18.01.2008

Sachen die ihr einfach nicht falsch machen könnt 2: Zwischen den Zeilen

Es gibt eine Sache, auf die (Literatur)Kritiker total abfahren: Verweise, Gleichnisse und verborgene Anspielungen. Und das aus dem einfachen Grund, weil Kritiker schon per definitionem schlauer sind als normale Leser und eben viele Dinge sehen, die andere nicht bemerken. Und seihen wir doch mal ehrlich: Alle sind Kritiker und glauben mehr zu sehen als andere ^__^

Deshalb hier eine simple Methode euren Text aufzuwerten, indem ihr ihm eine zweite (oder auch eine dritte und vierte Ebene gebt). Und das beste daran: Ihr könnt wieder mal (fast) nichts falsch machen.

Vielleicht kennt ihr ja den Film "Die Insel", der neulich mal im Fernsehen lief. Da geht es um zwei Klone, einen Mann und eine Frau, die es schaffen aus ihrer Klonfabrik auszubrechen, ihren Verfolgern zu entkommen und schließlich ihre gefangenen Mit-Klone zu befreihen. So weit so simpel. Einfache Story, von der 50 % auch noch durch eine Verfolgungsjagd eingenommen wird.

Aber durch drei einfache Szenen wird daraus ein Bissi mehr:

Ziemlich am Anfang erzählt der Leiter der Fabrik, dass die Klone auf dem Stand von 15-Jährigen sind, völlig unschuldig und ohne ein Konzept von Sexualität.

Mal abgesehen davon, dass ich den 15-jährigen sehen möchte, der kein Konzept von Sexualität hat, sind "Unschuld" und "Mann und Frau" die ersten Hinweise. Klingelt da schon was?

Wenn nicht, bekommen wir kurz darauf einen zweiten Hinweis, diesmal in Form einer Klapperschlange, die den beiden über den Weg läuft. So weit ich mich erinnern kann das einzige Tier im ganzen Film. Und da die Schlange für die Handlung nicht notwendig ist, führt sie uns auf eine zweite Wahrnehmungsebene.

Zuletzt bekommt der männliche Klon vom PR-Verantwortlichen der Klonfabrik einen Apfel angeboten, den er natürlich ablehnt.

Spätestens jetzt ist alles klar: Unschuldiges Pärchen trifft auf eine Schlange und ihnen wird ein Apfel angeboten.

Im Rausch der Action kann sowas schon mal untergehen, aber es gibt genügend Leute, die ein Auge für so was haben und sogar ihr Geld damit verdienen.

Darüber kann man trefflich diskutieren. Der Klon lehnt den angebotenen Apfel ab und haut dem PR-Menschen stattdessen eines über die Rübe, ist das jetzt besser als das, was seinerzeit Eva gemacht hat? Sind PR-Menschen, die Schlangen von heute? Usw. usf...

Also überlegt euch, ob euer Text es verträgt eine weitere Bedeutungsebene aufzunehmen und wenn ja, was zu euren Text passt. Schlimmstenfalls passt die zweite Ebene nicht zur Geschichte (Für "Die Insel" hätte man vielleicht auch noch die Flucht aus Ägypten verwenden können, aber die restlichen biblischen Geschichten wären dafür wahrscheinlich ziemlich banane - und außerdem nicht so schön aufzulösen) oder eure Leser bekommen nichts davon mit.

Beides ein eher kleines Risiko, bei relativ kleinem Aufwand, so dass es sich echt mal lohnt darüber nachzudenken.

Was ich so lese