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28.04.2009

Crank 2 [Review]

Ähh, ja ... Gut, ein paar Mal hab ich gelacht, weil ich es wirklich lustig fand, aber mindestens genau so oft hab ich gelacht, weil einem die Peinlichkeit der gezeigten Situation keine andere Wahl ließ.

Der erste Teil von Crank war gut. Hat sein non-stop-action-programm voll durchgezogen, ohne Luft zu holen.

Teil 2 ist eher eine Mischung aus Kill Bill, Natural Born Killers und Dobermann. Mit einem großen Schuss 'Geile Stuten auf der Rennbahn 1 -3'

Chev Chelios lebt also noch. Er wird sprichwörtlich von der Straße gekratzt und erst mal um sein Herz erleichtert, das für den Triadenboss gespielt von David Carradine bestimmt ist.

Sein Kunstherz wird per Batterie versorgt, die zu den dümmsten Gelegenheiten nachgeladen werden muss.

Chev ist also damit beschäftigt, sein Herz wiederzubekommen und dafür zu sorgen, dass ihm nicht der Saft ausgeht.
Und natürlich massenhaft Leute zu verprügeln und sie auf diversem Weg aus eben diesem zu räumen.

Es sollte mehr Sex und mehr Gewalt in dem Film vorkommen und das ist dem Regisseur gelungen. Auch ein paar nette Anleihen an Godzilla und das Amerikanische Fernsehen hat er hinbekommen, allerdings sehr zum Nachteil des Rhythmus. Bei dieser Art von Film darf man nicht in Versuchung kommen, nachzudenken.

Die Musik ist mir positiv aufgefallen. Abwechslungsreich, präsent, aber nie aufdringlich und eine treibende Kraft des Films.

Ansonsten warte ich auf Teil 3. Wir wollen schließlich alle wissen, was in der Kühlbox ist...

24.04.2009

Grizzly Man [Review]

Grizzly-Bären machen meine Kühe nicht scheu, sie sind mir also ziemlich egal. Und in Werner Herzogs Film geht es ja auch nicht um die Bären, sondern um Timothy Treadwell, den "Grizzly Man".

Der Mann sieht aus wie eine Mischung aus Mickey Rourke, Woody Harrelson und Prinz Eisenherz und seine Geschichte hat mich doch tatsächlich zum Flennen gebracht.

Lässt er sich doch tatsächlich von einem Bären fressen...

Aber der Reihe nach.

Erzählt von Herzog selbst wird der Lebensweg des Sonderlings nachgezeichnet. Von einer ganz normalen US-Amerikanischen Schulzeit über ein Sportstipendium, das er wegen eines Rückenleidens abbrechen musste und von da ab schnurstracks bis zum Alkoholismus und zur ersten beinahe tödlichen Dosis von Drogen.

Und dann zu den Bären. Wie und warum Treadwell diese Tiere als seine persöhnlichen Schutzpatrone entdeckt hat bleibt unbeantwortet, wahrscheinlich weil es darauf einfach keine Antwort gibt.
Jedenfalls begann er eine Beziehung zu den Bären aufzubauen, die sein Leben grundlegend veränderte. Wie im Film von einer religiösen Erfahrung zu sprechen ist da bestimmt nicht verkehrt, denn wenn jemand so viel Freude aus seinem neu entdeckten Leben ziehen kann und sogar bereit ist, es selbst mit dem sicheren Tod vor Augen weiterzuleben, dann hat das oft etwas mit Religion zu tun.

13 Sommer lang hat Treadwell mit den Bären gelebt, bis er den fatalen Fehler begangen hat seine Gewohnheiten zu durchbrechen und länger zu bleiben, als üblich. Die Grizzlys, mit denen er vertraut war, hatten sich zu ihren Winterschlafplätzen begeben und die Bären, die sich noch in der Gegend aufhielten kamen von außerhalb und hatten sich noch nicht genug Fett für den Winter angefressen.

Was soll ich sagen? 'Man is tiger food' und manchmal eben auch Bärenfutter...

Timothy war nicht allein als er starb, obwohl er sich selbst als einsamen Streiter für die Rechte der Bären stilisierte. Seine Freundin Amie Huguenard war bei ihm. Und die Kamera, die auch während der tödlichen Attacke lief.

Aus Treadwells Sicht war wahrscheinlich die Kamera der wichtigere Begleiter auf seinen Reisen. Er hatte etwas Erfahrung als Schauspieler und so achtete er darauf, dass er immer das gewünschte Bild von sich präsentierte - Sonnenbrille, Bandana, frisch gewaschenes Haar.

Herzog lässt keinen Zweifel daran, dass Treadwell einen Knacks hatte. Er nennt das 'den Kampf mit den inneren Dämonen', aber ich glaube da missversteht er Treadwell. Das was an Wahnsinn aus dem manchmal überdrehten, manchmal melancholichen Wesen Treadwells durchscheint, ist nicht der Kampf, sondern dessen Narben.

Gleichzeitig auch die Narben einer herbeigesehnten Metamorphose. Treadwell ist von der Welt der Menschen enttäuscht. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie leicht man vom Weg abkommt.
Wäre es da nicht schön, ein Bär zu sein?

Herzog ist ntürlich anderer Ansicht. Er sieht in der Natur keine heile Welt, sondern einen unablässigen Kampf um's Überleben, in dem der Mensch bestenfalls Opfer oder Täter sein kann, niemals so etwas wie ein Freund.

Man kann darüber denken, wie man will. Für Treadwell hat es funktioniert, er war sich der Gefahr bewusst und auch Herzog konnte sich der Faszination nicht entziehen, sonst hätte er diesen Film nicht gemacht.

Für alles andere gilt ein Zitat von einem von Treadwells Freunden:

"So lange es die Kühe nicht scheu macht, ist es mir egal."

22.04.2009

Späte Liebe [Review]

Ja, besser. Viel besser. Jetzt verstehe ich auch, was an Singer so toll ist, dass er einen Literaturnobelpreis bekommen hat.

"Späte Liebe" ist zwar jetzt kein Buch, für das ich mich wegschmeißen würde, aber es oszilliert schön zwischen US-Amerikanischer Gegenwart, der verlorenen Welt des "Schtetls" in Polen oder sonstwo und dem generellen Herausgefallensein aus der Zeit.

