Posts mit dem Label Peter S. Beagle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Peter S. Beagle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

07.06.2008

Tamsin [Buch Review]

ein Roman von Peter S. Beagle

Ich würde diesen Roman in die Kategorie "Jugendbuch" einordnen, erwartet also nicht von mir, dass ich in Begeisterungsstürme ausbreche. Es ist unverkennbar ein Beagle, aber meiner Meinung nach nicht sein bestes Buch.

Was damit beginnt, dass er sich unglaublich viel Zeit dafür lässt die Handlung in Gang zu bekommen, oder zumindest in die Nähe von etwas zu gelangen, das wie eine Handlung aussieht. Das ist ganz nett, um die Figuren kennen zu lernen, aber über weite Strecken kommt entspannte Langeweile auf. Nicht wirklich störend, weil man gern liest was Beagle schreibt, aber auch kein Pageturner.

Jenny Gluckstein ist ein junges New Yorker Mädchen, das nichts so leicht erschüttern kann, abgesehen davon, dass ihre geschiedene Mutter zu ihrem zukünftigen neuen Mann nach England aufs Dorf zieht und Jennys Katze "Mr. Cat" ein halbes Jahr lang in Quarantäne muss.

Jenny landet also auf Stourhead Farm in Dorset und man möchte meinen, dass sie sich nach all den Jahren in New York dort zu Tode langweilt, aber so ist es nicht. Erstens findet sie tatsächlich Freund in der Schule und in ihren neuen Familienmitgliedern und zweitens wäre die 300 Jahre alte Farm nicht komplett ohne all die übernatürlichen Wesen, die sich so in Dorset herumtreiben. Die Wilde Jagd, Boggarts, Der Schwarze Hund, der Unheil vorhersagt, der Pooka und natürlich der Geist von Tamisn Willoughby, der Tochter des einstigen Gründers der Farm, die an den Folgen einer Gewitternacht gestorben ist.
Jenny lernt Tamsin kennen und bemüht sich langsam hinter ihr Geheimnis zu kommen, was nicht ganz so einfach ist, da Tamsin die wichtigsten Erinnerungen so tief in sich verborgen hat, dass sie fast nicht mehr an sie herankommen kann.
Und bevor der große Showdown alles aufklärt driftet Jenny selbst in eine Zeit ab, die weder heute noch damals ist.

Interessant finde ich wie das Buch geschrieben ist. Jenny erzählt die Geschichte selbst und streut immer wieder ein, dass sie in dieser Erzählung noch einige Sachen ändern muss und nicht besonders gut im Erzählen ist. Ein netter Kniff um das Ganze glaubwürdiger zu machen.

Eigentlich hätte aus der Geschichte ein Film für Disney werden sollen (mit leicht veränderten Figuren) , was aber nicht geklappt hat. So ist ein Roman daraus geworden, der vielleicht irgendwann einmal verfilmt werden wird.

Zu kaufen gibt es Tamsin bei Conlan Press.

16.05.2008

Strange Roads

Lisa Snellings-Clark ist eine Künstlerin, die sich irgendwo zwischen Malerei und Bildhauerei tummelt - und zur Literatur hinüber schielt. So ist in Zusammenarbeit mit ihr eine auf 1000 Stück limitierte Buchserie enstanden, zu der neben Neil Gaiman und anderen auch Peter S. Beagle beigetragen hat.

Die Idee dahinter ist folgende: Der jeweilige Autor bekommt ein paar der Werke von Snellings-Clark und starrt so lange darauf, bis ihm eine Geschichte dazu einfällt. Beagle hatte mit dieser Methode anfangs seine Probleme und "King Pelles the sure", die erste der Geschichten, die von einem König handelt, der auch mal einen Krieg führen will und damit fürchterlich auf die Nase fällt, finde ich auch nicht besonders gelungen. Sie bleibt unter den Möglichkeiten von Beagle zurück.

Das machden die beiden anderen Geschichten aber mehr als wett.

In "Spook" geht es um einen Geist, der einem Mann unnötig das Leben schwer macht. Die beiden einigen sich auf ein Duell und da man Geister ja nicht mit Pistolen oder Schwertern angehen kann, bekämpft man sich in diesem Duell mit grottenschlechten englischen Gedichten. Ich kannte bisher nur die Vogonische Posesie und Friederike Kempner, das war eine echte Bildungslücke und hat viel Spass gemacht zu lesen.

