Martin mit "Das verschworene Schwert" daneben gehauen hat. Im Gegenteil. Die Geschichte spielt in der absoluten Provinz und die Figuren entbehren jeglichen Glanzes, aber die Magie des Erzählens ist dennoch da, weil die Figuren selbst von den großen Ereignissen erzählen (und natürlich weil Martin beneidenswert gut schreibt).

Seid euch also weder zu schade noch eins draufzusetzen noch die Ansprüche runterzuschrauben.

24.11.2008

Das Expose, das unbekannte Wesen

"Die wollen eine WAS!?", fragt sich mancher unerfahrene Autor, wenn ein Verlag ein Expose, eine Inhaltsangabe, eine Zusammenfassung und / oder eine Leseprobe des Manuskripts haben will. Von einem "literarischen Lebenslauf" ganz zu schweigen.

Lasst mich das also mal für euch im Internet und in meinem Hirn googlen.


Das Expose: Zeit, die Hosen runterzulassen.
Ein Expose zu schreiben ist eigentlich ganz leicht, aber dennoch eine Kunst für sich und wenn ihr damit Probleme habt, dann bittet jemand anderen, das für euch zu erledigen. An Formulierungen könnt ihr danach immer noch drehen.

Das Expose soll nur einige Seiten umfassen und das Manuskript auf die wichtigsten Themen, Personen und Merkmale herunterdampfen (bis ca. maximal 4 Seiten). Wenn es keinen richtigen Plot gibt, dann schreibt das so rein, wenn der Held am Ende stirbt, dann wird das gefälligst verraten. Das Expose hat seinen Namen davon, dass es nichts der Fantasie überlässt.
Literarischer Hardcore-Porno, also.

Glaubt mir, Lektoren stehen darauf.


Die Inhaltsangabe oder Zusammenfassung: Gute Wertarbeit nach Deutscher Industrienorm.
Ja, die DIN-Norm DIN 1426 legt tatsächlich fest, wie eine Inhaltsangabe auszusehen hat.

"Als Inhaltsangabe im Sinne dieser Norm gilt jede verkürzte Darstellung des Inhalts eines Dokuments."

Das geht in drei für euch relevanten Hauptformen:

1. Auszug: Das Dokument wird in wichtigen Teilen im Original wiedergegeben.
2. Kurzreferat (Abstract): Die inhaltlichen und stilistischen Bestandteile ohne Wertung.
3. Rezension (Besprechung): Inhaltliche und stilistische Bestandteile mit Wertung.

Vergesst das mit dem Auszug und der Rezension wieder, von euch wird ein Kurzreferat verlangt (um die 2 Seiten lang, im Präsens verfasst) in das ihr aber gern Zitate einbauen dürft, um das Ganze ein wenig aufzulockern.


Das Fazit oder Resümee: Ihr seid im falschen Film.
Die wenigsten Verlage werden ein Fazit oder ein Resümee von euch verlangen, denn das gehört eher in die wissenschaftliche Ecke. Wenn doch schreibt eine Inhaltsangabe mit vielen blumigen Ausdrücken.

Die Leseprobe: Auf den richtigen Happen kommt es an.
Schnappt euch eine Stelle aus eurem Buch, die Laune macht weiterzulesen.
Das kann der Anfang sein, weil ihr euch auskennt und sowieso nur Manuskriptanfänge voller Widerhaken schreibt, oder eine spannende Szene irgendwo im Buch.

Aber sie sollte nicht zu sehr nach Kliffhanger stinken, sondern schon noch einigermaßen repräsentativ für euer Buch sein. Wenn zum Beispiel der Held davon träumt, wie er mit seinen Horden über die putzigen Blümchenelfen herzieht und das ganze nicht als Traum erkennbar ist, macht das zwar Spaß, könnte aber einen falschen Eindruck vermitteln.

Überlegt euch statt dessen lieber, zwei kürzere Textstellen auszuwählen.

Der (literarische) Lebenslauf: Lasst bitte die Praktika weg.
Lebensläufe sind wie Schraubenschlüssel. Sie ähneln sich, aber man muss wissen, wann man einen 13er braucht und wann einen 10er, um nicht blöd dazustehen.

Als Neuling wird es sich deshalb kaum lohnen, einen ausführlichen Lebenslauf zu verfassen, denn in dem sind eh nur die Veröffentlichungen, Preise und Stipendien interessant.
Spart euch und dem Verlagsmenschen Zeit und lasst einfach ein paar Zeilen mit eurem Geburtsdatum und ein paar Informationen zu euch einfließen. Wohnort, derzeitige Tätigkeit, relevante Hobby, solche Sachen.


Das Anschreiben: Was weiß denn ich?
Ich war mit meinen Anschreiben immer ziemlich spontan. Hab geschrieben, warum ausgerechnet dieser Verlag, was ich anzubieten habe und was ich glaube, wer das lesen will.
Eine Seite, nett und ordentlich, die keinem weh tut. Seid entspannt. Versucht nicht zu viel Bedeutung in euer Anschreiben zu legen. Legt einen Antwortumschlag bei, wenn ihr nett sein wollt.