Manchmal konkret, manchmal mysteriös-symbolistisch- metaphorisch, oder wie ein Literaturwissenschaftler das auch immer ausdrücken würde.

Jedenfalls viel viel besser als der Film "Bis später, Max!"

Allerdings hab ich's nicht so mit dem jüdischen Humor. Kauft euch mal ein Buch mit jüdischen oder jiddischen Witzen und versucht mal darüber zu lachen. Das wird meistens schwierig sein, zumindest hatte ich damit Probleme während des Studiums.

Gut, in Regensburg hat man zu der Zeit wahrscheinlich eher die Bedeutung von "88" gelernt, als die Feinheiten des jüdischen Humors, aber man kann mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht versucht hätte.

Dann doch lieber Erzählungen vom Kaliber eines "Der Golem" von Gustav Meyrink. Für diese Art von Geschichten, die sich noch weiter von der Realität entfernen, passt die Sprache und denkweise dieser verlorenen Welt perfekt.

20.04.2009

Bis später, Max [Review]

Wenn ich die entsprechenden Szenen im Film "Bis später, Max" mitzähle, dann komme ich dieses Wochenende je nach Definition auf 4 - 12 Mal Sex.
Schon allein die Zahlen zeigen, dass es da fließende Übergänge gibt und nicht immer so ganz klar ist, was nun eigentlich Sache ist.

Womit wir auch schon mit den einleitenden Zeilen aufhören und uns zur Besprechung des Filmes begeben können. "Bis später, Max" hat es nicht eilig, was auch nicht schlimm ist, denn der Film hat kein bestimmtes Ziel. Und deswegen bedient er sich auch eines stilistischen Mittels, zeigt zu Beginn und am Ende einen fahrenden Zug, damit man auch wirklich mitbekommt, dass der Film vorbei ist.
Ein Pärchen, das einige Reihe vor mir gesessen hat, wollte das allerdings nicht abwahrten und ist nach ein paar Minuten gegangen.
Mit wär es lieber gewesen, wenn sie das schimpfend getan hätten, denn so kann ich leider nicht sagen, was ihnen an dem Film nicht gepasst hat.
Gut, ein Streifen, der in den USA spielt und in dem alle mit österreichischem Akzent sprechen ist nicht jedermanns Sache und die sexuellen Vorlieben von alternden Sonderlingen mag sich auch nicht jeder ansehen, aber ansonsten könnte ich nicht sagen, was an dem Film schlecht gewesen sein sollte. Da kenne ich mindestens zwei Spiderman-Teile, die schlechter waren.

Um was geht es in dem Film eigentlich? Um den alternden Schriftsteller Max Kohn, der es zwar nicht mehr so mit seinem Gedächtnis, aber dafür mit den Frauen hat, bzw. die Frauen mit ihm. Er ist nicht besonders schön, nicht besonders elegant oder offensichtlich reich, aber er hat ein paar alte Liebschaften und gewinnt neue hinzu.
Und er schreibt darüber. In den drei Kurzgeschichten, die dargestellt werden ist er selbst (unter anderem Namen) der Protagonist, und wahrscheinlich weil ich das zugehörige Buch "Späte Liebe" von Singer noch nicht gelesen habe, vermengen sich in meinem Kopf die Geschichten und Personen. Wenn das Absicht war, dann Hut ab, gut hinbekommen, aber ich bin mir da nicht so sicher.
Zwei Frauen bringen sich um, eine fährt in die Wildnis, um dort in einem Zelt zu leben, mit einer hat Max Sex und mit einer anderen streitet er sich rum.
Ich glaube die schönste Szene ist die, in der er sich im falschen Hotelzimmer ohne Geld oder seine Unterlagen für den Vortrag am nächsten Tag hinsetzt, um eine Kurzgeschichte zu schreiben.
Da hab ich ihm abgekauft, dass er Schriftsteller ist.

Demnächst dann noch eine Rezension zu "Späte Liebe", denn zumindest hat mich der Film neugierig auf das Buch gemacht.



P.S.: Dank an's Literaturcafe für das Twitter-Gewinnspiel.

02.04.2009

Bis(s) zum Abwinken [Review]

Eigentlich wollte ich dieses Review ja überschreiben mit: "Bis(s) zum Erbrechen", weil ich mir ziemlich sicher war, dass ich mit dem Buch von Stephenie Meyer (Ja, Stephenie mit drei "e") ziemlich wenig würde anfangen können.

Ich meine schließlich ist es ein Mädchenbuch und Mädchen sind dooof. Grundsätzlich.

Aber was macht man nicht alles, wenn man nichts anderes zu lesen dabei hat und das Buch außerdem von ihr (ihr erinnert euch an sie, die ich nach neun Jahren wiedergesehen habe?) bekommen hat?

Und es tut tatsächlich weh ständig was von "perfekten", "engelsgleichen" Gesichtern und Stimmen lesen zu müssen, ganz zu schweigen von Sätzen wie:

"Während dieses letzten Satzes strahlten seine Augen mit einzigartiger Kraft, und der Klang seiner Stimme war ein einziger, knisternder Lockruf."
Mit hat's nicht nur einmal die Zehennägel hochgedreht...

Aber seltsamerweise funktioniert der Rest des Buches gerade deshalb nur um so besser. Die Dialoge sind unterhaltsam, gefühlvoll und glaubwürdig. Gerade weil beim Rest immer wieder zu dick aufgetragen wird und man man sich immer bewusst bleibt, dass man hier ein Buch vor sich hat, in dem eine Geschichte erzählt wird.

Wer sich mit Fanfiction auskennt, wird den Stil wiedererkennen. Literarischer Anspruch: Null. Spaßfaktor: Bis zum Anschlag.

Also bei mir jedenfalls hat's funktioniert. Aber für mich funktionieren auch Fanfictions. Ich könnte jetzt zwar an ein paar Kleinigkeiten rumnörgeln, aber es wäre nicht mehr als eben das: ein Rumnörgeln an Kleinigkeiten.
Eine Sache sei mir vielleicht doch gestattet anzumerken: Die dramatische Wendung am Schluss des Buches war nett, aber unnötig. Man weiß ja, wie es ausgeht (schließlich gibt es noch mehr Bücher in der Reihe) und nur für etwas Spannung ein neues Fass aufzumachen, wo man zuvor schon mit der ganzen Romantik genug zu tun hatte, muss nicht sein.