Die andere Geschichte "Uncle Chaim and Aunt Rifke and the angel" schlägt ernstere Töne an. Onkel Chaim ist ein Maler. Eines Tages steht ein Engel in seinem Atelier und verlangt von ihm, dass er nur noch diesen Engel malen soll. Nach einer Weile wird klar, dass mit diesem Engel irgendwas nicht stimmen kann und Tante Rifke behauptet sogar, dass ein Dybbuk in dem Geist steckt...

Zusammen mit den Bildern von Snellings-Clark eine runde Sache. Wie immer zu haben bei Conlan Press.

19.04.2008

The rhinoceros who quoted Nietzsche

and other odd acquaintances.

Eine Kurzgeschichten- und Essaysammlung von Peter S. Beagle

Also ehrlich, selbst ein Peter S. Beagle kann es mit den Einhörnern übertreiben. Neben dem letzten Einhorn tummeln sie sich soweit ich bisher gelesen habe in "Unicorn Sonata", "Two hearts" und auch in dieser Sammlung.

Im namensgebenden "Professor Gottesman and the Indian Rhinoceros" tarnt es sich als sprechendes indisches Nashorn, das die Geschicke des Philosophieprofessors bis zu seinem Ende begleitet und dabei immer wieder ausgiebig in seiner Badewanne planscht.
Die Geschichte an sich ist nicht schlecht, aber für einen Text, der sich um die Philosophie dreht hat er ziemlich wenig Philosophie enthalten. Außerdem wird's mir langsam zu viel mit den Einhörnern...

Auch in "Julie's Unicorn" geht es um ein Einhorn. Diesmal eines, das keine 15 cm hoch ist und in einem Bildteppich in einem Museum gefangen ist. Es wird befreit und Juli versucht es zusammen mit ihrem Freund an einen Ort zu bringen, an dem es gut aufgehoben ist.

"Come Lady Death" hat mich an "Die Maske des roten Todes" von Poe erinnert. Eine gelangweilte Edeldame schickt dem Tod eine Einladung zu einem ihrer Bälle. Dabei stellt sich nicht nur heraus, dass der Tod ein junges Mädchen ist, sondern auch, dass sie schon viel zu lange der Tod war und alles seinen Preis hat.

In "Lila the werewolf" dreht sich alles um die Probleme, die man hat, wenn die eigene Freundin ein Werwolf ist.

Für "The Naga" leiht sich Beagle die Stimme von Plinius dem Älteren, der von einem Reisenden die Geschichte vom König von Kambuja, einem Land östlich von Indien und dessen Geliebten der Naga gehört hat.

In der Sammlung sind auch zwei ältere Geschichten aus der Jugend Beagles enthalten, die sein Geschick für feinfühlige Personenbeschreibungen und sein Einfühlungsvermögen zeigen.

In "Telephone Call" ruft eine junge Frau im Studentenwohnheim an, um ihren Freund zu sprechen, der angeblich dort wohnt. Reihum versuchen alle Bewohner ihr klar zu machen, dass sie getäuscht wurde.

"My daughter's name is Sarah" ist ein Ausschnitt aus dem Leben eines Mannes, der offenbar allein mit seiner Tochter zusammenlebt.

Abgerundet wird das ganze von einigen Essays, die aber Themen von eher US-Amerikanischen Interesse behandeln und mich nicht sonderlich interessiert haben.

Was zurückbleibt ist bei diesem Band weniger die Qualität von Beagles Sprache (obwohl noch weit über dem Durchschnitt) sondern die Bandbreite an Themen und Stilen, die er in Petto hat.

Für Beagle-Fans empfehlenswert, für den Rest eher nicht. Erhältlich bei Conlan Press.

08.04.2008

The line between

Eine Textsammlung von Peter S. Beagle.

Ich wusste, dass Peter S. Beagle gut ist, aber ich wusste nicht, wie weit seine Bandbreite reicht. Auch wenn das langsam ermüdend wird, weil ich es immer wieder sage: Der Mann ist einfach gut!

Noch hab ich nicht alle Bücher gelesen, die ich bei Conlanpress bestellt habe, also werde ich noch ein paar mal einen Lobgesang nicht auf Leibowitz sondern auf Peter S. Beagle singen.

