Ich hab eine Neuigkeit für alle Freunde von Mark Z Danielewski:
So wie es aussieht, wird Only Revolutions bei uns erst 2010 erscheinen, übersetzt von Christa Schuenke. Ist eh eine Leistung so ein Buch zu übersetzen... Ich meine, es ist ja nicht sonderlich dick, aber es verleitet dazu... ähm... durchzudrehen?
Bis es so weit ist, kann man sich mit der Audio-Fassung des Textes (gelesen von Mark) trösten, seinen kurzen Rätsel-Text "All the lights of midnight" lesen oder versuchen über ebay oder den Buchdealer des Vertrauens noch an eines der Exemplare von "The fifty year sword" heranzukommen.
Ich hab schon für mein Exemplar auch schon viel teuer Geld bezahlt, aber inzwischen sind die Preise nochmal gestiegen.
Uiuiui sag ich da nur, aber was macht man nicht alles, wenn man verrückt nach Literatur ist?
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22.01.2008
Only Revolutions 2010
15.10.2007
Danielewski in Göttingen
Im nachhinein muss ich zugeben, dass ich ein wenig verrückt bin, aber das habe ich vorher auch schon gewusst. Da fahre ich von Moosburg bis nach Göttingen, nur um mich massieren zu lassen und Danielewski im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes lesen zu hören und ein wenig mit ihm zu reden.
Ich halte mich ja normalerweise nicht für einen Menschen, der zu so was neigt, aber hier muss ich einfach zugeben, dass ich ein Fan von Danielewski bin.
Aber der Reihe nach. Die Lesung hat Abends begonnen, aber Anja und ich waren natürlich schon viel zu früh da und sind auch in den großen Saal ins Rathaus reingekommen. Da konnten wir gerade mal die bemahlten Decken und Wände bewundern, als auch schon Danielewski hereingekommen ist und man uns höflich wieder hinausgebeten hat. Also noch mal eine kurze Runde durch die Stadt und dann brav angestellt wie alle anderen auch.
Ich glaube, wenn ich mir das Publikum so angesehen habe, dann war ich der einzige Fan - vielleicht mal abgesehen von dem Professor (?) der durch den Abend geführt hat. Und so hat der Buchladen, der seinen Tisch aufgebaut hatte ein gutes Geschäft gemacht, denn die meisten mussten sich House of leaves erst mal kaufen. Ich hatte natürlich alles dabei, was ich von Danielewski hatte, mir fehlt nur noch "The fifty year sword". Nachdem es per Versand nicht mehr lieferbar war, habe ich es mir jetzt teuer bei ebay gekauft. Was tut man nicht alles...
Jedenfalls hat zuerst Christa Schuenke, die Übersetzerin zwei Stellen aus dem Buch vorgelesen (Die SOS/Fuck - Fussnote und Tom's Geschichte), dann Danielewski zwei Stellen (Minotaurus und die Geschichte des untergehenden Schiffes).
Er hat das vom Pult aus gemacht und während er nach vorne trat und angekündigt hat, dass er jetzt diese und jene Fussnote lesen wird ist mir mit einem Mal aufgegangen, welchen Sinn Lesungen haben. Lesen können wir schließlich alle selber und die Stimme des Autors oder seine Meinungen zum Buch kann man in einem Interview auch einfacher bekommen. Aber eine Lesung ist wie ein Gottesdienst. Die Gemeinde versammelt sich, um den Worten des Meisters zu lauschen und etwas von seinem göttlichen Emanationen mitzubekommen.
Mir gings zumindest so, gebe ich offen zu. Er hätte auch aus einem Kochbuch vorlesen können und ich wäre glücklich gewesen...
Danach bei der Fragerunde hab ich dann gefragt, was vor House of leaves gekommen ist und er hat eine kleine Kindheitsgeschichte erzählt. Eigentlich wollte er schon immer Schriftsteller werden und hat als 9-Jähriger oder so seinen Eltern kund getan, dass er von nun ab jeden Tag eine Seite schreiben will. Das hat er dann auch getan und seine Eltern waren begeistert. Bis sie herausgefunden haben, dass er nicht etwa über "Hobbits und geflügelte Wesen in den Wolken" schreibt, sondern ein Buch mit dem Titel "Hellhole" in dem es um einen Sohn reicher Eltern geht, der im Drogensumpf untergeht.