Oder, was mir lieber wäre: Seid kreativ. Schmeißt Konventionen über den Haufen und habt Spaß dabei. Schreibt mit Drachenblut auf Orkhaut oder legt einen verfluchten Ring bei, mit dem Hinweis, dass er den Verlag in den 5. Kreis der Hölle ziehen wird, wenn nicht umgehend eine positive Antwort auf das Angebot kommt.
Ich denke die Leute bei den Verlagen, die die Post öffnen sind harte Knochen, die schon alles gesehen haben.
Die halten so was aus...

31.10.2008

Den perfekten Füller einschreiben

Bei dem ganzen Overkill an Schreibwerkzeugen hab ich Sehnsucht nach meinen guten alten Füllern bekommen und meine Lieblinge aus Mäppchen und Ablagen zusammengeklaubt. Meine Sammlung besteht aus zwei Pelikan Level L 65, einem ganzen Rudel weiterer Pelikan-Füller einem Parker-Verschnitt, einem Lamy und einem Elysée. In dunklen, verstaubten Ecken liegen bestimmt noch mehr.

Dabei ist mir dann auch gleich wieder eingefallen, dass es unter den Füllern auch ein paar Drecksdinger gibt, die außer Klecksen gar nichts können.
Ich habe sie zerlegt, geputzt, wieder zusammengesetzt und schließlich die Federn auf mich zugeschliffen.
Arrgh! Ich seh, dass man in den hinteren Reihen schon mit angespitzten Bleistiften auf diverse Körperteile von mir zielt. Kann man doch nicht machen! An den guten Federn herumschleifen! Blasphemie!
Doch, man kann und ich sag euch auch, warum man nicht nur kann, sondern auch sollte.
Es kursiert der Mythos von Schreibfedern, die sich auf ihren Besitzer einschreiben und deswegen auch nicht an Fremde ausgeliehen werden dürfen. Ich weiß nicht, aus welchem Jahrhundert dieser Mythos stammt, aber wahrscheinlich aus der gleichen Zeit, als man die "richtige" Temperatur für Wein festgelegt hat.Vielleicht galt das für weiche Federn mit einem hohen Goldanteil, wie sie früher hergestellt wurden, aber heutzutage haben hochwertige Federn eine Spitze aus einer verdammt harten Legierung. Man liest immer wieder was von Iridium, aber das ist auch schon wieder ein Mythos, „Iridium“ steht seit mindestens 40 Jahren für „harte Legierung“, die meist Osmium, Ruthenium, Rhenium, Rhodium, Wolfram oder irgendwelche anderen alchemistischen Zutaten enthält.
Hier von Chemie anzufangen würde zu weit führen, aber ihr könnt mir glauben, dass dieses Metall nicht mehr weit weg ist von Adamantium. Und das in jeder Füllerspitze und Kugelschreiberkugel!

Wenn ihr eine solche Feder auf normalem Papier auf eure Schreibweise einschreiben wollt, dauert es nicht ganz so lang wie die Alpen mit einem Seidentuch abzuschleifen, aber ihr werdet es trotzdem nicht erleben, dass ihr damit fertig werdet.
Ihr braucht also schon ein wenig Gewalt in Form eines Materials, das noch härter ist als eure Füllerspitze. Zum Beispiel die Bauchmuskeln von Chuck Norris, wenn der aber grad nicht in der Nähe ist, tut es auch sogenanntes Schmirgel- bzw. Polierleinen (z.B. Micromesh) oder wenn ihr mutig seid auch ein feiner Schleif- bzw Polierstein.
Bevor es losgeht, solltest du dir aber eine wichtige Frage stellen:
Warum überhaupt ‚einschreiben’? Schreibt doch wunderbar!
Richtig, dafür wurden Schreibfedern ja schließlich konstruiert. Aber sie wurden auch für einen Massenmarkt konstruiert d.h. du kannst mit ein und derselben Feder genauso gut schreiben, wie deine doofe kleine linkshändige Schwester.

Daran ist nichts falsch, aber wenn du das kleine Bisschen extra aus deinem Schreibgerät herausholen willst, dann kommst du um eine personalisierte Feder nicht herum.
Das Minimum ist es, die Spitze des Füllers auf absolute Glätte zu polieren. Und das kann man gefahrlos auch zu Hause machen.
Du kannst deinen Füller / Füllfederhalter zu einem Experten wie Nibs.com oder Richard Binder schicken und das solltest du auch, wenn er teuer war.
Falls du aber nur deinem alten Lamy oder Pelikan neues Leben einhauchen willst, dann schnapp dir Schleifmittel, Schmierpapier, Tücher, Tinte und eine Lupe und überleg dir, was dein neues Baby im Moment kann und was es können soll.
Die gängigen Schreibfedern haben eine runde Spitze, die in alle Richtungen gleich dick oder dünn schreiben. Manche lassen sich beabsichtigt oder unbeabsichtigt auch dazu verwenden dünner zu schreiben, wenn man sie um 180° dreht, aber das war’s auch schon.
Schleift man die Spitze an, kann man nicht nur das Schreibgefühl verbessern, weil der Füller auf einem flachen ‚Fuß’ über das Papier gleitet, anstatt auf einer Halbkugel, man hat auch ein lebendigeres Schriftbild, in dem es unterschiedliche Schriftstärken gibt. Außerdem sind Federn nicht immer ganz fehlerfrei und ein bissi Tuning schadet nicht.
Und natürlich geht es hier vor allem um die Exklusivität. Wer schreibt denn heute noch mit einem Füller außer Schülern? Und wie viele von denen, die es tun, können behaupten, dass sie ein perfekt auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Schreibgerät haben?