Der Band enthält folgende Geschichten:


Gordon, the Self-Made Cat

Was passiert, wenn sich eine Maus in den Kopf gesetzt hat auf die Katzenschule zu gehen? Wenn sie nicht nur aufgenommen wird, sondern auch noch um den Platz des Jahresbesten kämpft? Wie reagieren die Katzen darauf? Und wie die Mäuse? Diese Geschichte erzählt es auf eine sehr unterhaltsame Weise.


Two Hearts

Der Auftakt zur Fortsetzung von "Das letzte Einhorn". Hier von mir besprochen.



Four Fables — (The Fable of the Moth, The Fable of the Tyrannosaurus Rex, The Fable of the Ostrich, The Fable of the Octopus)

Vier nette Fabeln, von denen mir die Fabel des Straußes am besten gefallen hat. Die Strauße stecken ihren Kopf bei Gefahr in den Sand, was aber überhaupt nichts bringt - die Löwen fressen sie trotzdem. Das geht so lange bis ein junger Strauß schnurstracks zum König der Löwen läuft und ihn darum bittet ihm zu bestätigen, dass die ganze Kopf-in-den-Sand-Steckerei nichts bringt, und was die Strauße denn statt dessen machen könnten. Die Antwort des Königs: nicht den Kopf eingraben, sondern den Körper. Was sie Strauße dann auch machen. Und es wirkt! Denn die Strauße sehen eingegraben derart bescheuert aus, dass sich alle Raubtiere halb tot lachen...


El Regalo

El regalo erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, deren Bruder eine Hexe ist. Kein Hexer oder Magier, sondern schlicht eine Hexe. Er ist noch nicht besonders gut, kann aber in die Vergangenheit reisen und seine Schwester mit seinen Hexereien ordentlich auf die Palme bringen. Was recht harmlos beginnt entwickelt sich überraschend zu einem Machtkampf zwischen Magiern in dem beide Kinder mehr über sich herausfinden, als ihnen lieb ist.


Quarry

Quarry ist das Prequel zu "The Inkeeper's Song" und erzählt wie sich die Hauptpersonen (der Erzähler und ein Fuchs-Gestaltwandler) kennen gelernt haben. Ich kenne "The Inkeeper's Song" noch nicht, aber ich werde das schleunigst nachholen, denn in dieser Geschichte zieht Peter S. Beagle andere Seiten auf. Die dreckige Realität der Fantasy-Welt in der das Ganze spielt erinnert mich ein wenig an David Gemmell und das Ganze ist um einiges action-betonter als die anderen Geschichten. Hier wird gekämpft, in Mistwägen versteckt und aus fleischfressenden Pflanzen, die sich als Häuser tarnen herausgezogen, dass es eine wahre Freude ist...


Salt Wine

Und wieder schlägt Beagle einen neuen Ton an. Diesmal den eines alten Seemannes, der von seinem Freund erzählt, der einem Nix (Meermann) das Leben rettet und dafür das Rezept für Salzwein bekommt. Er wird dadurch reich, heiratet und lebt ein gutes Leben. Aber dann erkennt der Erzähler, dass sich diejenigen, die von diesem Wein trinken in die Gefahr begeben sich selbst in Nixe und Nixen zu verwandeln...


Mr. Sigerson

Irgendwo in der hinterletzten osteuropäischen Provinz gibt es ein Orchester, das eines Tages eine neue erste Geige bekommt: Herrn Sigerson, bei dem es sich um niemand anderen handelt als den Meisterdetektiv Sherlok Holmes, der dringend eine Auszeit braucht. Aber wo Holmes ist, da ist auch ein Verbrechen, wo wäre sonst der Spass an der Sache und so macht er sich mit dem Orchesterleiter, aus dessen Sichtweise diese Geschichte erzählt wird auf, um eine betrügerische Ehefrau zu enttarnen, was auch gelingt. Aber Holmes rechnet nicht damit, dass er in der Provinz auf einen Kontrahenten stößt, der ihn zum ersten Mal seit langer Zeit an sich selbst zweifeln lässt.


A Dance for Emilia

Wie ich finde die schwächste Geschichte wenn auch vielleicht die überraschendste Geschichte in der Sammlung. Ein Schauspieler erzählt vom Tod eines Freundes, der Tänzer werden wollte, es aber nicht geschafft hat. Er erzählt auch von der schwierigen Zeit danach und von der alten Katze seines Freundes, die plötzlich zum Mittelpunkt der Handlung wird.