Die Schule hat Danielewski dafür genützt sich auf dem Gebiet des Schreibens weiterzubilden und herauszufinden, was es schon gibt, und wie man darüber hinaus gelangen kann. Und natürlich hat er wie sich das für einen anständigen Schriftsteller gehört auch noch alles mögliche andere gemacht. Er war zum Beispiel im "Hollywood plumbing team" hat mehr schlecht als Recht Toiletten installiert und solche Sachen. Aber daneben hat er House of leaves auf seine Webseite gestellt (was damals noch eine kleine Herausforderung war) und hat dafür Visitenkarten gedruckt, die er in andere Bücher gesteckt hat. Und so wuchs langsam die Aufmerksamkeit...
Er hat 10 Jahre an dem Buch geschrieben und Christa Schuenke hat eineinhalb Jahre daran übersetzt. Und ich muss hier mal eine Lanze für Übersetzer brechen. Bestenfalls nimmt man sie nicht wahr, schlimmstenfalls fallen einem ihre Fehler auf, aber obwohl sie die Bücher, die sie übersetzen eigentlich neu schaffen müssen, bekommen sie nichts vom Ruhm ab. Und viel weniger vom Geld. Ich kenn mich da nicht so gut aus, aber Christa Schuenke hat gesagt, dass sie einen Kredit aufnehmen musste, um über die Runden zu kommen, während sie House of leaves übersetzt hat. Mutig.
Und dann kommen so Leute wie ich, die mit strahlenden Augen vor dem Autor stehen und sie keines Blickes würdigen...
Aber es war ein gutes Gefühl.
Und wenn Danielewski wieder in Deutschland ist und ich es einrichten kann bin ich wieder dabei.
Dann mit "The Fifty Year Sword"
14.10.2007
23.08.2007
An den Grenzen der Literatur
Ein paar Beispiele, wie weit man mit der Literatur gehen kann, um Euch ein paar Anregungen oder abschreckende Beispiele zu geben, denn Literatur ist nicht nur ein paar komische kleine Zeichen auf flachem Zeugs.
Da wären Milorad Pavic und Mark Z. Danielewski zu nennen.
Pavic hat ein Buch in Lexikonform mit einer männlichen und einer weiblichen Ausgabe (Das Chasarische Wörterbuch, männliches Exemplar) geschrieben, ein anderes in Kreuzworträtselform und eines, dessen Kapitelreihenfolge sich aus dem Legen von Tarotkarten ergibt.
Von Danielewski habe ich bisher 2 Bücher gelesen: House of leaves und Only Revolutions. House of leaves habe ich ja schon mal besprochen und Only Revolutions ist noch mal eine ganze Ecke durchdachter und konstruierter. Eine Geschichte, die sich durch die Zeit zieht, erzählt von 2 Personen. 36 Zeilen auf jeder Seite, 360 Wörter auf jeder Seite. Jeweils eine Version auf dem Kopf stehend, so dass man das Buch von beiden Seiten beginnen kann. Poetisch, beeindruckend aber auch nicht ganz einfach zu lesen.
Shelley Jackson schreibt an einem Text, der aus einzelnen, auf die Haut von Freiwilligen tätowierten Wörter besteht.
Und dann habe ich neulich noch die Irren wiederentdeckt, die leipogrammatische Texte schreiben. "Gadsby" von Ernest Vincent Wright hat über 50.000 Wörter aber kein einziges 'e'. Versucht mal eine einzige Seite mit einem sinnvollen Text zu füllen, der auf den Buchstaben 'e' verzichtet und ihr könnt Euch vorstellen, was das bedeutet.
Wenn Ihr weitere Beispiele wie diese kennt, lasst es mich wissen. Auch wenn man selbst nie ein Buch ohne 'e' schreiben wird oder ähnlichen Vorgaben folgen will, ist es doch interessant zu wissen, wo die Grenzen der Literatur im Moment liegen.
17.08.2007
House of leaves
Das Haus. House of Leaves
Mein letzter Blogeintrag ist schon eine Weile her und Schuld daran ist House of Leaves von Mark Z. Danielewski. Es ist das erste Buch seit langem, das ich mir ohne großes Warten oder Rumüberlegen gekauft habe und nach knapp einer Woche, knapp hinter der 500-Seiten-Marke habe ich meine Entscheidung alles andere als bereut. Das Buch ist das beste, was ich seit langem gelesen habe.
Die Story an sich ist einigermaßen unspektakulär: Navidson, ein gefeierter Fotograf zieht mit seiner Lebenspartnerin und den beiden Kindern in ein nettes Häuschen. Er installiert überall Videokameras, um festzuhalten, wie sich Menschen einen neuen Ort aneignen. Nach einem kurzen Urlaub stellen die beiden fest, dass zwischen ihrem Schlafzimmer und dem ihrer Kinder ein Durchgang zu einem weiteren Raum aufgetaucht ist, der vorher nicht da war. Das macht Navidson natürlich neugierig und er beginnt sich Grundrisspläne zu besorgen und nachzumessen. Es stellt sich heraus, dass das Haus innen einen Viertelzoll länger ist als außen. Er zieht Fachleute mit besserem Equipment hinzu, aber die Differenz bleibt. Außerdem tut sich im Wohnzimmer eine Tür auf, die eigentlich in den Garten führen müsste. Aber dahinter ist ein langer, aschschwarzer Gang in dem nur Dunkelheit und Kälte herrscht. Five and a half minute hallway.