Und wie geht das jetzt genau? Im Grunde ist eine Füllerspitze zu personalisieren einfach, wenn man einen Plan hat, wie sie aussehen soll und warum sie so aussehen soll. Ein flacher, kreisförmiger Fuß macht den Strich ein wenig Dicker und verbessert möglicherweise den Tintenfluss, eine ovale oder langgezogen rechteckige Form ergibt unterschiedliche Stärken, je nachdem in welche Richtung man den Strich zieht.
Wenn man sich die Form erst mal zurechtgelegt hat, arbeitet man sich vom groben Schleifpapier zum feinen vor. Je besser die Augen oder die Lupe, desto genauer kann man arbeiten, wenn es aber nur darum geht das Schreibgefühl zu verbessern, kann man aber auch seinem Fingerspitzengefühl vertrauen. Meist ist es hilfreich, wenn man die Feder immer in einer Richtung über die Schleif/Poliergrundlage zieht und den Füller so hält, wie man ihn auch beim Schreiben halten würde. Hat man die grundlegende Form hinbekommen, kommt das nächstfeinere Schleifpapier. Man kann dabei gar nicht genug Zwischenstufen einbauen, bis man schließlich an das Polieren geht. Am besten immer mit so wenig Druck wie möglich, auch wenn das ewig dauert. Aber so kann man sich einigermaßen sicher sein, dass man nichts kaputt macht. Am Schluss sollte die Feder wie Butter in einer heißen Pfanne über das Papier gleiten und nicht zu hören sein.

Noch ein paar Worte zu meinem momentan teuersten Füller, einem Stück der Marke Elysée die es inzwischen nicht mehr gibt. Er hat ein Design, das die Weltkarte aus 12er bzw. 24er Gold darstellt und eine vergoldete Feder. Ich habe ihn vor ettlichen Jahren bekommen und er hat anfangs einige Probleme mit dem Tintenfluss gehabt. Inzwischen fließt die Tinte zwar wie sie soll, aber langsam geht der Lack ab und die Tinte hat an vielen Stellen das Blattgold von der Feder abgelöst. Hat was von einer alten Jeans, deren Alter man auch sieht und da der Füller vergleichsweise preiswert war, kann man ihm auch ein paar Schwächen verzeihen. Also Einsteigermodell taugt er allemal was und wer sich überlegt erste Erfahrungen mit hochwertigeren Füllern zu sammeln, der kann seine Augen bei ebay offen halten, wo man die Marke Elysée noch findet.

27.10.2008

Der Brief

Zu meiner kleinen Einführung in die Schriftstellerei ist mir noch ein Nachgedanke gekommen.

Eine der anspruchsvollsten und gleichzeitig am meisten unterbewerteten Formen des Schreibens ist der Brief bzw. die Email.

Nein, ich fange jetzt nicht von den "Leiden des jungen Werther" an oder all den anderen Briefromanen, die es gibt.

Ich meine den guten alten Brief. Briefe beinhalten so ziemlich alles, was man auch bei Schreiben von Romanen berücksichtigen sollte:

1. Sie haben einen Absender. Das bedeutet, der Leser hat eine gewisse Erwartung an den Inhalt. Jeder weiß, was ein Brief vom Finanzamt oder ein Roman von Stephen King enthält.

2. Sie haben eine äußere Form. Großformatige Briefe von Verlagen sagen schon ohne dass man sie geöffnet hat: "Danke, nein."

3. Sie haben eine innere Form. Beim Brief noch stärker durch Konventionen vorgegeben, als woanders. Macht euch diese Konventionen zu nutze, um sie zu durchbrechen, oder mit ihnen zu spielen.

4. Sie haben einen Empfänger. Bei Einem Brief ganz selbstverständlich, bei Romanen und Co. allzu leicht vergessen. Etwas zu schreiben wird leichter, wenn man weiß, für wen man es schreibt.

Also: Setzt euch ruhig mal wieder hin und schreibt einen Brief. Und selbst wenn nicht: Vergesst die große Kunst des Briefeschreibens nicht völlig, sie ist in mehr als einer Beziehung ein fruchtbringendes Handwerk.

25.10.2008

Wie werde ich ein Schriftsteller?

Es gibt viele Wege ein Schriftsteller zu werden, bzw. zu sein. Denkt daran, wenn ihr euch über Absagebriefe ärgert.

Der Roman schwingt schon seit dem 17. Jahrhundert immer unangefochtener das Szepter der Alleinherrschaft, zusammen mit dem Sachbuch in allen seinen Ausprägungen als Hofnarr und Reichsverweser gleichermaßen. Da ist es kein Wunder, wenn der junge, unerfahrene Schreiberling an sich unbedingt einen Roman herausbringen will, um sich selbst als Schriftsteller rechtfertigen zu können.

Dagegen spricht auch nichts, außer dass es im Grunde total dämlich ist.