02.04.2008

The unicorn sonata

Ein Roman von Peter S. Beagle

Josefine Rivera ist ein ganz normales Mädchen in einer typischen amerikanischen Kleinstadt (also eine große Shoppingmall mit ein paar Häusern drum herum). Sie geht zur Schule, besucht regelmäßig ihre Großmutter im Altenheim und jobbt im Musikladen von Herrn Papas.

Eines Tages während Sie den Laden hütet, betritt ihn ein unwirklich schöner junger Mann, der ein Horn anzubieten hat, das schönere Melodien erzeugt, als Josefine sie je gehört hat. Aber Indigo - so der Name des jungen Mannes - akzeptiert als Zahlungsmittel nur Gold und Papas besitzt zwar Gold aber nicht genug.

So verlässt sie Indigo wieder aber die überirdische Musik hat sich in Josefines Herzen festgesetzt. Sie folgt ihr in der Nacht durch die Straßen der Stadt, bis sie die Grenze überschreitet.

Die Grenze nach Shei'rah, wo Satyrn und Einhörner, Flussnixen und selten auch ein Mal ein Mensch leben und alles von dieser Wundervollen Musik durchflutet ist.

Josefine findet Freunde in Shei'rah, lernt aber auch die Gefahren kennen und findet heraus, dass die Einhörner von einer unerklärlichen Krankheit befallen werden, die sie erblinden lässt und nicht alle Einhörner in der perfekten Welt von Shei'ra glücklich werden.

Das ist auch der Grund, warum Indigo sein Horn verkaufen und in der Welt der Menschen leben will.

In "The unicorn sonata" gibt es keine Bösewichte, keine Aufgabe, die zu erfüllen ist und keine Prophezeiung, die im Halbdunkel gemurmelt wird, auf atemlose Spannung darf man also nicht hoffen. Auch nicht auf eine vielschichte Story, die sich clever entwickelt und alle Leser mit sich zieht. Mit etwas mehr als 150 Seiten ist die Geschichte mehr eine Anregung für die eigene Phantasie und wenn Josefine ihre eigene Musik gefunden hat, bleibt es dem Leser selbst zu entscheiden ob und wann sie wieder nach Shei'Rah zurückkehren wird.

Aber es gibt Charaktere, die voller Leben sind und Peter S. Beagles Sprache, die der Musik der Einhörner würdig ist.

Und es gibt die Illustrationen von Robert Rodriguez. Schon allein deswegen, mag ich das Buch.

Wenn ich "The unicorn sonata" vergleichen müsste, dann mit einem Musical aus der Zeit von Gene Kelly und Frank Sinatra. Es passt nicht in die Gewohnheiten unserer Zeit, aber ist gerade deshalb so schön, wenn man sich nur darauf einlässt.

Wenn Ihr das Buch kaufen, oder noch besser an einen jungen Leser eurer Wahl verschenken wollt, bestellt es am besten bei Conlan Press, dann bekommt ihr ein signiertes Exemplar und Peter S. Beagle hat auch was davon.

---
Findest Du nicht gut? Schick mir Deine Kritik!
Findest Du gut? Schenk mir ein Buch!
Findest Du sehr gut? Dann spenden

25.03.2008

A fine and private place

Ein Roman von Peter S. Beagle

Jonathan Rebeck lebt seit 19 Jahren auf dem Yorkchester-Friedhof der Bronx in New York. Er wohnt in einem Mausoleum und ein Rabe bringt ihm alles was er braucht: Essen, Nachrichten von der Außenwelt und auch Schachfiguren, damit er mit den Toten spielen kann.

Denn Rebeck hat das Talent die frisch verstorbenen zu sehen und mit ihnen sprechen zu können. Er ist Ansprechpartner für sie, Mentor und Freund.

Rebeck gefällt sich in dieser Rolle, denn er hat Angst davor den Friedhof zu verlassen. Seine Apotheke ging bankrott und er hat draußen niemanden, der es wert wäre, für ihn in die Welt zurückzukehren.

Sein Leben beginnt sich erst zu ändern, als er die Witwe Gertrude Klapper kennen lernt, die auf dem Friedhof das Mausoleum ihres Mannes besucht. Gleichzeitig entspinnt sich zwischen den jüngst Dahingeschiedenen Michael und Laura eine scheinbar unmögliche Liebesgeschichte, die das Einzige ist, was die beiden unglücklichen Geister noch ein wenig länger auf der Erde halten kann. Und während der Sommer zu Ende geht stellt der Ausgang eines Gerichtsprozesses und seine Folgen alle diese Menschen – ob tot oder lebendig vor die schwierige Entscheidung, wie ihr Dasein weitergehen soll.