Der Gang wird im Verlauf der Zeit länger und entgegen den Wünschen seiner Frau betritt ihn Navidson eines Nachts. Exploration A. Er verirrt sich beinahe in den Räumen und Gängen, die sich immer wieder verändern, schafft es aber wieder zurück ins Wohnzimmer.
So geht das weiter. Er holt seinen Bruder und schließlich professionelle Höhlenforscher hinzu, doch mehr und mehr entwickelt sich das ganze zum Horrortrip. Die Forscher entdecken in weiteren Explorationen gigantische Hallen und eine ebenso gigantische Wendeltreppe, die nach unten führt. Schließlich dreht der Leiter der Exploration durch, verletzt einen der anderen Forscher und erschießt schließlich den anderen und später sich selbst. Navidson startet eine Rettungsaktion, nachdem aus den Wänden SOS-Klopfgeräusche gekommen sind und neben der Kamera des Teamleiters kann er auch die Leiche des erschossenen und den verletzten Forscher bergen.
Danach geht alles ziemlich schnell, denn das Haus wird bösartig. Seine schwarzen Wände beschränken sich nicht nur auf abgegrenzte Bereiche, sondern nehmen alles in Besitz und töten Navidsons Bruder. Der Rest kann sich mit knapper Not retten und die Familie verlässt das Haus.
Aber Navidson ist davon besessen. Er lässt mitgebrachte Proben aus den Wänden untersuchen und es stellt sich heraus, dass die am Eingang 'nur' ein paar tausend Jahre alt sind, während die am Boden der Wendeltreppe älter sind als unsere Galaxie.
Er beschließt erneut in das Haus einzudringen. Und er findet tatsächlich etwas: Ein Fenster hinter dem nichts mehr ist. Nachdem seine Vorräte aufgebraucht sind, fällt er in dieses Nichts und das letzte, was seine Kamera aufzeichnet ist ein kleiner Flecken blaues Licht.
Nun wird das ganze nicht einfach so erzählt, sondern der aus dem Ton- und Bildmaterial zusammengeschnittene Film, der "Navidson Record" ist Gegenstand einer wissenschaftlichen Abhandlung, die ein blinder alter Mann Namens Zampano auf unzähligen Blättern und Karteikarten zusammenträgt. Dieses Konvolut aus Blättern wird von Johnny Truant, dem eigentlichen Erzähler editiert und herausgegeben. Man hat also im Ganzen fünf Ebenen:
1. die Geschichte der Navidsons
2. der Film der daraus gemacht wurde (The Navidson Record)
3. Zampanos Abhandlung über den Film
4. Truants Anmerkungen zu Zampanos Abhandlung. Sie machen mindestens die Hälfte des Textes aus.
5. Ein paar wenige Anmerkungen der Herausgeber
Durch diese Art der Friend of a Friend Story bekommt die Geschichte eine beklemmende Glaubwürdigkeit. Die Sprache lässt dem Leser dabei so viel Freiraum, dass er sich aussuchen kann, ob er das Ganze als literarischen Text, als Film oder einfach nur als Konstrukt in seinem Kopf wahrnehmen will.
Hinzu kommt die unorthodoxe Gestaltung. Da stehen Abschnitte auf dem Kopf, werden in Ecken gequetscht, ziehen sich über eine Doppelseite oder rasen - nur wenige Wörter pro Seite - über die Blätter. Manches ist gespiegelt und alles was mit dem Begriff "Haus" oder dem Mythos des Minotauren zu tun hat, ist in einer anderen Farbe gehalten.
Die meisten von Zampanos Fußnoten sind natürlich Blindgänger, genauso wie die Interviews mit Prominenten wie Stephen King oder Stanley Kubrick, aber wer prüft schon nach, wohin Fußnoten führen?
Ich bin noch nicht ganz durch mit dem Buch und auf den restlichen 200 Seiten kann noch eine Menge passieren, aber ich kann das Buch jetzt schon jedem ans Herz legen, der auf Horror, oder auch nur auf sehr sehr gute Literatur steht. Das Buch ist als "Das Haus" jetzt auch auf Deutsch erschienen, keine Ahnung ob die Übersetzung was taugt.
Labels: House of leaves, Mark Z. Danielewski, Review
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