Ich will hier gar nicht von den Lyrikern oder Dramatikern anfangen. Auch für "ganz normale" Prosaschreiber gibt es Hoffnung.

1. Wettbewerbe. Literaturwettbewerbe haben den Vorteil, dass man einen klaren Rahmen, meistens einen Preis und einen Grund zum prahlen bekommt. Ein Preis ist etwas, das man rumzeigen kann. Und es gibt so viele Literaturpreise, dass eigentlich für jeden was dabei ist. Einen Newsletter bietet der Uschtrin-Verlag an.

2. Zeitschriften. Es gibt immer irgendwo eine kleine Literaturzeitschrift, die händeringend Schreiber sucht und es gibt so viele von ihnen, dass ihr garantiert eine findet, die euch zusagt. Viele machen auch Wettbewerbe, da geht das Hand in Hand. Sucht einfach ein wenig im Internet und ihr werdet fündig. Wenn nicht, macht eure eigene Zeitschrift.

3. Blogs. Wie Literaturzeitschriften gibt es auch einige Blogs, die Schreiber suchen. Ich zum Beispiel. Na? Lust?
Oder aber ihr macht gleich euren eigenen Blog auf. Denn auch Blogger sind Schriftsteller... irgendwie.

4. Zeitungen. Vor allem im Sommerloch ist eine Zeitung schon mal froh ein paar Texte zu haben, mit denen man die Lücken füllen kann. Im Idealfall bekommt man auch ein wenig Geld dafür.

5. Werbung. Einige Schriftsteller wie Frank Schätzing waren oder sind in der Werbebranche beschäftigt. Ob das den Schreibstil verdirbt, darüber kann man streiten, aber ich bin der Meinung als guter Schriftsteller beherrscht man mehr als einen Stil.

6. Nichts von all dem. Um Schriftsteller zu sein braucht ihr nichts von den oben genannten Möglichkeiten oder was es da sonst noch so gibt. Schriftsteller ist man entweder, oder man ist es nicht. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob man auch nur eine einzige Zeile geschrieben zu haben braucht um Schriftsteller zu sein.
Vielleicht genügt es auch schon wenn man seine Gedanken nicht nur ausdrücken möchte, sondern zudem auch noch Wert darauf legt, wie man sie ausdrückt. Was meint ihr?

Ihr kennt diesen beschämenden kleinen Dialog der damit beginnt, dass euch jemand fragt, was ihr in eurer Freizeit so macht.
"Ich schreibe", antwortet ihr.
"Ah! Ein Schriftsteller."
"Ja."
"Was schreibst Du denn so?"
"Fantasy / Krimi / Historischer Roman / Selbstbetrachtungen"
"Aha! Ist ja hochinteressant! Wo kann man denn was von Dir lesen?"
"Noch nirgends..."

Wenn euch noch mal einer auf diese Weise kommt, dann verhaltet euch nicht so als hättet ihr was falsch gemacht, sondern antwortet auf die Frage:

"Nein, ich habe nichts veröffentlicht. Ich bin Schriftsteller. Ich hab das nicht nötig."

Dass ihr es doch nötig habt müsst ihr demjenigen ja nicht auf die Nase binden...

02.10.2008

How to write

Wenn ihr schreiben lernen wollt, des Englischen mächtig seid und nichts dagegen habt am Bildschirm zu lesen, dann solltet ihr ein paar Blicke auf die Seite des Guardian über das Schreiben werfen. Von Kinderliteratur über humoristisches Schreiben bis zu der Frage warum man überhaupt schreiben sollte ist für jeden was dabei.

17.06.2008

Heimlich schreiben [Schreibtipp]

Ja, ich weiß, wenn man was macht, dann sollte man es richtig machen, aber manchmal sitzt man einfach nur in der Arbeit (oder in der Uni) und hat nichts zu tun. Anstatt Däumchen zu drehen, oder alte Emails auszusortieren, könnte man ja etwas Sinnvolles mit der Zeit anfangen und schreiben wenn, ja wenn man nicht in einem Großraumbüro sitzen würde und jeder jederzeit auf den eigenen Bildschirm schauen könnte.

Aber es gibt Hoffnung. Auch für solche, die noch nie etwas von einem Boss-Key gehört haben und keinen Bildschirmrückspiegel besitzen.

Beobachtet euch selbst. Schaut ihr nach, was auf den Bildschirmen eurer Kollegen zu sehen ist? So lange es nach langweiligen Formularen, Email-Nachrichten und Dokumenten aussieht wohl eher nicht. Und solange keine bunten Bilder oder Filme über euren Bildschirm tanzen, (oder der Joystick auf dem Schreibtisch steht) hab ihr im Großen und Ganzen nichts zu befürchten.

Der beste Weg unentdeckt zu bleiben ist natürlich alles sein zu lassen, was entdeckt werden könnte, aber gleich darauf folgt die hohe Kunst der Tarnung. Je unübersichtlicher euer Bildschirm ist, desto beschäftigter seht ihr aus und desto leichter lassen sich Dokumente verbergen, die nichts mit eurer Arbeit zu tun haben. Und es gibt unzählige Möglichkeiten, wie ihr eure Texte verarbeiten könnt. Meine Lieblingsoption ist eine Mail an meine Google Docs Mailadresse. Dieser Text hier wurde in eine Mail getippt und nach dem Abschicken automatisch in ein Dokument in meinem Google Docs Account umgewandelt, wo ich es dann überarbeiten konnte. Natürlich alles nach der Arbeit ;P
Das funktioniert auf die gleiche Weise auch mit Blogger, nur nicht so komfortabel.