„A fine and private place“ ist Peter S. Beagles erstes Buch und man merkt ihm an, dass er es mit 19 geschrieben hat – sowohl positiv als auch negativ. Ein älterer Autor hätte aus dem Stoff vielleicht ein gewichtigeres Buch gemacht, ein schwerers Buch, das noch mehr Fragen nach dem Leben, dem Tod und der Liebe aufwirft, aber „A fine and private place“ ist gut so, wie es ist. Es ist eine in Pastelltönen gestellte Frage, deren Antwort in Form eines Gleichnisses angeboten wird:

Auf seinen Flügen begegnete der Rabe eines Tages einer Möwe, die sich aus welchem Grund auch immer mitten auf das Amerikanische Festland verirrt hatte und nach dem Ozean suchte. Jeder Teich und jeder Fluss veranlasste die Möwe zu voreiligen Jubelrufen, endlich ans Ziel gelangt zu sein, aber das Meer war noch weit. Was das bedeuten soll, darüber darf sich jeder selbst seinen Kopf zerbrechen.


Wenn ihr das Buch kaufen wollt, macht es über Conlan Press, dann bekommt ihr ein signiertes Exemplar und Peter S. Beagle ein wenig mehr Geld.

---
Findest Du nicht gut? Schick mir Deine Kritik!
Findest Du gut? Schenk mir ein Buch!
Findest Du sehr gut? Dann spenden

27.02.2008

Two Hearts

Ein Nachtrag zum letzten Einhorn von Peter S. Beagle.

Man könnte argumentieren, dass diese Geschichte nur ein Aufguss davon ist, wie das letzte Einhorn endet: Ein wenig traurig, aber wahrhaftig zu seinen Figuren.
Man könnte argumentieren, dass es unnötig ist, die alten Charaktere noch mal aufzuwärmen und es besser gewesen wäre das Land mit neuen Gesichtern zu bereichern, aber jedem der das letzte Einhorn mochte - und wer mochte es nicht? - wird diese Geschichte zu Herzen gehen.

Sie beginnt in einem kleinen Dorf einige Tagesreisen entfernt von Hagsgate. Ein Greif hat sich im nahen Wald eingenistet, frisst Schafe und Ziegen und tötet bald auch Kinder. Die neunjährige Sooz verliert ihre beste Freundin und muss erleben, dass selbst die besten Ritter des Königs nichts gegen das Ungeheuer ausrichten können.

Also fasst sie einen folgenschweren Entschluss und macht sich selbst auf den Weg zum König.

Der Zauberer Schmendrick (der Probleme mit der Zeit hat, was aber nicht näher erklärt wird) und Molly Grue kreuzen ihren Weg und gemeinsam suchen sie König Lir auf, der inzwischen ein alter, seniler Mann ist. Aber in seinem Inneren lebt die Erinnerung an die Lady Amalthea fort und treibt ihn an ein weiteres Mal auszuziehen, um seine Pflicht als Held und König zu erfüllen...

Zur Abwechslung verrate ich das Ende (das wie jedes echte Ende gar kein Ende ist) mal nicht. Macht euch selbst auf den Weg zurück ins Land des letzten Einhorns, entweder hier oder noch besser direkt bei Conlanpress, wo ihr die Deluxe Edition des letzten Einhorns mit der Geschichte "Two Hearts" und einem Interview mit Peter S. Beagle kaufen könnt.

Ich jedenfalls habe Feuer gefangen und warte gespannt, wie die Geschichte von Sooz weitergeht und wer auftauchen wird, wenn sie an ihrem 17. Geburtstag die magische Melodie pfeift, die ihr Molly Grue beigebracht hat...

23.02.2008

Peter S. Beagle

Scheint so, als hätte ich jahrelang in einem Wald gelebt, der keinen Kontakt zur Außenwelt hatte und in dem es niemals Winter wird. Und dann waren sie plötzlich alle tot, die Einhörner. Scheint so, als hätte ich meine Pflichten als Fan sträflich vernachlässigt... Aber halt! Einhörner, verschwinden manchmal, aber sie sterben nicht.

Und schau mal einer an, Peter S. Beagle, der Autor des letzten Einhorns lebt noch und ist ziemlich produktiv!