Ich weiß nicht, ob ich jetzt gleich Band zwei lesen muss, aber meine Verlobte hat es voll erwischt: Durchlesene Nächte bis(s) zur Erschöpfung, noch ein schneller Besuch im Kino, um den Film zu sehen und eine Sammelbestellung bei Amazon, um die restlichen Bände auch noch zu haben. Und, und, und...

"Twilight" ist ihr neuer Harry Potter.

Ach so. Ich hab noch gar nichts darüber geschrieben, worum es in dem Buch überhaupt geht, aber ich glaub das muss ich auch gar nicht. Man kann das von verschiedenen Seiten sehen. Als Vampir-Geschichte oder als die Romanze eines tollpatschigen Mädchens mit einem Drogenabhängigen, der HIV hat.

Deutlich wird auch der Wunsch Bellas zu einem Vampir zu werden und der Wunsch Edwards, dass sie ein Mensch bleibt.
Warum er so sehr dagegen ist, dass auch sie eine Unsterbliche wird, ist mir allerdings nicht so ganz klar. Wahrscheinlich weil sich die meisten Männer fürchten, dass eine Frau genau so schön und stark und schlau sein könnte wie sie selbst.

Aber da kann ich nur T. Leary zitieren:
"Den Frauen, die so sein wollen wie Männer, mangelt es an Ehrgeiz"

05.01.2009

Druss – die Legende [Review]

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von David Gemmell – Deutsch von Irmhild Seeland

Ich habe mich lange um das Buch herumgedrückt, aus Angst enttäuscht zu werden, denn an „Legend“ von Gemmell kommt so leicht nichts ran, noch nicht einmal Gemmell selbst. Außerdem ist der Krieger mit dem Schwert auf dem Cover reichlich deplatziert, aber was will man machen…

Das Buch fängt mit einem „Zur Sache“ an und lässt konsequent alles aus, was langweilig werden könnte.

Rowena, die Frau von Druss, dem Holzfäller wird von Sklavenhändlern geraubt, kaum dass man sie als Leser kennen gelernt hat und Druss schnappt sich die Dämonenaxt seines Großvaters, um sie sich zurückzuholen. Begleitet und angewiesen vom erfahrenen Krieger Shadak, dessen Sohn von den Schurken (ja, es ist eines von den Büchern, in dem es Schurken gibt) umgebracht worden ist. Von ihm lernt er, dass ein Krieger einem Kodex folgen muss, um nicht zu einem Monster zu werden. Und weil Druss weiß, was aus seinem Großvater geworden ist, macht er das auch.

Es dauert Jahre, bis Druss Rowena schließlich findet, aber sie ist nicht mehr die selbe. Um sie vor ihren prophetischen Visionen zu retten wurden ihre Erinnerungen ausgelöscht und sie liebt inzwischen einen anderen Mann. Einen General, gegen den Druss antreten muss.

Der plot an sich ist so lala, je nachdem ob man auf etwas realistischere Fantasy steht, oder ob am Ende gleich immer die Welt gerettet sein muss und die Figuren sind nicht übel – neben Druss und Rowena vor allem noch der Dichter Sieben, der aus Druss erst eine Legende macht. Aber warum man das Buch gelesen haben muss ist einen kleinen Trick zu erleben, mit dem Gemmell aus dem ganzen mehr macht als irgendeine Geschichte mit einem Axtschwinger. Vor allem Sieben, aber auch andere führen uns immer wieder vor Augen, wie die Geschichte von Druss aussehen würde, wenn sie Fiktion wäre und macht sie damit zu mehr als Fiktion. In einer Fiktion auf die Fiktion hinzuweisen ist ein gewagtes Spiel, aber Gemmell hat ein Händchen dafür.

Und aus dem Grund fallen auch kleinere Schwächen nicht ins Gewicht, sondern lassen sich eher zum Charakter des Buches rechnen.

„Legend“ ist zwar noch eine Ecke besser, aber wenn man sich an schlechter Lektüre den Magen verdorben hat, dann kann man bedenkenlos auf David Gemmell als Rachenputzer zurückgreifen. Dem macht es auch nichts aus, mehrere Jahre ungelesen im Regal zu stehen.

Mann, ich kann immer noch nicht so recht glauben, dass „Legend“ sein Erstlingsroman war. Und noch dazu mit einer so herzerweichenden Entstehungsgeschichte: Gemmell hatte Krebs, der als nicht heilbar diagnostiziert wurde. Um auf andere Gedanken zu kommen, schrieb er „The Siege of Dros Delnoch“ in der die Festung für seinen Körper und die Horden der Nadir für die Krankheit standen. Das Ende ließ er offen, je nachdem, wie sich die Krankheit entwickeln würde. Und siehe da: Der Krebs war nicht tödlich und das Buch ein durchschlagender Erfolg.

Also: Stellt euch jetzt mal vor, ihr würden in ein paar Monaten sterben.

Und jetzt fangt an zu schreiben.

11.12.2008

07.11.2008

Das Sakriversum [Review]

Roman von Thomas R. P. Mielke

Wir befinden uns im Jahre 2018. Die gesamte Menschheit vergeht im Blitz von Neutronenbomben. Die gesamte Menschheit? Nein. Goetz von Coburg, ein Nachkomme des Kathedralenbaumeisters überlebt „zufällig“ als er in den Keller geht, um Bleilettern für die Druckerpresse zu holen. In der Kathedrale stösst er auf entfernte Verwandte, die seit 700 Jahren unter dem Dach des Gotteshauses wohnen – im sogenannten „Sakriversum“, das aufgeteilt ist in Nord und Süd („Bankerts“ und „Schander“) Die Bewohner des Sakriversums sind im Lauf der Jahrhunderte auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft. Diese drei Parteien müssen sich zusammenraufen um überleben zu können.