Trotzdem ist es nie verkehrt die Tastenkombination "Alt - Tab" und "Strg - F4" bzw. das entsprechende Äquivalent für andere Betriebssysteme aus dem FF zu beherrschen.

Aber am besten ist natürlich ihr habt Spass an dem was ihr macht oder verdient euer Geld sowieso durch schreiben.

Und was ist eure Lieblingsmethode heimlich zu schreiben?

02.06.2008

Ich gehe nach Amerika! [Schamlose Übertreibungen]

Vor einigen Zeit hat John von PoeWar einen Wettbewerb gestartet, weil er in den Urlaub fährt, sein Seelentier trifft, Gedichte schreibt und Karten spielt (und vieles mehr).

Damit in der Zeit sein Blog über professionelles Schreiben nicht verwaist, füllen Gast-Blogger die Lücke und der Text, der die beste Reaktion (viele Klicks, viele Kommentare) bekommt, wird mit 250 $ prämiert.

Und mein Artikel "A newbie's advice" (Rat eines Neulings) ist mit am Start!

Ab 20. Juni könnt ihr ihn auf PoeWar lesen. Und weil ich natürlich scharf auf das Geld bin, werdet ihr hiermit verdonnert euer Englisch aufzufrischen und am 20. (das ist ein Freitag) meinen Artikel zu lesen.

Wer sonst noch mit von der Partie ist seht ihr hier.

Coole Idee, vielleicht mach ich auch mal so was. Nicht unbedingt für 250 $, aber mir fällt schon was ein...

Interesse?

30.05.2008

Heiß auf Schreiben? [Schreibtipp]

Es ist einfach zu warm. Zu warm zum Denken, aber noch nicht zu warm zum Schreiben.
Ein Hoch auf meine Silikon-Tastatur, der es völlig egal ist, dass ich sie vollschwitze!

Und ich sag euch was: Das ist die beste Jahreszeit um zu schreiben.

Glaubt ihr mir nicht? Dann lest mal Gedichte, die in angenehmer Temperatur im Schatten unter Palmen geschrieben wurden, während der Dichter einen Drink in der Hand hatte. LANGWEILIG!

Und dann lest Gedichte von Gryphius, der nicht wusste, ob er der nächste ist, der ins Gras beißt. Gut, das hat nichts mit der Temperatur zu tun, aber trotzdem...

Also: Wenn ihr zu denen gehört, die cool genug sind auch dann zu schreiben, wenn es am wärmsten ist, oder auch heiß darauf zu schreiben, wenn die Finger schon einfrieren, dann interessiert euch auch, wie ihr darin besser werden könnt.

Der Rest kann sich hier verabschieden.

Nehmen wir mal an, ihr habt ein Manuskript fertig geschrieben. Nehmen wir mal an, ihr habt es nicht nur korrekturlesen lassen, sondern es auch noch überarbeitet. Gratulation, ihr seid näher an einem Schriftsteller als 80% von denen, die sich für einen halten.

Im Prinzip müsst ihr euer Manuskript nur noch an einen Schwung Verlage schicken und ihr habt es geschafft.

Aber das kann dauern und weil ihr in der Zwischenzeit ja auch was lernen wollt macht ihr folgendes:

Als erstes schnappt ihr euch einen anderen Schriftsteller. Optimalerweise einen, der mehr Ahnung hat als ihr selber, aber das muss gar nicht sein. Hauptsache es ist jemand, der bei diesen Temperaturen lieber euer Manuskript liest, um es zu bewerten, als im Freibad seine Runden zu drehen. Zu finden gibt es die im Internet oder auch im Literaturclub oder der Dichtervereinigung eurer wahl.
Und dann fangt an euch auszutauschen. Ich denke das geht auch über Foren oder auf andere Weise, aber nur, wenn ihr genau wisst, was ihr da tut. Persönlich oder über Email bringt meist mehr.
Vielleicht werdet ihr bei diesem Ausgleich herausfinden, dass andere ähnliche Probleme haben wie ihr, oder auch Lösungen, auf die ihr nie gekommen wärt, aber auf jeden Fall werdet ihr dabei etwas lernen. Und das ist gut. Denn die 80%, die nicht genug lernen, geben irgendwann auf. Selbst wenn ihr Zeug gar nicht so schlecht ist.

Als nächstes erweitert ihr euren Horizont. Schreiben ist ein so vielfältiges Feld wie die Musik oder Malerei und es gibt so viel, was ihr von anderen Arten des Schreibens lernen könnt. Berufsbedingt tummele ich mich im Moment im Haifischbecken des Werbetextens und des Schreibens für das Internet, aber ich hatte auch meine Gedichte-Phase (und bin nicht stolz darauf...).
Sucht euch am besten etwas aus, das nicht unter den Begriff "brotlose Kunst" fällt. Egal was. Schreibt Artikel für Magazine und Zeitungen, macht euren eigenen Blog oder eine Website auf, oder was sich sonst so anbietet. Traut euch. Seid nicht faul!
Wenn es euer Ziel ist, Schriftsteller zu werden, der optimalerweise vom Schreiben seiner Bücher leben kann, dann dürften Magazine und Co. für euch eh nur ein Nebenschauplatz sein, auf dem man nicht groß was verlieren kann.