2005 hat er "Two hearts" geschrieben, eine kleine Geschichte, die als Fußnote zum letzten Einhorn gedacht ist und damit gleich sowohl einen Hugo als auch einen Nebula Award abgeräumt. Und weil das so gut geklappt hat, arbeitet er an einer Romanversion des Stoffes. Und an einer Menge anderer Sachen, wie sich seiner unoffiziellen Website entnehmen lässt.

Beagle stand einer Fortsetzung seines größten (einzigen?) Erfolges selbst immer skeptisch gegenüber, aber nach fast 40 Jahren (das letzte Einhorn ist 1968 rausgekommen) und so viel positiver Resonanz auf "Two hearts" wäre er blöd, wenn er es nicht noch einmal versuchen würde. In diesem Jahr soll die Romanversion von "Two hearts" erscheinen.

Ach ja: Es scheint kaum jemanden zu geben, der in irgend einer Weise an einer Verfilmung des Herrn der Ringe beteiligt gewesen ist und nicht irgend jemand anderen verklagt hat. Peter S. Beagle gehört auch dazu. Er hat 1978 das Script für die animierte Version von Ralph Bakshi geschrieben und dafür nur 5.000 $ Beratungshonorar bekommen, obwohl ihm der Produzent Saul Zaentz mehr versprochen hat. Der Film hatimmerhin den jungen Peter Jackson dazu gebracht Tolkien zu lesen und schließlich seinen Film zu drehen. Saul Zaentz strich dabei zweihundert Millionen Dollar ein, weil er die Filmrechte besaß und Peter S. Beagle ging leer aus.

Übliche Schlammschlacht & Dementi bitte hier einfügen...

Ähnlich erging es ihm bei der Verfilmung des letzten Einhorns. Auch davon ist er nicht reich geworden und wenn man Beagle vorwirft, dass er viel zu lange viel zu blauäugig war, dann liegt man sicher nicht falsch. Sagt sogar sein Manager. Überhaupt kann man einiges lernen, wenn man sich die Lebensgeschichte von Beagle ansieht.

Er hat mit 19 seinen ersten Roman geschrieben (A fine and private place), der allseits gelobt wurde und Appetit auf mehr machte. Darin lebt ein Mann auf einem Friedhof, spricht mit den Toten und lässt sich von einem Raben mit Essen versorgen.
Nach 5 Jahren kam schließlich das zweite Buch: I See By My Outfit: Cross-Country by Scooter, an Adventure, eine eloquente autobiographische Reisegeschichte. Wieder Lob von den Kritikern, aber auch die ersten erhobenen Augenbrauen. Wo will Beagle hin mit seinem Schreiben? Wie lässt er sich einordnen?

Das nächste Buch das drei Jahre später herauskam brachte keine Antwort. War The Last Unicorn eine Kindergeschichte? Wer sollte angesprochen werden? Die Kritiker hörten auf zu jubeln und sein Verlag Viking schreibt ihn ab.

Bei Ballantines findet er zwar in Jim Beauchamp einen glühenden Verehrer seiner werke, der den Verkauf nochmal kräftig ankurbelt, aber es dauert 18 Jahre, bis sein nächstes Buch erscheint. 18 Jahre!

Und The Folk of the Air ist wieder ganz etwas anderes als das letzte Einhorn. Fantasy: ja, Fantasywelt: nein. Dementsprechend rümpften Fantasy-Kritiker die Nase.

Dann nach weiteren 7 Jahren The Innkeeper's Song. Inzwischen ist er bei Roc, einem kleinen Verleger gelandet und kaum jemand nimmt von dem Buch Notiz.

Dann 1996 das Buch The Unicorn Sonata. Der Verlag Turner Publishing tut sein möglichstes um den Roman zu verkaufen, wird aber selber verkauft und das Buch verschwindet.

Und so geht es von Buch zu Buch weiter. Beagle erlebte immer wieder kleine Renaissancen, aber nie den großen Durchbruch. Das könnte sich bald ändern, oder wenigstens müsste es sich bald ändern...

Wenn ihr wie ich mehr von Beagle lesen und ihn unterstützen wollt, kauft seine Werke über Conlan Press. Er signiert sie auch. Was ihr noch tun könnt erfahrt ihr hier.

Und weil Peter S. Beagle einer von den Großen ist, konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und hab ihm ein paar Fragen gestellt. Die Antworten gibt es demnächst bei mir.

Was ich so lese