So. Hmmm. Ja. Doch. Man könnte das Buch mit etwas gutem Willen durchaus lesen. Es ist von der Sprache her nicht schlecht, aber die Story ist einfach viel zu abgehoben. Mystik, Nostradamus, Klone, Religion, das Magnus Opus, der Gral… alles mit reingemischt. Es gibt irgendwie eine verdrehte Art von Sinn und die Moral ist auch klar: Die Angst vor der Vernichtung, bzw. die Dekadenz vernichtet die Menschheit. Aber es gibt logische Löcher noch und nöcher, wie zum Beispiel die drei abgestürzten Artisten, die hässliche Flecke auf den Stufen hinterlassen sollten, dann später aber einfach nicht mehr da sind. Außerdem tauchte die Flugmaschine ein wenig plötzlich auf und die Intrigen des „Königs“ Corvay Llewellyn (letzter echter Prince of Wales übrigends, falls es jemanden interessieren sollte) haben nicht wirklich begeistert.

Zusammenfassung: Die Idee ist an sich nett und ich mag eigentlich auch so Freimaurer-Klon-Computer-Zeugs, aber das Ganze war nicht spannend genug für Fiction und nicht informativ genug für Illuminaten-Literatur. Aber es hat zumindest eine bestimmte Stimmung rübergebracht, was ich an einem Buch sehr schätze.

05.11.2008

Elric von Melniboné [Review]

Roman von Michael Moorcock

Erster Band des Elric-Zyklus

Elric der Albino ist der Herrscher von Melniboné. Sein Körper muss von Drogen unterstützt werden, was von vielen Untertanen als Schwäche ausgelegt wird. Aber dafür hat Elric alle Bücher der Bibliothek gelesen und ist vielleicht der mächtigste Zauberer der Insel. Er weigert sich sein Königtum in so rücksichtsloser Weise wie seine Vorgänger auszuüben. Deswegen versucht Prinz Yyrkoon, sein Cousin beständig an seinem Thron zu sägen. Er geht immer weiter, ohne dass ihn Elric dafür bestrafen würde. Yyrkoon will König werden und Cymoril (seine Schwester und die Geliebte Elrics) heiraten.
Als Melniboné von Barbaren aus dem Süden angegriffen wird, schwächt sich Elric in den Kämpfen so sehr, dass ihn Yyrkoon von Bord des Flaggschiffes werfen kann. Elric ruft nach dem Meereskönig Straasha, der ihn rettet und zurück nach Melniboné bringt. Dort lässt er Yyrkoon und dessen Verbündeten festsetzen, um sie am nächsten Tag hinrichten zu lassen. Doch Yyrkoon gelingt die Flucht von der Insel Melniboné. Er nimmt Cymoril mit sich. Elric schickt alle Schiffe und Drachen auf die Suche nach ihr, aber ohne Erfolg. Schließlich schließt er einen Bund mit dem Schutzdämon seiner Ahnen: Arioch. Er verpflichtet sich dazu ihm zu dienen, wenn er dafür Cymoril wiedergewinnt und sich an Yyrkoon rächen kann.
Von Straasha erhält er das Schiff-das-Über-Land-und-Meer-Fährt, womit er in den Süden aufbricht, wo Yyrkoon über zwei Länder herrscht, deren gemeinsame Hauptstadt durch einen Spiegel geschützt wird, der die Erinnerungen derer stiehlt, die in ihn hineinblicken.
In dieser Stadt (Dhoz-Kam) kommt es zum Kampf zwischen Elrics Truppen und denen von Yyrkoon. Elric hat extra eine Einheit von blinden Soldaten mit sich genommen, um auf den Spiegel vorbereitet zu sein. Dennoch sterben die meisten, als Yyrkoon den Spiegel zerstören lässt und alle Erinnerungen einen neuen Platz suchen, an dem sie bleiben können.
Yyrkoon selbst legt einen Zauberschlaf auf Cymoril und flieht in eine Schattenwelt. Auf Anraten Ariochs folgt ihm Elric ihm und trifft auf einen Gefährten: Rackhir, den roten Kämpferpriester aus Phum, der sich von den Chaosherren losgesagt hat und deswegen in das Schattenreich verbannt wurde. Sie gelangen bis zur pulsierenden Höhle unter dem Sumpf, wo sich die beiden Runenschwerter Sturmbringer und Trauerklinge befinden. Yyrkoon ist schon dort und es kommt zum Kampf zwischen Elric und Yyrkoon. Elric gelingt es sowohl seinen Cousin, als auch den Eigenwillen des Schwertes Sturmbringer zu überwinden. Er weigert sich Yyrkoon zu töten und so ein Spielball der Götter zu sein. Sie kehren nach Melniboné zurück, Yyrkoon weckt Cymoril und alle könnten glücklich sein, wenn nicht Elric ahnt, dass sich Melniboné ändern muss um auch in Zukunft überleben zu können. So beginnt er durch die ‚Jungen Königreiche’ zu ziehen um zu lernen, wie man Melniboné retten kann.

27.09.2008

To your scattered bodies go [Review]



Ein Roman von P. J. Farmer

Ich glaube das erste Buch, das ich von Farmer gelesen habe war "Fleisch", das beweisen sollte, dass Fantasy und erotische Literatur eine Verbindung eingehen können. Man kann darüber streiten, aber für meinen pubertären Lesegeschmack war das damals genau das Richtige.
Ich hab's seitdem nicht weit von Fantasy und SciFi weggeschafft, mein Lesegeschmack muss also immer noch pubertär sein, aber ich verlasse mich einfach mal auf Leute die es wissen müssen, wenn ich behaupte, dass "To your scattered bodies go" ein Klassiker ist, egal welches Genre man bevorzugt.

Warum? Farmer hat eine Art zu schreiben, die ganz unauffällig daherkommt und keine Kunststückchen braucht um zu unterhalten. Dieses Buch ist eines von der Sorte, bei der man sich fragt, warum man schon bei Seite 100 ist, wo doch noch gar nicht so viel passiert ist. Von Seite zu Seite baut sich langsam immer weiter Spannung auf, ohne dass der Leser weiß, wohin ihn diese Spannung führen wird. Und das Ende des Buches ist ein Kliffhanger, der den Griff zum nächsten Band (The fabulous riverboat) zwingend notwendig macht.