Aber man kann eine Menge gewinnen. Vor allem Erfahrung. Wenn ihr euch darauf einstellen könnt, dass ein Text für eine Zeitung geschrieben ganz anders klingen muss als für das Internet verfasst, wenn ihr euch drüber hinaus nicht nur einen eigenen Stil, sondern vielleicht sogar mehrere verschiedene Stile, je nach Anforderung aneignen könnt, dann ist das schon viel wert.
Und was wahrscheinlich am wichtigsten daran ist: Ihr bleibt in Bewegung.
Wenn ihr für jemand anderen etwas verfasst, dann sitzt euch meistens auch eine Deadline im Nacken und das ist gut, denn man kann sich ja nicht immer von sich aus dazu motivieren weiterzuschreiben. Und ihr habt einen Auftraggeber, dem vielleicht überhaupt nicht gefällt, was ihr da abliefert. Und egal ob euer Zeug schlecht ist, oder ob euer Auftraggeber keine Ahnung hat, Kritik ist immer eine Chance zu lernen.

Fangt dabei ruhig klein an. Viele Magazine online oder in Print suchen Leute, die für sie schreiben. Ihr bekommt dafür kein Geld, noch nicht mal Ruhm und Ehre, aber als Schriftsteller müsste euch eigentlich Schreiben an sich Spass machen. Und jedes Wort von euch, das nach außen dringt, erhöht eure Chancen darauf mit den richtigen Leuten in Kontakt zu kommen. Entweder Leser, die euch gut finden, oder vielleicht sogar Verleger.

Und wer weiß? Vielleicht findet ihr dabei heraus, dass ihr lieber täglich für eine Zeitung schreibt, als jahrelang an einem Roman zu feilen.

Was ihr auch macht: Viel Spass beim Schwitzen!

11.01.2008

J. J. Abrams, TED und eine Sache, die ihre einfach nicht falsch machen könnt

Vor einiger Zeit bin ich auf TED gestoßen und seitdem semi-süchtig und mein Gehirn macht dieses wundervolle Geräusch von sich neu verbindenden Neuronen.

Von Rechts wegen müsste ich hier eigentlich das Video von Isabel Allende einstellen, aber J. J. Abrams gefiehl mir besser. Erstens weil er ein wahres Energiebündel ist und zweitens weil er über etwas spricht, was man auch beim Schreiben super anweden kann - und das ohne Angst haben zu müssen etwas falsch zu machen. Beinahe idiotensicher.

Abrams nämlich hat eine "Mystery Box", eine Kiste mit einem Fragezeichen darauf, die für eine Technik steht beim Erzählen Spannung zu erzeugen.

Automatisch fragt man sich: Was ist in der Kiste?

Ein Beispiel, wie es in einem Roman vorkommen könnte:

"Engelbert riss die Tür auf und rannte schreiend in die Dunkelheit, die dahinter lag."

Boahhh! Krasse Sache, woll'n doch mal sehen, was sich daraus machen lässt:

"Aber schon nach wenigen Schritten erwischte ihn der Werwolf."

Aha. Horror also. Hmhmm, Werwolf. Gähn... Bestimmt kommt gleich einer mit Silberkugeln...

Also lassen wir das mal lieber mit dem Werwolf. Aber was dann?

"Aber schon nach wenigen Schritten erwischte ihn eine krallenbewehrte Hand, die aus den Schatten heraus nach ihm griff."

Schon besser. Krallenbewehrte Hand ist immer noch Horror, aber der Leser kann sich jetzt mehr darunter vorstellen als nur einen ollen Werwolf. Klar, es könnte immer noch ein Werwolf sein, aber auch die Großmutter von Engelbrecht. Oder beides.

Soll heißen, dass man dem Leser ruhig ein wenig Eigenverantwortung überlassen darf und sollte. Selbst wenn die Hand am Ende doch dem 08/15 Werwolf gehört: So lange das niemand weiß, so lange wird er weiterlesen, um zu erfahren, was da vor sich geht.

H. P. Lovecraft hat dieses Spiel bis zur Perfektion getrieben (und darüber hinaus). Er konnte seitenlang unbeschreibliche Dinge beschreiben und hat trotzdem noch genügend Freiraum für die Vorstellungskraft der Leser gelassen.

Bei der Methode ist es allerdings schlecht, wenn ihr selbst nicht wisst, was da in der Dunkelheit lauert und warum und der Leser am Ende merkt, dass er betrogen wurde. Schaut euch einen schlechten Krimi an und ihr wisst was ich meine. Dann schreibt lieber:

Aber schon nach wenigen Schritten merkte er, dass eigentlich sein Nachbar an der Reihe war mit Schreiend-aus-der-Tür-rennen und kehrte wieder um.

