20.07.2014

JuLy im Juli in Giesing

Worum geht's? Um das Programm "Zeitwärts" von JuLy, das ich gestern gesehen habe.

Um es kurz zu machen: Ich verstehe nach wie vor nichts von Lyrik, aber es war schön mir selbst dabei zuzuschauen, wie sich mein Gehirn neu kalibriert hat. Irgendwann war es schon damit zufrieden, dass jemand zu dudelnder Hintergrundmusik die Namen von Kühen vorgetragen hat, um ein paar Endorphine rauszulocken. Irgendwann hab ich es aufgegeben auf Reime zu hoffen und als sie dann doch noch kamen, haben sie mich um so glücklicher gemacht.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass es nicht reicht seine Gedanken mit bedeutungsschwangerer Stimme vom Blatt abzulesen um daraus Lyrik zu machen. Horaz hätte vielleicht gesagt: "Parturient montes, nascetur ridiculus mus"

Ich sage: Was für ein wundervoller Blödsinn und Tiefsinn! Keine 50 Meter entfernt schlafen die Obdachlosen vor dem Giesinger Bahnhof ihren Rausch aus während ich ein Teil der Zuhörmaschine bin und mich mit Lyrik zudröhne. Und ich frage mich, wer mehr zahlen musste und wer sein Geld besser investiert hat.
Die Antwort ist einfach: Ich natürlich. Denn auf die 10 % für die es sich lohnt, kann ich mich verlassen. 
In diesem Fall war das Florian Beier mit seinem Rap, seiner Frage, warum er mitten in der Nacht an einer roten Fußgängerampel steht, während andere was aus ihrem Leben machen und nicht zuletzt seinem fulminanten Aufruf zu leben, zu lieben und um Gotteswillen Fehler zu machen.

In diesem Sinn lasse ich Samuel Beckett das letzte Wort: All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

Was ich so lese