Worum geht es in dem Buch? Sir Richard Francis Burton stirbt, aber anstatt in den Himmel oder die Hölle zu gelangen, erwacht er in einem Kraftfeld, umgeben von Abermillionen von nackten Körpern, die teilweise noch im Entstehen begriffen sind. Er schafft es, sich aus dem Kraftfeld zu befreien, wird aber von ein paar Personen in einem schwebenden Boot wieder seines Bewusstseins beraubt.

Er erwacht erneut mit allen erwachsenen Menschen, die jemals gelebt haben (36006009637 bis zum Jahr 2008 in dem ein Alien fast die gesamte Menschheit auslöscht) am Ufer eines Flusses, der sich - wie er später herausfindet - über 32 Millionen Kilometer erstreckt. Er ist nackt, jung, topfit und völlig haarlos, das einzige was er wie alle anderen bei sich trägt, ist ein Metallzylinder, der bald die Bezeichnung "Gral" erhält. Die Grale werden zweimal täglich durch regelmäßig aufgestellte Gralsteine aktiviert und mit Lebens- und Genussmitteln gefüllt. Jeder Mensch erhält also genug zu essen und entlang des Flusses gibt es auch weder Raubtiere noch Schädlinge. Es könnte das Paradies sein, wenn es nicht die Natur des Menschen wäre, sich gegenseitig zu unterdrücken und zu töten.

Wenn ich richtig gezählt habe, bereist Burton 14 Jahre lang die Flusswelt und sieht, wie aus der anfänglichen Anarchie kleine Staatengebilde werden.
Nach und nach beginnt er mehr über die Flusswelt herauszufinden. Er erfährt, dass Menschen die hier sterben, an einem anderen Ort am Fluss wieder aufwachen und dass das Flusstal von unüberwindlichen Bergen begrenzt wird, die höher aufragen als der Mt. Everest. Er lernt auch, dass es einen Mann auf der Flusswelt gibt, mit dem ihn sein Schicksal zu verbinden scheint: Herrman Göring, den er als Herrscher über einen kleinen Sklavenstaat kennenlernt und der mit jeder Inkarnation mehr von seiner Schuld verarbeitet, darüber fast wahnsinnig wird, aber am Ende anscheinend als Priester wieder zu sich selbst findet.
Aber was Burton nicht herausfinden kann ist, warum das alles geschaffen wurde.
Er trifft zwar die Schöpfer dieser Welt, aber sie weihen ihn nicht in ihre Pläne ein bzw. haben widersprüchliche Aussagen darüber.
Burton ist getrieben von der Idee sich ihnen in den Weg zu stellen und ihre Pläne zu vereiteln, denn er glaubt dass die Menschheit nach diesem Experiment einfach vernichtet werden soll.
Er begeht immer wieder Selbstmord, damit er irgendwann möglichst nah am Ursprung des Flusses am Nordpolarmeer des Planeten erwachen kann.
Das Buch endet nach Burtons 777. Tod mit der Warnung der Schöpfer der Flusswelt, dass die Seele des Menschen nur eine begrenzte Anzahl Tode aushält, bevor sie nicht mehr zum Körper zurückfindet.

Der Vorhang fällt und alle Fragen bleiben offen.

Nach dem Stoff gibt es auch einen Film und ein Computerspiel.

11.09.2008

Das Chasarische Wörterbuch [Review]

Ein Lexikonroman von Milorad Pavic

Ich habe das Chasarische Wörterbuch in der Auslage einer Buchhandlung in Hameln entdeckt und habe mich auf der Stelle verliebt. Es gibt so Bücher, die muss man nicht gelesen haben, um zu wissen, dass man sie mag. Sie müssen einem noch nicht einmal wirklich gefallen, man liebt sie trotzdem.

So geht es mir auch mit dem Chasarischen Wörterbuch, einem Lexikonroman in 100.000 Wörtern. Ich habe sie nicht gezählt, aber das ist auch gar nicht nötig. Schon allein die Behauptung besonders zu sein reicht manchmal schon die Besonderheit auszumachen.
Worum es in dem Buch geht ist nicht leicht zu beschreiben. Es geht unter anderem um die Bekehrung der Chasaren, eines Turk-Volkes, das nicht mehr existiert und von deren Poesie nur ein paar Papageien einige wenige Bruchstücke bewahrt haben.

Es geht um die Chasarischen Traumjäger, die aus den Träumen der Menschen den Körper des Übermenschen Adam Kadmon zusammensetzen und um zwei Menschen, die sich gegenseitig träumen. Die Realität des einen ist der Traum des anderen und umgekehrt.
Und es geht um viele andere Dinge. Um Weisheit und Wahnsinn, Liebe und Hass.
Ein Satz aus dem Buch, den ich mir gemerkt habe ist:

"Die Zeit ist der Teil der Ewigkeit, der sich verspätet."


Aufgebaut ist das Buch wie ein dreifaches Lexikon, denn zur Chasarenmission gibt es drei unterschiedliche Standpunkte: Den christlichen, den jüdischen und den moslemischen. Jeder der drei Religionen beansprucht für sich die Chasaren zu ihrem Glauben bekehrt zu haben.

So stößt man immer wieder auf die gleichen Gestalten und Begebenheiten, die mal gleich, mal ähnlich, mal ganz anders erzählt werden. Nicht so schön geradlinig wie im Film "Rashomon", aber was bedeutet schon geradlinig in einem Werk ergodischer Literatur. Ergodisch bedeutet, dass der Leser sich das Buch selbst erarbeiten muss. In diesem Fall ist das grenzwertig, denn man kann das Buch auch normal von vorne bis hinten durchlesen, aber es macht mehr Spaß den Verweisen und Kontradiktionen zu folgen, um sch selbst einen Reim aus dem Ganzen zu machen.
Man verläuft sich unweigerlich darin, aber mir persönlich macht es Spaß mich zu verlaufen.

Eigentlich müsste ich das Buch nochmal lesen, genauer gesagt die "weibliche" Version davon, denn diese unterscheidet sich ein wenig von der männlichen Version, die ich gelesen habe und im Appendix verrät der Autor, dass das Buch nur dann komplett ist, wenn man beide Ausgaben miteinander vergleicht.