08.11.2007

Schreibblockaden und andere grüne Monster

Oder: Wo immer es auch zwickt, Ihr seid damit nicht allein.

Wir Schriftsteller (oder solche, die es werden wollen) leiden unter einer Vielzahl von seltsamen Krankheiten. Vielleicht IST Schreiben an sich schon eine Krankheit. Auf den Gedanken kommt man zumindest, wenn man sich "Die Mitternachtskrankheit - Warum Schriftsteller schreiben müssen." ansieht.

Die gemeine Schreibblockade zum Beispiel kennt wahrscheinlich jeder. Treibt mitunter wundervolle Blüten wie Schriftsteller, die sich seitenweise darüber auslassen, dass sie nicht schreiben können. So ähnlich wie Lovecraft, der seitenweise "unbeschreibliche" Schrecken ausbreitet.
Gut, wie Gregor Samsa nach seinem Traum noch ein Lächeln hinbekommen hat, weiß auch keiner, aber das ist eine andere Geschichte...

Schreibblockaden gehen meisens einher mit Depressionen oder der Abwesenheit von "Kreativitätsverstärkern" - Drogen, Alkohol, Frauen, Männer, was immer die Tinte flüssig hält und in den seltensten Fällen gibt es jemanden, der froh darüber ist und sich sagt "Oh! Super! Dann kann ich ja endlich mal wieder richtige Menschen treffen!". Manche haben sich deswegen umgebracht, andere sind der Meinung, dass Schreibblockaden manchmal einfach dazugehören. Mit Wut im Bauch kann man ja auch angeblich besser denken - behauptet zumindest eine Studie.

Das Gegenteil dazu ist der Schreibzwang, auch Hypergraphie genannt. Die meisten würden das nicht als Krankheit bezeichnen, eher als Gabe, aber Euch fallen bestimmt Schreiber ein, denen man eher die Gabe der Inspiration als der Hypergraphie gewünscht hätte. Und es gibt auch solche, die zwischen den beiden Extremen hin- und herschwanken.

Aber es hört mit den Problemen ja nicht auf, wenn man einen Text verfasst hat. Wahrscheinlich leiden nur Zeichner unter mehr Selbstkritik. Frag einen Zeichner, wie er etwas findet, das er gezeichnet hat und er wird dir sagen, dass er da einen schlechten Tag hatte, und dass er die Handgelenke nicht richtig hinbekommen hat und dass Leonardo eh viel besser zeichnen konnte.
Hätte es keinen Max Brod gegeben, wären die meisten Werke von Franz Kafka verloren gegangen. Gut, mancher wäre nicht unglücklich darüber, aber so sehr Schriftsteller ihre eigenen Werke lieben, so sehr hassen sie sie auch.

Überhaupt: Liebe. Das ist noch so eine Krankheit. Erstmal die allgemein menschliche Selbstverliebtheit, die sich bei Schriftstellern nur anders äußert. Schreibt einer nicht, dann erzählt er gern von seinen grandiosen Ideen, die er alle umsetzen will, wenn ihm das grausame Schicksal nur mal Zeit dazu lässt. Schreibt er viel, gibt er damit an, dass er jeden Tag 50 Seiten zu Papier bringt und nebenbei noch einen Duden frisst. Ich bin davor auch nicht gefeiht. Man will schließlich wissen, wo man steht und ob der Ochs nebenan nicht etwa die längeren Hörner hat.

Die andere Liebe ist die zu den Texten, die man fabriziert hat. Erstmal hat man eine postnatale Depression und weiß nicht, was man mit seinem Leben anfangen soll, nachdem man ein Buch abgeschlossen hat. Und dann will man es nicht aus dem Haus lassen, damit es mit den anderen Kindern spielen kann. Es könnte sich ja anstecken oder eins auf die Nase bekommen.

Und dann gibt es noch die ganzen anderen Krankheiten, die einen so befallen können: Allergien gegen Kritiker, Realitätsverlust und Größenwahn.

Aber wo auch immer es euch auch drückt: Keine Sorge, das meiste davon ist ganz normal.

Zumindest für einen Schriftsteller...

07.08.2007

Vonnegut über sein Schreiben

Ein paar Worte von Kurt Vonnegut über sich und die Schriftstellerei:

Seit 1949 bin ich Schriftsteller. Ich bin Autodidakt. Über das Schreiben habe ich keine Theorien, die anderen helfen könnten. Wenn ich schreibe, werde ich einfach zu dem, was ich anscheinend werden muss.

Er fügt hinzu, dass er nur im Wasser eine gute Figur macht, weil Schreiben viel überschüssiges Fleisch produziert. Also ihr Schreiber da draußen: Vergesst den Ausgleichssport nicht! Aber selbst wenn doch hat Kurt Vonnegut auch eine positive Nachricht: Alle Frauen von Schrftstellern sind schön. Zumindest hat er zeitlebens keine hässliche gesehen. Und er muss es ja wissen.

30.07.2007

Schreibregel

George Orwell (Animal Farm, 1984, zahlreiche Essays) hat in seinem Essay "Politics and the English Language" ein paar Hinweise zum Schreiben eines Textes aufgeschrieben:

(i) Never use a metaphor, simile, or other figure of speech which you are used to seeing in print.

