07.05.2008

Auf der Straße nach Oodnadatta

Eine SciFi-Sammlung von Wolfgang Jeschke.

Ich stelle immer wieder fest, dass SciFi aus Osteuropa sehr seltsam sein kann. Und so stammen alle Texte in dieser Sammlung, die ich richtig gut fand aus der sogenannten westlichen Welt - aber auch da war einiges dabei, über das ich nur mit vielen Fragezeichen schreiben könnte.

Hier meine Favouriten:


Tendeleo's Geschichte von Ian McDonalds

Diese Geschichte beginnt im Herzen Afrikas. Ein Himmelskörper, den die Einwohner routiniert ein "Paket" nennen zieht seine Bahn über den Himmel und schlägt in einiger Entfernung ein. Die Bewohner von Tendeleo's Dorf wissen, dass dieses Paket Keimzellen des Chaga in sich trägt, einer rätselhaften Substanz, die mit Nanomaschinen die Materie Afrikas und der ganzen südlichen Hemisphäre umwandelt in etwas, das mich von der Beschreibung an Stanislaw Lems Planeten Solaris erinnert hat. Über eine
lange Zeit hinweg erlebt der Leser mit wie das Mädchen Tendeleo zur jungen Frau wird und die Menschen vor dem Chaga in die immer weiter zusammenschrumpfenden Fluchtzonen zurückweichen. Tendeleo gelingt es mit einem UN-Identifikations-chip nach England zu fliehen, wo die Perspektive auf den jungen Mann übergeht, mit dem sie zusammenkommt.
Aber ihr Glück ist nicht von langer Dauer. Mit dem Chaga in Berührung gekommen heilen Wunden bei Tendeleo unnatürlich schnell und aufgrund der Quarantänebedingungen wird sie zurück nach Afrika geflogen. Ihr Geliebter folgt ihr und spürt sie mit Hilfe des UN-Chips schließlich auf. Aber Tendeleo will nicht mehr zurück nach London. Sie führt ihren Geliebten mitten hinein ins Chaga, wo die Menschheit eine neue Stufe der Evolution betritt und eine Kultur zu schaffen beginnt, die auf Nano-Technologie aufbaut.

Wunderschön athmosphärisch, wundervoll abseits von vielenSciFi-Klichees. Hat mich auch an "Double Vision" von Tricia Sullivan erinnert.


Der Vigilant von Dirk Strasser

Eine der kürzeren Geschichten in dem Band, die auf die richtige Weise Lust auf mehr macht. Ein Vigilant dreht seine einsamen Runden, um zu verhindern, dass die zerstörerischen Emotionen der Menschen Löcher in die Realität reißen, durch die Monster in unsere Welt gelangen können.

Kein Meisterwerk, aber ich fand es schön zu sehen, dass Strasser die Story nicht durch zu viele Informationen verdorben hat, was leicht hätte passieren können.


Das Draht-Kontinuum von Stephen Baxter und Arthur C. Clarke

Auch kein Meisterwerk, aber von zwei Meisern geschrieben und somit muss fast zwangsläufig etwas gutes dabei herauskommen. In diesem Fall eine Alternate-History-Geschichte über Teleportation, die Baxter und Clarke die Möglichkeit gibt aus ihrem reichen Fundus von SciFi-Wissen zu schöpfen. Wie nimmt zum Beispiel eine Welt in der Teleportation ganz normal ist ein Remake des Films "Die Fliege" auf?


Die Welt ist eine Wahrscheinlichkeit von Florian F. Marzin

Ich hab wirklich versucht herauszufinden, warum mich diese Zeitreisegeschichte so gefesselt hat und ich weiß es einfach nicht. Vielleicht ist es die richtige Mischung aus Abenteuergeschichte (das Ganze spielt teilweise 1861 in Australien), die den kleinen Jungen in mir anspricht und vielen Details, die das Ganze lebendig werden lassen. Oder vielleicht liegt es daran, dass Marzin ganau das richtige Maß an offenen Fragen übrig lässt. Die Geschichte verändern - ja. Aber dadurch wirklich etwas ändern?

Was ich so lese