Ein Page-turner ist das Buch nicht und ich habe ziemlich lange gebraucht, bis ich damit durch war. Aber es ist anregend. Natürlich war es in Michael Endes Bücherregal zu finden und ich würde mich nicht wundern, wenn es auch noch in den Bücherschränken von anderen Schriftstellern steht, die ich mag.

Fazit: Kein leichtes Buch, für einen Leser vielleicht noch nicht einmal ein gutes Buch, aber für jemanden, der von Büchern mehr erwartet, als dass man sie lesen kann Pflichtlektüre. Denn selbst wenn es nicht immer unterhält, inspiriert es.

10.09.2008

Der Prophet [Review]

Eine Sammlung von Weisheiten von Kahlil Gibran.

Ein weiser Mann bereitet sich vor, die Stadt zu verlassen, in der er lange gelebt hatte und mit dem Schiff in seine Heimat zurückzukehren. Ein letztes Mal wollen die Bewohner der Stadt Orfalîs hören, was er zu den wichtigen Dingen des Lebens zu sagen hat und in klaren, poetischen Worten, die das Herz berühren, sagt er es. Als er das Schiff besteigt wird klar, welches Land das Ziel seiner Reise ist.

"Der Prophet" ist eine Wahrheit unter vielen und es lohnt sich die kurze Zeit zu investieren, die es braucht um die Texte zu Liebe, Kindern, Arbeit, Gebet usw. zu lesen. Man fühlt sich danach ein wenig besser.

25 Jahre lang soll Gibran an dem Buch geschrieben haben. Ich weiß nicht ob das stimmt, oder ob es überhaupt von Bedeutung ist, aber es passt zu dem Buch.

27.08.2008

Die Asche meiner Schwester [Review]



Ich könnte an Cornelias Buch "Die Asche meiner Schwester" herrummäkeln.

Ich könnte ins Detail gehen und all die Dinge zerpflücken, die mich daran stören. Aber ehrlich gesagt mag ich nicht.

Nicht, weil ich Cornelia (zumindest virtuell) kenne, sondern weil es die Erzählung einfach nicht verdient hat.

Gut, vielleicht könnte man sich bei der hauptsatzreichen Sprache ein wenig mehr Getragenheit wünschen, aber andererseits sind die zahlreichen humoristischen Einsprengsel der Erzählerin, die von einem Road-Trip quer durch Europa erzählt, genau das, was dem ganzen Persönlichkeit verleit.

Über Stil kann man sich eben streiten. Ich mag halt Nebensätze, ausufernd mit überbordenden Adjektiven und Verschränkungen, Überlagerungen und Manirismen aller Art...

Der Leser wird von Anfang an in eine Familiengeschichte hineingeworfen, genauer gesagt in das nicht ganz einfache Verhältnis zweier Schwestern. Ein paar sorgfältig gesetzte Schlaglichter bereiten die Bühne für den Hauptteil des Buches vor: Die Asche der kürzlich verstorbenen Schwester nach Nordafrika zu bringen und dort zu verstreuen.

Neben, oder besser hinter der Erzählerin ist noch ein arbeitsloser Psychologe, der die Schwester während eines humanitären Projektes in Indonesien kennen gelernt hat und sein alter Hund mit von der Partie, die wenig mehr sind als ein Kondensationskern, an dem sich die Gefühlswelt der Erzählerin auskristallisieren kann.
Der Hund, der in Afrika zurückbleibt, heißt Napoleon, an den Namen seines Herrchens kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern, so konturlos ist er. Einzig seine zucker-affine Ernährungsweise hallt noch länger nach.
Er erinnert mich an manche jämmerliche Männergestalt aus den Büchern von Binnie Kirshenbaum.

Und wenn wir schon mal bei Literatur von Frauen sind: Man merkt, dass das Buch von einer Frau geschrieben wurde. Etwa weil ich noch nicht mal dem blassen Psychologen den Satz "Danach haben wir es nicht mehr probiert." zutraue, wenn es um Sex geht. So was sagt ein Mann einfach nicht, oder täusche ich mich da?

Aber im Gegensatz zu mancher Fantasy-Literatur ist es gut, dass man das merkt. Fragt mich nicht warum, ich bin kein Held, was die Art von Literatur anbelangt.

"Die Asche meiner Schwester" begnügt sich mit Andeutungen, wenn es um Gefühle geht, aber genau das macht die Stimmung des Buches aus.
Es gibt viele Arten "Die Asche meiner Schwester" zu lesen, aber ich denke die wirkungsvollste ist, das Buch laut vor einem Publikum vorzutragen.

Eine Sache kann ich der Erzählung bzw. Cornelia aber doch vorwerfen: Sie ist knapp unter ihren Möglichkeiten geblieben. So eine Kritik sagt sich leicht, aber ich denke mit ein wenig mehr Abstraktion oder ein wenig mehr methaphorischer Aufladung der Erlebnisse während der Reise hätte das Buch noch ein wenig eleganter sein können.

Ein Beispiel: Während der Fahrt durch Spanien platzt ein Vorderreifen, das Auto der Erzählerin schrammt gegen die Leitplanken und sie trägt eine Platzwunde davon - sonst aber nichts. Keine Erkenntnis, keine Wesensveränderung keinen Wert für die Handlung. Nicht dass man daraus etwas hätte machen müssen, aber man hätte machen können oder man hätte weglassen können.

Trotzdem: Kauft euch das Buch, macht Cornelia reich und euch ein wenig belesener.

26.07.2008

Brot und Spiele [Review]

von Siegfried Lenz

Diesmal wird er nicht gewinnen. So beginnt das Buch über den Langstreckenläufer Bert, geschrieben von seinem Freund, dem Journalisten, der ihn seit dem Tag kennt, an dem sie beide in ein alliiertes Kriegsgefangenenlager gekommen sind.