1. Benutze nie eine Metapher, einen Vergleich oder eine Redewendung, die Du gewohnt bist in den Medien zu sehen.


(ii) Never us a long word where a short one will do.

2. Benutze nie ein langes Wort, wenn es ein kurzes auch tut.


(iii) If it is possible to cut a word out, always cut it out.

3. Wenn es möglich ist ein Wort zu streichen, streiche es.


(iv) Never use the passive where you can use the active.

4. Benutz nie Passiv, wenn Aktiv auch geht.


(v) Never use a foreign phrase, a scientific word, or a jargon word if you can think of an everyday English equivalent.

5. Benutz nie ein Fremdwort, einen Spezialausdruck oder Jargon, wenn es auch ein einfaches Wort dafür gibt.


(vi) Break any of these rules sooner than say anything outright barbarous.

6. Bevor du dich verbiegen musst, brich die oben genannten Regeln.

Kein Kommentar notwendig, aber um euch diese Lektion zu versüßen eine kleine Anekdote, von einem Freund von mir, (seines Zeichens Germanist) der auf einer Tagung war, auf der unter anderem über mittelhochdeutsche Texte und Computer diskutiert wurde. Ein anwesender IT-Spezialist meinte nach der Diskussion, dass Germanisten sich den Kopf nicht über Computerprobleme zerbrechen sollten, schließlich hätten sie von dem System keine Ahnung, weil sie es nicht studiert haben. Die Antwort darauf war: Dann dürften IT-Spezialisten auch nicht mehr sprechen, schließlich hätten sie das System Sprache nicht studiert.
Touche!

03.07.2007

Was lernen wir aus dieser Absage?

Willkommen zu einer weiteren Lektion in "Was lerne ich aus dieser Absage?"
Wenn man alles gründlich falsch macht, bekommt man eine wie diese hier:



haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail und das Angebot, Ihre Manuskripte in unserem Verlag zu publizieren.

Zu unserem Bedauern aber müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir von Ihrer freundlichen Offerte keinen Gebrauch machen können, da die von Ihnen angebotenen Arbeiten nicht in unsere Verlagsprogramme passen. Die von Ihnen angebotenen Genre Science-Fiction und Fantasy werden in unserem Verlag nicht mehr publiziert.

Auch glauben wir, Ihre persönlichen Erinnerungen sind zwar für Verwandte und Bekannte als Zeitdokument und Lebenszeugnis eines geliebten Menschen von Interesse, aber als Lektüre für eine große Leserschaft, die wir ja aus wirtschaftlichen Gründen ansprechen müssen, sind sie doch zu persönlichkeits-bezogen.

Es tut uns leid, Ihnen keinen besseren Bescheid geben zu können, freuen uns aber, dass Sie uns Ihre Manuskripte vorgestellt haben. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Suche nach einem geeigneten Verlag.



Die Fehler:

1. Science-Fiction und Fantasy. Das einzige was schwieriger an einen Verlag zu bringen ist, das ist Lyrik. Höchstens getoppt von Fantasy-Lyrik. Oder altindischer Fantasy-Lyrik. Auch wenn es traurig ist und es immer wieder Fantasy-Manuskripte aus Deutschland verlegt werden: Fantasy ist nicht gefragt. Mit Science-Fiction kenn ich mich nicht so aus (ich hab an obigen Verlag gar kein SciFi-Manuskript geschickt, aber das nur so am Rand) aber da wird es ähnlich sein. Es gibt einfach zu viel guten Stoff aus Amerika und England. Wer wirklich nicht von Fantasy loskommt, der hat noch am ehesten Chancen, wenn er unter Lizenz für ein Rollen- oder Computerspiel schreibt, oder einfach noch hartnäckiger ist.

2. Persönliche Erinnerungen. Sprich Autobiographie. Mögen Verlage gar nicht, auch wenn es in den Texten gar nicht so sehr um das eigene Leben geht und das Ganze toll geschrieben ist. Es gibt zu viele "Ach ja, und damals, als Tante Rosi gestorben ist und alle ganz traurig waren"-Texte. Abhilfe kann eine schönere Verpackung sorgen. Als Krimi vielleicht. Was aber immer noch nicht garantiert, dass der Inhalt auch gut ist.

3. Mehrere Manunskripte auf ein Mal. Der Gedanke ist gut. Der Verlag kann sich raussuchen, was ihn gerade interessiert und sieht, dass der angehende Schriftsteller nicht gleich sein Erstlingswerk in allen Bestsellerlisten sehen will. Klappt nur leider nicht.

4. Großer Verlag. Wär zwar schön gleich weiter oben anzufangen, aber da nichts daraus wird wartet man lange auf die Absage und bekommt auch nicht gesagt, was man das nächste Mal besser machen könnte (das gibt's nur bei mir ^__^).

Also: Falls Ihr Fantasy schreibt, macht mal was ganz anderes, sucht euch eine Nische, hört auf zu schreiben oder macht euch auf einige frustrierende Jahre gefasst. Schickt immer nur ein Manuskript an einen Verlag und erkundigt euch vorher was dieser Verlag gerade veröffentlicht und wie er die Manuskriptangebote gerne hätte.

Und: Nicht aufgeben!

Was ich so lese