In Rückblenden lässt er sein Leben ablaufen, seine ersten Erfolge, seine Lebensentscheidungen und seinen Charakterwandel. Und sieht dabei zu, wie er weit vor dem Feld sein letztes Rennen läuft. Aber er ist von Anfang an überzeugt, dass er nicht gewinnen wird. Zum Teil aus Trotz, weil er seinen alten Freund nicht mehr leiden kann.
Und um ehrlich zu sein, ich wusste auch nicht mehr, ob er wirklich am Ende verliert oder nicht, obwohl ich das Buch schon mal gelesen habe.
Das sagt mir, dass es gut geschrieben ist, weil es auch beim zweiten mal spannend zu lesen war und das sagt mir, dass es schlecht geschrieben ist, weil ich mich kaum noch an was erinnern konnte. Aber alles in allem mag ich Lenz. Zumindest mehr als Böll.

22.07.2008

Lotte in Weimar [Review]

von Thomas Mann

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich mich durch den Zauberberg geackert habe und es wird wieder ein paar Jahre dauern, bis ich das nächste Buch von Thomas Mann in die Hand nehme. Denn man kann zwar über seine sprachlichen Qualitäten nichts sagen, aber ich kann mit
dem Buch nichts anfangen.

Charlotte Kestner, das Vorbild für die Lotte in den Leiden des jungen Werther kommt nach Weimar und quartiert sich im Hotel zum Elephanten ein. Eigentlich will sie nur Verwandte in der Stadt besuchen, aber von Beginn an wird sie belagert von Literaturfreunden, Gaffern und
Prominentenjägern.
So kommt es, dass ihr verschiedenste Persönlichkeiten aus der Weimarer Society Gespräche aufdrängen, die sich um Literatur, Goethe, die Zeit nach Napoleon und die Personen aus Weimar drehen. So spricht sie unter anderem mit Goethes Sohn August und zum Abschluss des Buches auch mit Goethe selbst. Ansonsten passiert in dem Buch eigentlich nichts.

Wenn man an der Zeit, den Befindlichkeiten und natürlich an Goethe interessiert ist, hat man mit "Lotte in Weimar" wahrscheinlich ein ziemlich gutes Buch bei der Hand, Fantasyleser finden auch einige Zeilen über Elben und wer hohen Stil und jede Menge fast toter Wörter mag ist
hier richtig. Für den Rest ist das Buch ein Klassiker der übelsten Sorte.

Dabei will ich gar nicht mal sagen, dass es schlecht sei. Ab Seite 100 kommt man langsam in den Lesefluss und man muss sich auch nicht allzusehr quälen, bis man schließlich durch ist, aber trotzdem ist das Buch einfach lahmarschig. Es gibt zwar einen Spannungsbogen, der sich
aus Lottes unausgesprochener Hoffnung ergibt, Goethe noch einmal zu treffen, aber das ist nichts für Thriller-gestählte Leser, vor allem da die letzte Begegnung mit Goethe nur in Lottes Kopf stattfindet. (Ein Hoch auf die Sekundärliteratur, ich hätte das glatt verschnarcht und für bare Münze genommen...)

Mann hat das Buch 1936-39 geschrieben und das merkt man auch. Immer wieder klingt das "Deutsche Schicksal" und der unverständliche Judenhass an, den es schon lange vor den Nazis gab.
Eine Anekdote die Goethe von sich gibt, zielt direkt auf Hitler ab: Erst lässt er nebenbei verlauten, dass eine alte Weltbeschreibung die Deutschen als den Chinesen nicht unähnlich bezeichnet hat und dann gibt er ein chinesisches Sprichwort wieder, dass ein großer Mann ein Unglück für das Volk sei. Die Runde um Goethe lacht darüber, aber Lotte ist es bei dem Gedanken unwohl.

Thomas Mann hat sein ganzes Wissen und seine ganze Seelenverwandtschaft mit Goethe in das Buch gepackt, wie viel man davon brauchen kann muss jeder selber wissen.

07.07.2008

H1 [Testfahrt]



2,20 m Seitenbreite, ein Verbrauch von mindestens 30 l auf 100 km und eine serienmäßig eingebaute Auffallgarantie - das ist der Hummer H1 und ich konnte am Wochenende 2 Stunden mit so einem Monster in Richtung Ammersee fahren.

Es war ein Erlebnis. Besonders wenn man wie ich kein Automatikgetriebe gewöhnt ist oder Bremsen, die auf der Stelle greifen und nicht erst nach den ersten Zentimetern. Das kombiniert mit einem Tankinhalt von 120 Liter, einem Leergewicht von 3.559 kg und was sonst noch so an einem Auto zerrt und man kommt sich schnell vor als würde man einen Tanker der Panamax-Klasse steuern, nur halt mit Rädern und funktionierenden Bremsen.

Ich kann euch sagen es dauert seine Zeit bis sich das Ding vor einer plötzlich auf rot springenden Ampel ausgeschaukelt hat...

Aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran - muss man auch, schließlich hat man genug damit zu tun, darauf zu achten, dass man keine parkenden Autos, Radfahrer oder Straßenschilder mitnimmt.



Ich kenne mich mit Autos nicht so besonders aus, aber der Hummer H1 ist erstaunlich dezent in seinem Auftreten, zumindest wenn man hinter dem Lenkrad sitzt. Sein Motor röhrt nicht, die Hupe unterscheidet sich nicht von anderen Hupen und dank Servolenkung fährt er sich wie jedes andere Auto. Ich habe Kleinwagen gefahren, die schlimmer waren.

Was er drauf hat, zeigt der H1 erst im Gelände. Ich hab's nicht ausprobiert, aber 76 cm Wattiefe in Gewässern, die Fähigkeit 56 cm hohe Stufen zu Überwinden und 41 cm Bodenfreiheit sprechen für sich.



Dieses Ding ist definitiv kein Auto, mit dem man eben mal zum Einkaufen fährt. Und wenn doch, dann kann man sich sicher sein, dass man egal wie viel man einkauft immer noch Platz für's Ego hat...

Hier noch ein Bild von mir und meinem Ego nach der Fahrt:

01.07.2008

Mermaid Avenue

von Binnie Kirshenbaum


Die Geschichte von Monarose und ihrer Freundin Edie. Mona währe eigentlich ein normales, sittsames Mädchen geworden, das ihre Leidenschaft mit Schnulzen befriedigt, wenn sie nicht auf Edie getroffen währe, die mit den Männern wie mit dem Leben gleichermaßen spielt. Nach einigen erhellenden Eskapaden beschließt Edie zu heiraten und obwohl Monarose bis zum Ende hofft das das Ganze ein schlechter Scherz sei, zieht sie es bis zum Ende durch und die Freundschaft der beiden leidet sehr darunter, wenn sie nicht endgültig daran zerbricht.
Schließlich hat Monarose nun keinen Antrieb mehr, der sie vor ihrem langweiligen Leben bewahrt…

Kurzer Abriß meiner Karriere als Ehebrecherin

Geschichtensammlung von Binnie Kirshenbaum

In kurzen Geschichten wird vom Leben einer jüdischen New-Yorkerin erzählt (dass sie Jüdin ist, hat zwar Bedeutung, aber gläubig ist sie kein Bisschen). Neben ihrem Mann (von dem man so gut wie gar nichts erfährt) hat sie zwei Liebhaber: Den „Killer", einen italienischstämmigen Geschichtsprofessor und ein Medienkünstler. Außerdem ist da noch der „Mann ihrer Träume"… Ziemlich bald und ziemlich genau erfährt man dann von den Macken ihrer Liebhaber, die eigentlich gar keine Macken sind, sondern Eigenheiten, mit denen die Protagonistin auf Dauer nicht zurechtkommt.
Schließlich stirbt der Medienkünstler an Herzversagen und sie verlässt den „Killer", als er beginnt zu versuchen ihr Leben in geordnetere Bahnen zu lenken. Glücklich ist sie am Ende nicht, aber zumindest hatte sie eine aufregende Zeit.
Keiner den ich kenne, kann so schön über Sex schreiben wie Binnie Kirshenbaum. Und keiner macht die Männer auf eine so hinterhältige und gleichzeitig verzeihliche Art und Weise zur Sau. Waschlappen und Machos können gleichermaßen noch eine ganze Menge von ihr lernen.

Das Königsprojekt [Review]



Ein bayerisch/römisch/schottischer Fantasy-Roman von Carl Amery.

Man nehme: Die Zeitmaschine (MYST - Macchina Ingeniosa Spazio-Temporale) von Leonardo da Vincy, eine Geheimorganisation der Katholischen Kirche, die diesen bedauerlichen Fehler mit Martin Luther abschwächen will und die Erbfolge der schottischen Könige, die über ein paar Umwege (siehe Thronfolge, Legitime) zu Rupprecht, Kronprinz von Bayern führt.
Nun klingt das mit der Zeitmaschine wie eine gute Idee, aber die Sache hat natürlich einen Haken: Man kann nur Dinge ändern, die nicht im Widerspruch zur Quellenlage stehen. D.h., als man versuchte Luther zu ermorden hat sich der katholische Agent wegen eintretendem Paradoxon ("Mein Gott, Marty! Ein Paradoxon!") in Luft aufgelöst und voila! die Teufel-Tintenfass-Episode war geboren.
Also reist der Schweizergardist Füßli durch die Zeiten, um Begebenheiten zu ändern, die zwar ihn keiner Quelle auftauchen (oder nur einige Buchstaben verändern), aber das berühmte Zünglein an der Waage sein könnten. Schließlich (bevor er desertiert) sorgt er dafür, dass eine vereinigte Streitmacht von königstreuen Bayern und Schotten den Stone of Scone in die Finger bekommen und schnurstracks zum wahrlich mytischen Ende des Buches marschieren können.

"Das Königsprojekt" ist ein Buch das Spaß macht. Es ist nicht so verschroben wie "Das Geheimnis der Krypta" und hat die richtige Mischung aus Fakten, Fiktion, Action und tiefgründigen Gedanken. Kann ich guten Gewissens auch Leuten empfehlen, die noch nie von Carl Amery gehört haben.



Thronfolge, Legitime: Man möchte es nicht glauben, aber die legitime Thronfolge der Britischen Inseln verläuft nach einer Lesart (der Jakobitischen Lesart) folgendermaßen:

  • 1701 - 1766 Jakob III (Jakob VIII nach schottischer Zählung). Lebte im französischen Exil. Sein Sohn Charles Edward wollte sein Reich zurückgewinnen, was ihm aber nicht gelang.
  • 1766 - 1788 Karl III., alias "Bonnie Prince Charlie" heiratete eine Gräfin von Stolberg. Die Erbfolge ging über auf seinen Bruder
  • 1788 - 1807 Heinrich IX, der ein Kardinal der Kirche wurde. Per Testament gingen seine Rechte an seinen nächsten gesetzlichen Erben, also Carlo Emmanuele IV. König von Sardinien. Ihm folgte sein Bruder
  • 1819 - 1824 Vittorio Emmanuele I., dann dessen Tochter
  • 1824 - 1840 Maria, die 1812 Franz IV., Herzog von Modena heiratete.
  • 1840 - 1875 Deren Sohn Francesco (Herzog von Modena) heiratete 1842 Adelgunde von Bayern und starb ohne Nachkommen. Das Erbe ging an seine Nichte
  • 1875 - 1919 Maria Theresia, Königin von Bayern und danach an ihren Sohn
  • 1919 - 1955 Rupprecht, Kronprinz von Bayern. Von ihm wiederum an dessen Sohn
  • 1955 - 1996 Albrecht Luitpold, Prinz von Bayern und von dem an
  • 1996 - heute Franz Bonaventura Adalbert Maria Prinz von Bayern.

Franz von Bayern ist für die Jakobiter "Francis II., König von England, Schottland, Irland und Frankreich". Er ist kinderlos, sein Nachfolger wird Max Emmanuel Prinz von Bayern. Der nebenbei gesagt auch noch der Repräsentant von Pharao Ankhenkeres von Ägypten ist. UND natürlich durch das Haus Lusignan der rechtmäßige König von Zypern und Jerusalem.

Ja Himmelherrgottsakramentnoamoi! Des hätt se no ned amoi Ludwig III. - Gott hab ihn selig - dramma lassn!

Das Ganze ist ungefähr so ernst zu nehmen wie die Behauptungen, dass das Deutsche Reich weiter existiert.

Aber ziemlich interessant. Wer mehr über die Jakobiten wissen will, wird hier, hier und hier fündig.

Was ich so lese